Jun 21 2010

Vom Glauben, einer Kontrollinstanz, zum Dschihad

Hendrik Erz

Wir schreiben das Jahr 2010. Jesus, der Prophet, Gottes Sohn, ist seit knapp 2000 Jahren tot und auch die Nachfolger Jesu, die kirchlichen Institutionen scheinen vor dem Aus – zumindest in Europa. Es wirkt fast so, als hätte Nietzsche mit seinem Ausruf „Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!“ allmählich recht, denn im Ursprung der christlichen Kirche sind die Menschen zunehmend desillusioniert, was Kirche und Glauben angeht, doch das liegt nur marginal an Marx und Nietzsche.

Als vor 2000 Jahren Jesus von Nazareth geboren wurde, dachte auf der ganzen Welt niemand an so etwas wie die Bibel. Die Menschen in Palästina, damals unter römischer Verwaltung und allesamt Juden, hatten genügend mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, denn obwohl sie die römischen Errungenschaften wie feste Straßen und eine Kanalisation nicht schlecht fanden, wollten sie dann doch lieber autonom bleiben. Ständig gab es Aufstände und die zionistischen Anhänger wollten sich autonom erklären. Nicht selten stand dabei die Ehre des römischen Imperators auf dem Spiel.

Die Geschichte, mit der die Entstehung des Christentums begonnen wird, ist landläufig bekannt. Jesus wird geboren, in einer Krippe unter einem Stern, weil eine Volkszählung stattfindet und die Hotels alle überfüllt sind – sogar ohne Mehrwertsteuersenkung. Drei Weise aus dem Morgenland kommen heran und bringen Geschenke – Myrrhe, Weihrauch und Gold, für den künftigen „König“ der Christen. Dann wächst Jesus heran, vollbringt Wunder und predigt seinen eigenen, neuen Glauben. Und das, obwohl er Jude ist. Nicht selten bringt er nämlich die streitbaren Palästinenser gegen sich auf und so gibt es auch die Geschichte, in welcher Jesus in eine Synagoge geht und die Händler im Vorhof aufmischt. Er prangert an, dass mit dem jüdischen Glauben hier Geld gemacht werde, was so nicht sein darf.

Später bringen ihn dann die Juden, respektive die Römer, zu Fall und kreuzigen ihn kurzerhand. Mit knapp 30 Jahren endet das Leben des Messias in Jerusalem. Doch seine Jünger machen weiter, sie tragen sein Gedankengut weit in die Welt hinaus, vier seiner Schützlinge, Markus, Matthäus, Lukas und Johannes schreiben je ein Evangelium, welche das neue Testament der Bibel ausmachen. Doch erst knapp 300 Jahre später, im Jahre 325, wird die eigentliche Bibel, das Werk, welches wir heute kennen, vom Konzil von Nicäa beschlossen und zusammengefügt. Kaiser Konstantin, selbst zu Lebzeiten Heide und erst auf dem Sterbebett getauft, beauftragte Vertreter der damaligen, eher losen Kirchenökumene damit, religiöse, christliche Texte zusammenzutragen und zu ordnen, um eine Art Regelwerk für den christlichen Glauben auf der ganzen Welt zu erschaffen. Futter für die Löwen, die nämlich zu dieser Zeit kurz davor standen, Rom durch ihren Glauben in Stücke zu reißen. Konstantins einziger Ausweg war die Erklärung des Christentums zur Hauptreligion.

Und so entstand nach endlosen Diskussionen endlich das fertige Werk, damals noch ausschließlich auf hebräisch, unterteilt in altes und neues Testament; in Entstehung der Welt und die Wirken Jesu. Sehr schnell begannen Schreiber damit, die Bibel in griechisch und Latein zu übersetzen, die Bibel wurde in der gesamten Welt verteilt, und sie verlieh den Christen ein wenig mehr Konsistenz.

Auch die Kirche selbst festigte sich nach und nach. Statt dem gemeinschaftlichen Prinzip, in welchem jeder Teil einer einzelnen, kleinen Ökumene gleichberechtigt war, jeder Mensch soviel wert wie die anderen war, erforderte die rasche Ausbreitung des Christentums, die nicht immer mit Jesus’ Methoden stattfand, wie auch der sehr empfehlenswerte Film Agora – Säulen des Himmels zeigt, schnell organisatorische Strukturen, und so begab es sich, dass die Kirche im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zu einem zentralistischen System wurde, mit ihrem Zentrum im Vatikan. Das Vatikansgebiet war eine Schenkung eines römischen Kaisers an die katholische Kirche.

Nach dem Zusammenbruch des römischen Imperiums dann, als etliche Horden aus dem nordöstlichen Europa in Italien einfielen, überlebte der Vatikan und die christliche Kirche und konnte als neuer Zusammenhalt der Menschen fungieren. Denn nachdem mit einem Schlag sämtliche Repressionen und auch sämtliche Autorität von Rom aus weg war, brauchten die Menschen einen neuen Zusammenhalt, der ihnen durch das Christentum gekommen war. Viele Stämme waren durch die römische Herrschaft konvertiert, in einige Stämme kam das Christentum von selbst. Und so breitete sich das Christentum in Europa in der Effizienz und Geschwindigkeit aus, wie es die römischen Imperatoren mit dem römischen Reich gerne gesehen hätten.

Und dann, kurz nach der Jahrtausendwende, genauer gesagt im Jahr 1095 besann sich dann ein Papst, Urban II., in Clermont wieder auf die Ursprünge und so rief er mit dem Spruch „Gott will es!“ zum ersten offiziellen Araberschlachten, genannt Kreuzzug, auf. Sein Vorgänger Gregor VII. konnte leider nicht den Startschuss geben. Sein Vorhaben, zweifelhafte Berühmtheit zu erlangen, wurde vom zu dieser Zeit wütenden Investiturstreit überschattet. Historisch gesehen ist der Investiturstreit immerhin nichts anderes als die Vetternwirtschaft, die Griechenland heute in die Pleite geführt hat. :)

Fest steht, dass der Kreuzzug vier Jahre später dann auch endlich dampfend um die Ecke rollte und die Araber etwas überraschte. Immerhin hatten sie seit knapp 600 Jahren die Herrschaft über Palästina, die nie zuvor jemand in Frage stellte, und hatten nicht damit gerechnet, dass die Christen urplötzlich auf die Idee kämen, sich Palästina zu schnappen, nur weil es einmal zu Rom gehört hat, was zu dieser Zeit ja faktisch nicht mehr existierte. Jedenfalls schafften es die Kreuzritter trotz ihrer Rüstungen, die Stadtmauern von Jerusalem zu stürmen und die Stadt einzunehmen.

Es folgte das übliche Prozedere nach Belagerungen – die siegreichen Recken rannten durch die Straßen, meuchelten die halbe Bevölkerung und schändeten knapp 90% aller „heidnischen“, also von anderen Religionen gebauten, Heiligtümer. Die dabei zerstörte Kultur war unersetzlich und selbst der Fall des World Trade Centers 2001 dürfte einen Witz gegen Jerusalem darstellen, in kultureller wie menschlicher Sicht. Nachdem die Kreuzvandalen dann die Stadt endlich komplett durchsucht hatten, stand die Stadt unter westlicher Kontrolle. Und das für lange Zeit.

Die Folgen für die palästinensische Bevölkerung waren erschreckend. In Jerusalem konnten sie ihren Glauben kaum noch ausleben, zu groß war die Zahl und Macht der Christen. Und im Umland waren außer Schneisen der Verwüstung auch viele Burgen anzutreffen, Herrenhäuser von Menschen, die man heute als „Neureiche“ bezeichnen würde, die ihre „Untertanen“ ausnutzten und das feudalistische System Europas auf den nahen Osten ausweiteten.

Ein weiterer Nebeneffekt der Kreuzzüge war allerdings auch die Gründung diverser Ritterorden, so zum Beispiel die Johanniter oder die Tempelritter. Letztere wurden quasi das Blackwater des Mittelalters, allerdings mit wesentlich mehr Macht und einer besseren Organisationsstruktur. Außerdem haben wir diesen netten Menschen immerhin das Schecksystem zu verdanken.

Mehr über die Kreuzzüge und über die Mentalität der Christen und Muslime zur damaligen Zeit finden sich mundgerecht schöngefärbt im Film Königreich der Himmel.

Weiter geht die christliche Mordserie dann mit zwei ebenfalls recht bekannten Begriffen, die allerdings den wenigsten Menschen heute noch wirklich geläufig sein dürften: Inquisition und Hexenverfolgung.

Die Inquisition kam Ende des 13. Jahrhunderts auf, also etwa zur Zeit des letzten Kreuzzuges, und zielte darauf ab, politische wie ideologische Feinde der Kirche auszumerzen. Propagiert als ein Mittel, Glaubensverräter zu bestrafen, war es der ideale Kaperbrief für europäische Länder, politische und ideologische Feinde loszuwerden. Besonders in Spanien entglitt die Inquisition nach und nach den Händen der Kirche und so wurde es zu einem Mittel der spanischen Regierung, politische Gegner leicht loszuwerden, und das ganze sogar noch mit der Unterstützung des hoch gläubigen Volkes.

Hexenverfolgung wiederum ist ein oft verwendeter Begriff. Viele Menschen heute zeigen mit dem Finger auf die Kirche und beschuldigen sie, am Tod von Millionen Frauen schuldig zu sein. Das stimmt zwar, ist aber in etwa so, als würde man die Zahl Pi auf glatt 3 festlegen. Sicherlich hat die Kirche mit dem Malleus Maleficarum, dem Hexenhammer sehr viel in die Richtung gerudert, doch war sie nicht ausführendes Organ. Bei jeder Verbrennung war zwar ein Priester anwesend, doch kam niemals eine Anschuldigung aus dem Klerus selbst. Fast alle Anschuldigungen müssen wohl so geklungen haben: „Der Nachbar ist eine Hexe! Ich hab es genau gesehen!“

Der Nutzen ist ersichtlich – wenn der Nachbar tot ist, steht da ein wunderbares Haus, mit viel grünerem Gras als das eigene. Und so sollen wohl viele, viele Hexenprozesse abgelaufen sein. Jemand schwärzt einen Konkurrenten oder unliebsamen Nachbarn an und schon steht ein Haus mehr leer. Sogar der Klerus selbst blieb manchmal nicht verschont davon. Während nämlich die Inquisition lediglich eine Art englische Fuchsjagd war, also Jagen nur für die adeligen Herrscher, so war die Hexenverbrennung quasi DSDS – jeder darf mitvoten. Und somit wäre auch das Schuldproblem geklärt – das Volk selbst hat einen Großteil der Drecksarbeit erledigt, ganz wie zu Zeiten Hitlers.

Doch wie naiv Glauben wirklich machen kann, zeigt eine Geschichte aus einer völlig anderen Ecke des Planeten. Spanische Konquistadoren waren etwa um die Zeit der Inquisition auch in Südamerika unterwegs und erforschten die Bodenschätze der Maya- und Aztekenvölker. Gleichermaßen wollten sie – völlig unverbindlich – den „Heiden“ das Christentum näher bringen. So gab ein berühmter spanischer Konquistador einem Herrscher eine Bibel. Aufgrund Sprachschwierigkeiten konnte man ihm aber nicht klar machen, dass die Bibel ein Buch mit Seiten und Buchstaben war. Der heidnische Herrscher dachte, die Bibel würde zu ihm sprechen (oder etwas vergleichbares), da er in ihr aber keinen Nutzen sah, warf er sie in den Staub. Das war in den Augen der Spanier Gotteslästerung und so bliesen sie zum Angriff…
Diese Geschichte ist auch eine hübsche Parabel darüber, welchen Wert eine Religion für Menschen anderer Religionen haben kann.

Nach und nach ging dann der Zoff innerhalb der Kirche weiter, es spalteten sich nach und nach immer mehr christliche Sekten ab, die Evangelisten, Kalvinisten und weitere Gruppen machten sich selbstständig. Sogar der englische König begründete die britische Kirche, nur um erneut heiraten zu dürfen. Der Starrsinn der festgefahrenen Elite des Klerus sorgte für erhebliche Schwächeanfälle des Systems – ähnlich dem politischen System heute in Deutschland, auch wenn das noch ein wenig demokratischer ist, als die katholische Kirche.

Und so sorgten nicht nur etliche Abspaltungen von Leuten, die ihr eigenes Ding durchziehen wollten, sondern auch gleichermaßen Menschen wie Nietzsche, Marx und weitere deutsche Philosophen, dafür, dass die Kirche allmählich an Substanz verlor.

Ende des 18. Jahrhunderts dann verlor die Kirche nach und nach sogar die Macht über die Politik, besonders in Deutschland zeigte Bismarck seine Macht über die Kirche, indem er die Hochzeit und die Bildung kurzerhand verstaatlichte. Auf einmal war es Pustekuchen mit leicht gemachtem Geld, wie zu Zeiten des Ablasshandels.
Selbstverständlich stellte das noch keine große Gefahr für den Vatikan dar, immerhin wurde zu der Zeit der Glauben in den USA ein sehr großer Renner. Und somit ist das Christentum wohl die einzige Industrie, die sich selbst unbewusst „geoutsourced“ hat – von Europa in die USA.

Während in Deutschland langsam der Materialismus stark überhand nahm, war man also in den USA immer noch streng gläubig, und so ist es auch heute nicht verwunderlich, wenn es in Amerika noch viele tiefgläubige christliche Sekten gibt. Religionsunterricht ist immer noch in einigen Bundesstaaten ein großer Teil des Unterrichtes und dazu kommt ein Faktor, der der katholischen Kirche stark in die Hände spielt: Amerika ist kein Land, welches Bildung als extrem cool empfindet. In Amerika hat man schon seit jeher lieber auf die Kraft Gottes, als auf Darwin vertraut.

Für ein relativ oberflächlich gewordenes Volk, welches längst nicht mehr den Glanz der Unabhängigkeitserklärung von 1776 innehat ist es eben einfacher, darauf zu vertrauen, alle Sünden seien ihnen vergeben und sie werden ihren „American Dream“ leben können, statt Bücher zu wälzen und für sein Glück selbst zu kämpfen. Ein Graus für jeden Kapitalisten. Doch hier hat sich das Fernsehen und das Internet derart verselbstständigt, dass eine Kontrolle nicht mehr möglich ist – eBook statt Bibliothek. Der Mensch ist faul und Amerika ist das beste Beispiel dafür, dass geistiger Hedonismus auch zu einer übertriebenen Glaubensannahme führt.

Doch was passierte in Europa, während in Amerika Mathematik und Biologie langsam durch Abakus und die Bienchen-Blümchen-Theorie ersetzt wurden? Nun, hier hat die Kirche einen immer schlechteren Status. Was einst mit ein paar wilden Theorien von Marx und Nietzsche begann, hat sich allmählich als neuer Volks-Unglauben durchgesetzt. Man glaubt, die Kirche sei nur noch was für alte Menschen. Man glaubt, es gibt keinen Gott. Der wirkliche Glauben ist irgendwo zwischen Exportweltmeisterschaft und Hartz IV versunken. In Deutschland ist der Glauben an Gott ersetzt worden durch den Glauben an eine bessere Welt. Nirgendwo sonst schwindet der Einfluss der Kirche so derart wie in Europa.

Die Menschen sind desillusioniert, der Atheismus findet starken Zulauf und immer mehr Menschen finden den christlichen Gott nicht mehr interessant. Und so begibt es sich, dass es zahlreiche neue Glaubensrichtungen gibt. Während die normale Religion des Christentums eher alten Menschen zugeschrieben wird, orientieren sich Jugend und Erwachsene am Heidentum, am Neopaganismus, aber auch am schlichten Atheismus. Es gibt mittlerweile derart viele Möglichkeiten, einen Glauben zu haben, dass das Angebot einem Supermarkt gleich kommt. Und viele bedienen sich auch wie in einem Supermarkt.

Was aber ein Fehler vieler Menschen ist, mag das Schwarzweiß-Denken sein. Viele Menschen begehen den Fehler, sich für eine Religion zu entscheiden, dann aber alle anderen Religionen als wertlos zu betrachten – ein weiteres Beispiel für den Wert von Religion. Und so kommt es beispielsweise auch zu den Religionskriegen, wie in Irland oder eben der klassische Konflikt Islam vs. Christentum. In solchen Situationen zeigt sich, dass religiöser Fanatismus eben das falsche Mittel zum Zweck ist.

Denn während Neopaganisten friedlich neben Christen leben können und Juden kein Problem mit dem Leben innerhalb einer atheistischen Umgebung haben, so scheint es mir paradox, dass sich andere Leute wegen ihrer Ideologie derart zanken können. Und doch haben wir das große Problem, dass diese Konflikte seit Urzeiten geschwelt haben. Ursprünglich waren sie aus Gründen der persönlichen Politik angefangen worden, muslimische Herrscher wollten mehr Macht in der Welt haben, ebenso wie der Papst oder weitere westliche Herrscher. Daher nutzten sie den damals fest verankerten Glauben, um unbändige Kräfte zu mobilisieren. Nur ist das Problem, dass die „Altlasten“, unsere heutige fanatische Gesellschaft in einigen Teilen der Welt, immer noch aktiv sind, und heute mit noch stärkerer Brutalität die Kreuzzüge vergangener Tage weiterführen.

Eine neue Möglichkeit, Glauben zu leben, wäre demnach, einen sozial verträglichen Glauben zu erschaffen, eine Art Glauben, der zwar sehr fest verankert ist, und an dem man sich immer festhalten kann, egal, was passiert, der aber anderen Personen nicht einen Glauben vorschreibt oder sie dafür diffamiert, was sie glauben. Ein Glauben, der sagt, dass man den anderen glauben lassen muss, was man will. Ein Glauben, der intelligent ist und sich flexibel an veränderte Situationen anpassen lässt. Ein Glauben, in dem nicht eine versteinerte Institution die Kontrolle hat, diese im schlimmsten Falle sogar ausnutzt, wie zum Beispiel bei diesen Kindesmissbrauchsfällen, sondern ein Glauben, der sich wieder auf die Grundsätze des Glaubens beruft.

Beim Christentum wäre das beispielsweise eine Rückkehr zur alten Ekklesia, der alten Gemeinschaft, in der in provisorischen Häusern oder anderen Orten, denen man nichts religiöses ansieht, oder eben spartanischen Kirchen, eine kleine Gemeinschaft von gleichberechtigten Gläubigen Gottesdienste feiert, wo der gelebte Glauben ungestört ausgeführt werden kann. Es wäre gewissermaßen ein Rückschritt für den Fortschritt.

Die Welt hat sich eben schneller und einfacher verändert, als jahrhundertealte Traditionen sich anpassen können und so bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann einmal der gläubige Dickschädel der Welt ersetzt wird durch intelligenten Glauben, wie ihn heute viele jüngere Generationen vor leben, als eine Möglichkeit, alten Glauben mit neuem Gedankengut zu vereinen. Und das dann bitte ohne Absurditäten, wie einem streng christlich-religiösem Museum, welches Darwins Evolutionstheorie mit der Genesis zu vereinen versucht.


Jun 5 2010

Israel – Ein Platz an der Sonne?

Hendrik Erz

Seit knapp 62 Jahren gibt es nun Israel, gegründet nach dem zweiten Weltkrieg von jüdischen Volksleuten im Gebiet zwischen Jerusalem und dem Mittelmeer. Innerhalb des Staates liegen so mehr oder minder sämtliche christlichen und jüdischen Heiligtümer, wie Jerusalem, Bethlehem und das Tote Meer (Man erinnere sich an die Geschichte von Sodom und Gomorrah). Und genau dieser Punkt macht Israel angreifbar. Denn es gibt Menschen, die Israel diese Heiligtümer streitig machen wollen. Am ehesten tun dies die Palästinenser, welche im Gaza-Streifen und im Westjordanland leben. Die Palästinenser im Gaza-Streifen, seit 2007 unter der Regierung der Hamas machen den Israeliten seit der Gründung des Staates diese Heiligtümer streitig und wollen einen eigenen, völkerrechtlich anerkannten Staat.

An diesem seit Jahrzehnten brodelndem Krieg zwischen Palästinensern und Israeliten zeigt sich in einer krassen Ausführung ein Religionskrieg der Moderne. Denn sowohl Palästinenser als auch Juden haben ein historisch-religiöses Interesse an der Region und gleichzeitig auch irgendwo einen Anspruch darauf, den sie erheben. Nun gibt es aber das Problem, das Israel den Palästinensern keinen eigenen Staat geben möchte und Jerusalem vollständig für sich beansprucht, und die Palästinenser nicht bereit sind, einen gemeinsamen Staat mit den Israeliten zu gründen.

De facto bedeutet das, das sich Israeliten und Palästinenser seit Jahren die Köpfe einschlagen. Die Hamas startet immer wieder Guerillaaktionen auf das militärisch hochgerüstete Israel, welches auch seit Jahrzehnten mit westlichen (vornehmlich deutschen) Waffen beliefert wird, worauf die Israeliten meist mit teilweisen Invasionen auf den Gazastreifen antworten. Seit langer Zeit schon existiert im Gazastreifen nicht einmal mehr grundlegenste Infrastruktur, von diesem ständigen Bekriegen wurden die Gebäude und Städte stark mitgenommen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Gazastreifen wegen der radikalen Hamas, welche international als terroristische Organisation geächtet ist, auch keine internationale Unterstützung erhält.

Doch seit ein paar Tagen kann ein internationales Phänomen der Bestürzung über Israel wahrgenommen werden. Während man sich bereits seit Jahren mit Israel streitet, ob es denn eine Atommacht sein dürfe, oder nicht, gibt es seit 2007 eine See- und Landblockade des Gazastreifens. Sogar innerhalb der internationalen Gewässer versucht Israel mit Erfolg, seine Interessen durchzusetzen und blockiert jegliche Transporte in den Gazastreifen, jüngst war dies eine ganze Hilfsflottilie von pro-palästinensischen Organisationen, welche unter Anwendung von Gewalt in die Gewalt Israels gebracht wurde und schließlich in eine israelische Hafenstadt geschleppt wurde, wo die Ladung in israelische Hand überging. Handel auf die unkonventionelle Art.

Fest steht, dass Israel mit immer brutaleren Methoden versucht, den Gaza-Streifen auszuhungern. Es kommt beinahe einer Belagerung aus dem Mittelalter gleich und die internationalen Kräfte rühren immer noch keinen Finger für die Palästinenser. Und daher gelingt es den Israeliten immer wieder, die Palästinenser immer weiter auszudünnen. Denn die Palästinenser sind zwar das kleinste Problem der Israeliten, aber aufgrund der geographischen Nähe das Lästigste. Denn mit anderen anti-israelischen Anrainerstaaten hat Israel in den vergangenen Jahrzehnten Friedensverträge geschlossen.

Und so versucht Israel nun schon, mit der Begründung der Hamas-Regierung, seit 3 Jahren, den Gaza-Streifen systematisch auszuhungern, doch da immer mehr Unmut in der Bevölkerung des Planeten gegenüber Israels Vorgehensweise laut wird, kommen auch mehr und mehr Feinheiten über diese Belagerung zutage. So zum Beispiel der Angriff auf den Hilfskonvoi in den letzten Tagen. Doch warum blockiert Israel so vehement den Gazastreifen und siedelt ohne Unterlass im Westjordanland?

Nun, zuerst einmal muss man sagen, dass die Nachbarstaaten Israels es mit selbigem Land nicht sehr gut meinen. Kurz nach der Unabhängigkeitserklärung von Israel am 14. Mai 1948 griffen Ägypten, Syrien, Jordanien und der Irak Israel an, weil sie diesen neuen Staat in der Mitte ihrer selbst nicht akzeptieren wollten – nicht zuletzt auch, weil es ein künstlicher neuer Staat mit Unterstützung Europas und Nordamerikas war, der von Großbritannien errichtet wurde.

In der Folgezeit wurde Israel daher immer mehr mit westlichen Waffen ausgestattet und man sorgte dafür, dass es ein Staat der 1. Welt wurde. Doch letztlich führte diese anhaltende Feindschaft unter den eigentlich verbrüderten arabischen Staaten dafür, dass Israel sich halbwegs selbstständig machte. Dies zeigte sich unter anderem im Sechs-Tage-Krieg von 1967 und in den anhaltenden Siedlungsprojekten im Westjordanland sowie der Blockade des Gazastreifens. Und somit hat heute Israel nur noch wenig Unterstützung aus dem Westen, da dieser einerseits diese Siedlungsprojekte und andererseits die Atompläne Israels nicht unterstützt. Somit wurden aus den einstigen Unterstützern Skeptiker und Israel gerät zunehmend in internationale Kritik. Die Vorgehensweise bei den humanitären Hilfstransporten stärkt dieses Bild Israels weiterhin.

Und somit wächst von Tag zu Tag der Druck auf Israel, auch weil einstige Bündnispartner wie die Türkei und Griechenland abspringen und Israel mehr und mehr in der Wüste verdursten lassen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die israelische Regierung in den folgenden Wochen äußert, aber ohne ein Einlenken der Regierung sehe ich keine großen Chancen, denn sobald Israel international nicht mehr derart geschützt ist, wird es immer wahrscheinlicher, dass die großen Feinde Israels erneut eine Invasion versuchen werden…


Apr 5 2010

Ein Leben in Freiheit? Warum Menschen auf zwei Arten gegen das System sind.

Hendrik Erz

Seit etlichen Jahrtausenden gibt es Terrorismus. Der Terror ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Seitdem es Siedlungen gibt, gibt es immer wieder Menschen, die genau diese Siedlungen angreifen. Auch im 21. Jahrhundert ist diese Bedrohung so akut wie eh und je. Doch die Theorien, wie und warum, ändern sich. Früher waren Anschläge meist politisch begründet. Man wollte unliebsame Feinde loswerden, beispielsweise im Kaiserreich Rom. Im Mittelalter war es genauso. Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sieht eben immer saftiger aus, als das eigene.

Doch im 21. Jahrhundert hat sich die Art des Terrorismus gewandelt. Zwar bleibt der Grund gleich – Politik, aber die Umstände haben sich geändert. Heute morden nicht mehr Menschen im Auftrag eines ranghohen Politikers andere Politiker, heute morden regelrechte Organisationen scheinbar wahllos. Es gibt mehr Kollateralschäden, Terrorismus ist nicht mehr “sauber”. Doch warum gibt es so etwas?

Der Artikel “Terrorismus: Die dritte Generation” hat mich auf eine Idee gebracht. Denn in Zeiten globaler Überwachung, in Zeiten von Social Networks und dieser rasend schnellen Technologisierung entsteht nicht nur eine Schere zwischen Arm und Reich, nicht nur zwischen links und rechts und nicht nur zwischen Welt und Glauben. Sondern auch in den Wertevorstellungen. Die einen Menschen ziehen ein Leben mit viel Technik, Luxus und dem neuesten Schnickschnack vor. Solche Leute machen meist Karriere und bekommen einen Bürojob, viel Geld und machen viel Urlaub.
Die anderen Menschen zieht es zu einem Leben in technischer Armut. Facebook und SchuelerVZ sind gespenstig, man versucht, nicht aufzufallen. Das sind meistens Künstler, Überlebensmeister eben, die es schaffen, jeden Monat genug Geld zum Leben zu erwirtschaften – wie auch immer.

Und dann gibt es noch die ganz Radikalen. Das sind Menschen, denen nicht nur Teile eines Landes, wie beispielsweise der Staat, der Kapitalismus oder die Gesellschaft, auf den Senkel gehen, sondern gleich alle zusammen. Menschen, die sich weder mit dem Staat, der Globalisierung oder mit ihren Nachbarn identifizieren können. Einige sind bereits von ihrer Umgebung so geprägt, andere werden es, wie z.B. im SPIEGEL-Artikel durch Radikalisierung.

Ich vermute, die Menschen sehnen sich wieder nach etwas, an das man glauben kann. Deus Ex Machinima ist von gestern, man möchte wieder den Gott im Himmel. Denn vor dem braucht man sich ja nicht fürchten, oder? Und was, wenn die Christen wieder mit Kindesmissbrauch zu kämpfen haben? Für solche Menschen, die das Leben in einer Technologiegesellschaft ablehnen, ist der Islam wie geschaffen. Islamische Länder sind meist technologisch unterentwickelt und man lebt in einer Mischung aus antiker Siedlungsbautechnik und modernen Waffen, meist aus den Beständen alter russischer Lager.

Dafür kann man sich sicher sein, nicht überwacht zu werden (außer von amerikanischen Drohnen), keinen Streit mit der Technik zu haben und eine Gemeinschaft im Dorf zu haben. Anstatt Nachbarschaftshass in Deutschland nettes Beisammensein. Und bis auf die Akzeptanz des Islams keine Bedingungen. Ist das nicht idyllisch?

Ich finde es äußerst interessant, dass diese Möglichkeiten von den westlichen Regierungen noch nie in Betracht gezogen wurden. Dass man sich noch nicht fragte, warum trotz allem Schutz vor Hasspredigern so viele Deutsche in arabische Länder auswandern. Anscheinend ist man nicht gewillt oder nicht in der Lage, im Regierungsviertel die beiden Aspekte “Junge Menschen sind gegen das System aus Kapitalismus, Globalisierung und Überwachung” und “Junge Menschen wandern zum Islam ab” zu verbinden. Vielleicht wandern die Menschen ja ab, weil sie gegen dieses System sind, und nicht, weil sie von außen radikalisiert wurden. Mir dünkt, die Vorherrschende Vorstellung ist, dass grundsätzlich Punks und linke Autonome den ersten Aspekt und zumeist vom Leben enttäuschte und minderintelligente Menschen den zweiten Aspekt erfüllen. Doch dem ist nicht so. Intelligente und integrierte Menschen sind gegen das System, Menschen, die trotz ihrem Hass auf das System studieren und versuchen, durch Kunst und Demonstrationen ihrem Ärger Luft zu machen. Intelligente und vormals integrierte menschen sind es, die in den Islam abwandern, weil ihnen Demonstrationen nicht weit genug gehen.

Ich meine, gegen wen richtet sich der Hass der beiden Gruppen? Genau: Gegen die Inbegriffe des Kapitalismus und der Globalisierung: Amerika. Und seit neuestem anscheinend auch Deutschland.

Doch wenn die Menschen hier in Deutschland und in Afghanistan doch dasselbe Ziel haben – den Sturz des Kapitalismus, warum vereinen sie sich dann nicht sondern haben auch Angst voreinander? Diese Frage dürfte bestimmt aufgekommen sein. Doch auch hier scheint die Lösung greifbar nah: Im Islam verbinden die Dschihadisten den Kampf gegen den politischen und wirtschaftlichen Westen mit den islamischen Wertevorstellungen, und die passt eben nicht zu den meisten fortschrittlichen Kräften in Deutschland und Europa. Hier will man insgeheim noch den Nachtwächterstaat durchsetzen, um innerhalb die größtmögliche Freiheit zu erreichen, aber man kann und will sich nicht mit den Werten des Islam identifizieren müssen. Aus diesem Grunde werden auch in Zukunft vermutlich alle Bemühungen scheitern, mit dem Terrorismus etwas zu erreichen. Es fehlt der Konsens.
Und so wird es weiter Terrorismus geben, bis eines Tages vielleicht der Große Knall kommt. Doch dazu funktioniert unser System halt doch noch zu gut.


Mar 12 2010

Wandel der Moral, oder: Der Weg zur Matschkultur

Hendrik Erz

In den Jahren nach der Gründung der Bundesrepublik war der Deutsche wieder bedacht auf Fortschritt. Marshall-Plan und Westintegration taten ihr übriges dazu, dass die Deutschen fasziniert auf den Fortschritt, auf die Ideen aus dem freien Amerika, schauten. Man begrüßte jede neue Mode, man begrüßte Mc Donald’s, man begrüßte Coca-Cola. Und das nur, weil Amerika als Ursprung des Kapitalismus, bzw. als dessen bester Vertreter auf Erden, ansah und dank dem Marshallplan und den damit verbundenen Verbesserungen der Meinung war, dass der Kapitalismus dem Sozialismus weit überlegen war.

Doch auch heute, bzw. wieder heute, wo die meisten Deutschen nicht mehr so begeistert von Amerika sind, wie einst, gibt es einen Trend zur Amerikanisierung. Alles, was jetzt noch nicht amerikanisiert ist, muss es werden. Und so geht das ganze auch mit dem Datenschutz. Denn just in den aktuellen Tagen empören sich Datenschützer allerorts um das “Zugangserschwerungsgesetz” und – ganz neu – die Ortungsdienste der amerikanischen Internetunternehmen. Mit ihnen wird es möglich, jede Person anhand ihres Handys zu orten und genau zu sagen, wann eine Person wo ist bzw. war.

Der SPIEGEL hat neulich diesbezüglich einen interessanten Artikel veröffentlicht, in dem es auch um den Wandel der Gewohnheiten ging. Darum, dass man zwar früher das Handy auch verteufelte, aber heute das gleiche auch zu Twitter und co sagt. Heute sagen die Datenschützer genau wie damals, dass diese neuen Technologien, diese neuen Trends unsere Privatsphäre weiter einschränken.

Sicher, das tun sie. Seit Facebook, SchuelerVZ und den ganzen damals aus dem Boden geschossenen Social Networks und der damit verbundenen Veröffentlichung privatester Daten, liefen schon Millionen Datenschützer Sturm. Es sei eine Selbstoffenbarung im Internet und von nicht zu unterschäzender Gefahr. Das sagen sie auch heute – noch. Denn nachdem zuerst viele Stimmen laut wurden, wie schlimm doch das ganze mit den Social Networks sei und wie sehr das doch auch Menschen mit bösen Absichten, seien es Pädophile, Sexualstraftäter oder einfach Räuber, helfe, ihre Opfer genauer unter die Lupe zu nehmen, bevor sie loslegen, werden diese Stimmen heute nicht mehr laut. In den meisten Fällen lässt man sie als uninteressant links liegen, manchmal unterdrückt man sie gar, doch wirklich auf fruchtbaren Boden werden diese Datenschützer nicht mehr gelangen.

Genau dasselbe war es doch damals, zu Zeiten der RAF, als die Bundesregierung zum Ergreifen der Täter die Freiheit der Bürger durch spezielle erlassene Gesetze stark einschränkte, um die RAF hochgehen zu lassen. Und genau dasselbe ist es jetzt wegen der Ortungsdienste. Datenschützer sagen “stop” und wollen nicht weiter gehen, die Konzerne geben grünes Licht und die Regierung beobachtet mit Argwohn. Doch in ein paar Jahren wird das mit den Ortungsdiensten normal sein. Genau wie die neuen RAF-Gesetze damals. Genau wie die Handys.

Doch woran liegt es, dass die ganze Welt nach anfänglichen Bedenken so bedenkenlos private Daten veröffentlicht?

Nun, auf der einen Seite liegt es sicher am Utilitarismus, der vom SPIEGEL angesprochen wird, daran, dass es einfach nützlich ist und man es deshalb haben will. Doch ich denke, dass es nicht nur der ist, der da mitspielt. Denn welcher vernünftige Mensch würde so leichtfertig ein wenig fragwürdigen Nutzen gegen seine eigene Privatsphäre eintauschen?

Das Problem liegt hier in etwas ganz anderem. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ein paar Eigenschaften machen es den Erfindern leicht, ihre Ideen schnell an den Mann zu bringen:

  • Der Mensch ist faul. Das bedeutet, alles, was ihm den Alltag erleichtert, heißt er gut, egal wie gut oder schlecht es für seine Privatsphäre ist.
  • Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn man sich erst einmal an etwas neues, unbekanntes, welches ja grundsätzlich im Gehirn mit Ängsten verknüpft wird, gewöhnt hat, erscheint es freundlich, man beginnt, es zu mögen. So eine Art Stockholm-Syndrom der modernen Zeit.
  • Der Mensch will nicht nachdenken. Besonders Ortungsdienste ersparen dem Menschen Denkarbeit. Statt nachzudenken, was die betreffende Person denn jetzt gerade tun könnte, statt nachzudenken, warum man sie nicht erreichen kann, schaut man bezüglich dieser Ortungsdienste einfach schnell aufs Handy und weiß, was los ist.

Diese Aspekte und bestimmt noch ein ganzer Sack voll mehr sorgen dafür, dass der Mensch jede dieser noch so fragwürdigen kleinen Gadgets akzeptieren wird und der Mensch sich selbst gläsern macht. Denn, und das ist der Witz an der Sache, der Mensch wird nicht gläsern gemacht, er macht sich selbst, vollkommen bewusst und freiwillig gläsern. Denn jede bedenkliche Neuerung bezüglich des Datenschutzes müsste nicht so zu einem Hype werden, wenn der Mensch nur nicht so faul wäre. Doch genau das ist das Problem: So etwas neues wird schnell zu einem Hype erklärt, auch vom Menschen selbst, wenn die Erfinder den Wolf im Schafspelz präsentieren.

Und das ganze führt ganz allmählich zu einem Wandel der Moral. Genau wie bei der ’68er-Bewegung findet auch hier dieser Wandel statt, und man akzeptiert Dinge, die man vorher für absolut verwerflich gehalten hat. Ich meine, klar, es ist eine Art von Fortschritt und Fortschritt muss a) sein und kann b) nicht verhindert werden, doch meiner Meinung nach sollte man etwas vorsichtiger in dem Umgang mit so etwas sein. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Sozialem und Technik.

Technischer Fortschritt ist unaufhaltsam und wird uns irgendwann vermutlich zu einer Welt voller Raumfahrer machen, Menschen, die vielleicht die Galaxis beherrschen. Möglichkeiten, wie das aussehen kann, gibt es zur Genüge. Falls gerade nichts präsent ist, sollte ein Blick ins Fernsehen reichen.

Doch Sozialer Fortschritt sieht meiner Meinung nach anders aus, als das, was wir momentan haben. Das, was ich zu diesem Thema beizutragen habe, dürfte auch noch für eine ganze Reihe von Artikeln reichen, doch knapp zusammengefasst sind die momentanen Hauptströme Globalisierung, Multikulturalismus und öffentliche Entblößung Wegweiser zu einer “Matschgesellschaft”, in der es keine einzigartigen Kulturen mehr gibt, sondern nur eine einzige Standardgesellschaft, bestehend aus nur gleichen Menschen ohne wirkliche Eigenheiten. Und wie das wiederum aussehen kann, hat uns eine Southpark-Folge gezeigt, in der ein Mensch aus der Zukunft auf die Erde kommt. Wer nicht weiß, von wem ich rede, der sei auf die Folge 806 – Goobacks (“Immigranten aus der Zukunft”) verwiesen.

An Zukunftsvisionen mangelt uns schließlich nicht, und obwohl ich zugeben muss, dass viele davon pure Fantasie sind, so treffen einige doch durchaus eine Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden sollte. Und meiner Meinung nach sollten sich die Menschen mal mehr auf ihre Moral besinnen, mehr auf das, was sie selbst immer mehr entblößt. Es sei denn, mehr als 50% der Weltbevölkerung stimmen dafür, alte Kulturen, Bräuche, Traditionen, Sprachen und individuelle Eigenheiten der Völker einfach zu verbannen und eine Einheitskultur zu erschaffen. Aber wie war das gleich? Wenn Millionen Menschen eine Dummheit erzählen, bleibt es immer noch eine Dummheit…

Zitate von damals, irgendwo sind sie doch verdammt klug. Und warum sind die meisten Zitate nur schon so alt, hm? Wenn das eure Urgroßeltern wüssten! Aber nun gut, sich drüber aufregen, dass die Welt so kaputt ist, bringt nun einmal leider nichts, also kann ich hier nur die Aufforderung loslassen, denkt darüber nach, was ihr tut. Denkt darüber nach, ob ihr eine Einheitskultur wollt, oder ob ihr so ein paar Individualitäten schützen wollt.


Mar 2 2010

Sprachskepsis – Der Weg zur Sprachlosigkeit

Hendrik Erz

Der Begriff der Sprachnot dürfte vielen etwas merkwürdig oder gar unverständlich vorkommen. Es ist ein Begriff, der eigentlich schon Anfang des letzten Jahrhunderts geprägt wurde, von Hugo von Hoffmannsthal, um genau zu sein. Es ist ein Begriff, der andeutet, dass dem Menschen die Fähigkeit der Sprache mehr und mehr abhanden kommt. Die Sprachnot betrachtet also ein Teilgebiet der Sprachforschung, in dem die Wahrheit der Worte hinterfragt wird und in welchem es zum Zusammenstoß der Definition von Sprache und Realität kommt.

Anfang des letzten Jahrhunderts also schrieb von Hoffmannsthal “Ein[en] Brief”, das wohl bekannteste literarische Werk dieses Zeitgenossen, welches sogar eine nicht unbeachtliche Einordnung in der Wikipedia erhalten hat. In diesem Text schreibt ein fiktiver Lord Chandos an eine weitere fiktive Person einen Brief, in der er schildert, wie er nach und nach nur einzelne Worte, später ganze Themengebiete und dann gar nichts mehr diskutieren kann, nicht mehr sprechen kann. Ungeachtet des Paradoxons, dass er hier alles, was er nicht mehr sprechen kann, dennoch sehr gut in Worte fassen kann, zielt dieser Brief darauf ab, dass die Literatur vor die Hunde geht. Der Brief soll ausdrücken, dass die Funktion der Sprache diese nicht mehr erfüllen kann, mit Sprache kann man nicht mehr auszudrücken, was in der Wirklichkeit vonstatten geht. In Weiterführung begründen dies viele Autoren mit Begriffsdefinitionsänderungen durch bspw. den Nationalsozialismus (Man denke z.B. an die Worte “Arier”, “Arbeit” und “Jude”, welche durch den Nationalsozialismus arg in ihrer Wirkung verdreht wurden) und einige gehen auf die philosophische Ebene, dass sie Gedanken mit Sprache vergleichen und erklären, dass es auch Dinge gibt, die zwar da sind, die man aber nicht erklären kann.

Doch nur wenige Jahrzehnte zuvor war man noch anderer Meinung, einige Philosophen erklärten, dass man nichts denken könne, was man nicht auch durch Sprache ausdrücken könne. Sie gingen gar so weit, zu behaupten, es gäbe nichts, was man nicht durch Sprache ausdrücken könnte. Doch die Sprachskepsis bietet ein neues philosophisches Törchen auf dem Weg in eine bessere Welt.

Denn die Sprachskeptiker sagen, dass man einige Dinge nicht ausdrücken kann, z.B. Emotionen, bestimmte Situationen, die berühmten Momente, denen keine tausend Worte gewahr werden. Zum Beispiel kann man einfach nicht in jemandem dieses Gefühl auslösen, im Sonnenuntergang zu sitzen, der Sonne beim Untergehen zuzusehen und zu entspannen. Man kann es in Worte fassen wie man mag, aber wirklich fassen kann man es nicht. Und so ist auch meine Meinung.

Doch es gibt einige Sprachskeptiker, die scheinen das Gebiet zu nutzen als Entschuldigung für Kreativitätslosigkeit. Sie begründen nämlich damit, dass ein Verfall der Literatur zu beklagen sei, dass Romane also immer einfacher gehalten werden, dass Bücher immer weniger sprachlichen Tiefgang haben, dass es unmöglich sei, wirklich tiefgründige Abhandlungen zu schreiben, da dem Menschen ja das Konstrukt der Sprache verloren geht.

Doch wie bereits Georg Klein in Anlehnung an “Ein Brief” schrieb, scheinen sich einige Literaten ihre Position zu sehr zu Herzen genommen zu haben und übertreiben es ein wenig mit ihrer Vordenkerstellung.

Doch wie kommt diese Sprachskepsis überhaupt zustande?

Einfach gesehen kommt sie durch den übermäßigen Einsatz von Sprache zustande, dass man zu oft bestimmte Wörter verwendet. Denn je öfter man ein Wort vor sich hin spricht, desto mehr versucht man, hinter dessen eigentliche Bedeutung zu kommen, hinter dessen Ursprung und was es eigentlich hieß.

Und nun stelle sich wer vor, man versucht sämtliche literarischen Stile durch und versucht, sich und seine Sprache bei jedem mal zu verändern, eine andere Wirkung zu verursachen. Irgendwann scheint man an eine Mauer zu stoßen. Und diese Mauer scheint einem sagen zu wollen “Es gab schon alles einmal!”. Doch ganz ehrlich – wenn man weitermacht, kommt man irgendwann auch an einen Punkt, an dem man wieder ganz normal sprechen/schreiben kann.

Die Sprachskeptiker vom Anfang des Jahrhunderts sind an dem Punkt stehen geblieben, aber viele Leute sind weiter gegangen und wieder am Anfang, wo die Sprache noch gut war, angekommen. Problem gelöst?

Nun, sehen wir es so – die Sprachskepsis hat durchaus ihren Sinn, wie gesagt, Emotionen auszudrücken vermag die Sprache nicht. Dazu bedarf es anderer, neuer Worte, die aber auch schon im Kindesalter mit diesen Emotionen verbunden werden müssen, wenn das überhaupt geht.

Aber die Sprachskeptiker des 20. Jahrhunderts haben es – wie gesagt – übertrieben. Denn das man nicht mehr sprechen könne, ist relativ unwahrscheinlich. Aber philosophisch übertragen war ihr Standpunkt durchaus zu verstehen. Vielleicht kann man das alles aber auch mit Trivialliteratur begründen. Wer weiß das schon?


Jan 11 2010

Die moderne Wegwerfgesellschaft

Hendrik Erz

Es ist 22:00 Uhr abends, meine Freundin macht Tee. Kamille für sich selbst und Rooibos für mich. Und während ich mich an den Küchentisch setze und auf die erstaunlich blutrote Farbe des Tees achte, muss ich beinahe zwangsmäßig an die gestrige Nacht denken, in welcher ich im aktuellen Hype-Film “Avatar” zugegen war.

Avatar, vermutlich in den Augen vieler konzipiert als eine Art Titanic 2, also “Faster, Bigger, Greater”, ist an erstklassigen Landschaften und einer fantasievollen Umgebung nicht zu überbieten. Die Story ist so einfach wie eingängig, wie interessant: Ein querschnittsgelähmter Marine-Veteran fliegt 5 Jahre lang durchs All bis zu einem riesigen Gasplaneten, der vermutlich nicht nur zufällig wie der Jupiter aussah. Auf diesem Planeten, besser gesagt einem Mond davon, haben sich die Menschen bereits breit gemacht und beuten die natürlichen Ressourcen des Planeten aus. Doch auf dem Planeten gibt es bereits intelligente Lebewesen. Die Na’vi, eine Art Eingeborenenvolk bewohnt den Planeten im Einklang mit der Natur.

Auf Anhieb mag das ganze zwar eher tatsächlich klingen wie ein Titanic 2, indem so etwas ähnliches wie Tarzan und Jane (nur in geschlechtlich umgekehrter Reihenfolge), Fantasien, eine Vorliebe für lumineszierende Lebewesen, Zukunftsvisionen und Winnetou vereint worden sind. Selbstversändlich macht das den Film bereits erstklassig und einmalig, doch als Mensch, gewöhnt daran, Filme und Bücher zu interpretieren, sah ich auch noch einen sechsten Teil, einen gesellschaftskritischen.

Sicherlich werden viele jetzt denken, dass der alte Hendrik auf seine Tage noch sentimental wird und sich der Politik abwendet, und stattdessen nur noch über seine Misanthropie schreibt, dennoch muss ich mir durch diesen Blogeintrag einmal Luft machen. Seit langer Zeit denke ich immer und immer wieder über diese Themen und finde, dass dies viel zu selten Publik gemacht wird.

Um zum Punkt zu kommen: Im Film fiel mir eine Stelle auf, an der der Hauptcharakter Jake Sully einmal sagte: “Die Menschen mussten gehen, zurück auf ihre sterbende Welt”. Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht. Denn er sagt, in Zusammenhang mit all den anderen Elementen des Filmes im Grunde genommen eine Art Dystopie der Erde voraus. Genau wie  im Film “Pandorum” stirbt die Erde auch hier, doch in “Avatar” kommt die Kritik mehr heraus.

Denn die Moral der Geschichte ist, dass der Mensch seinen eigenen Planeten komplett zerstört hat, ausgebeutet und vernichtet, sodass von ihm nicht viel mehr als ein Steinbrocken übrig sein dürfte, und dennoch nicht daraus gelernt hat, und nun beginnt, andere Planeten auszubeuten. Dass es dem Menschen immer noch darum geht, Geld zu machen, Machtgier und Raubbau bestimmen den Menschen dieses Filmes. Am Ende gewinnt selbstverständlich das Gute, die Menschen müssen wieder abziehen und sich um ihren eigenen Planeten kümmern, aber es offenbart doch Einiges.

Ich sehe die Partikel im blutroten Wasser, trinke etwas und bemerke dann plötzlich die Tulpen, welche schon seit bestimmt einer Woche dort stehen, auf dem Küchentisch. Sie sind makellos, ein grelles, sattes grün ohne Mängel, jede Blüte ist gelb-rosa. Eine Tulpe ist stark gebogen, die Blüte waagerecht und auf mich gerichtet. Dadurch nur habe ich die Tulpen bemerkt und einmal bewusst wahrgenommen. Und das Denken nahm seinen Lauf.

Denn Tulpen spiegeln doch so sehr die Gesellschaft wieder. Früher schenkte man Blumen, weil sie schön waren, etwas bedeutet haben. Heute ist es lediglich Höflichkeit, eine Geste. Man kauft Blumen, “weil es halt so üblich” ist. Der Mutter der Freundin bringt man Blumen mit, weil es sich gehört. Bei einem Geschäftsessen bringt man der Frau des Chefs Blumen mit, weil es sich so gehört. Die einzigen Bedeutungen von Blumen, die heute noch geläufig sind, sind “gelb” für Freundschaft, “rot” für Liebe, bei Tulpen, und die rote Rose gilt immer noch als leidenschaftlich. Doch wenn man bedenkt, dass Blumen früher ursprünglich nur als Heilpflanzen verwendet wurden, als Tee (man denke an den berühmten Kamillentee), Aufguss, Salbe, man konnte aus jeder Blume irgendeinen tieferen Nutzen ziehen. Und erst später, irgendwann, kam man auf die Idee, Blumen zu verschenken. Sie galten als Geste guten Willens, das man nur Gutes will. Heute ist es üblich.

Der Mensch sieht heute kaum noch die Wahrheit der Dinge, er ist oberflächlich geworden, aalglatt. Fast alle Menschen, die auf der Straße gehen, haben heute doch kein Gesicht mehr, sind vielleicht schön, zeichnen sich aber durch nichts mehr aus. Jeder hat Klamotten von C&A, H&M und wie die Geschäfte alle heißen, niemand trägt mehr individuelles, ein Schneider wird nicht mehr gebraucht. Man will nicht mehr auffallen. Dadurch verliert der Mensch Individualität. Nur selten sieht man einen Menschen, der heraussticht, auffällt. Man kann sich nicht die Namen von Menschen merken, die nichts charakteristisches haben. Alle sind gleich.

Und so auch die Tulpen. Spontan drehe ich die Vase um, sodass die gebogene Tulpe auf meine Freundin zeigt. Sie lächelt und richtet die Tulpen, sodass sie alle wieder gerade in der Vase stehen.
Tulpen sind gezüchtete Blumen. Sie gab es ursprünglich nicht, sie wurden nur gezüchtet, weil der Mensch eine Art Blumen “für jeden Anlass” brauchte. Sie sind perfekte Blumen. Sie sind schädlingsresistent, welken nur sehr spät und makellos. Jede sieht aus wie die andere, sie wachsen gleich und sehen immer gut aus. Doch nutzen kann man sie für nichts, nicht für Tee, nicht als Salbe oder Heilmittel. Für nichts. Sie sind nur für die Optik. Und sind sie verwelkt, so wirft man sie weg, ersetzt sie und vergisst sie.

Und genau so ist die heutige Gesellschaft. Menschen werden geboren, wachsen heran, sie sind alle makellos und alle gleich, man kann sie nicht wirklich unterscheiden. Sie sind schön anzusehen, und wenn sie tot sind, vergisst man, dass sie je da waren. Denn sie stachen nicht heraus, waren nicht denkwürdig.

Ich frage meine Freundin, welche Tulpe die war, welche gerade auf mich zeigte, und das erhoffte tritt ein: Weder sie noch ich können noch genau zuordnen, welche es war. Alle sind sie gleich, sie unterscheiden sich nicht markant. Sicherlich hätte man sie wieder erkennen können, anhand ganz kleiner Unterschiede, aber wirklich unterscheiden war unmöglich. Und genauso ist unsere Gesellschaft, man lernt Menschen kennen, macht etwas mit ihnen, und irgendwann sind sie weg und man vermisst sie nicht.

Ich finde es ironisch, wie man den Werdegang des Menschen, die Zucht des “perfekten Menschen” anhand von Tulpen vergleichen kann. Hitler hat man verteufelt, als Monster bezeichnet für seine Versuche an Menschen, um den “Arier”, den seiner Meinung nach perfekten Menschen zu züchten. Doch ist die Gesellschaft wirklich besser? Wir züchten uns doch auch, wie wir uns haben wollen: Gutaussehend, glatt und normal. Wir erzwingen es zwar nicht durch Selektion, aber durch Ausgrenzen, soziale Benachteiligung, Mobbing. Wer nicht ist, wie alle, ist schlecht. Auffallen ist schlecht in heutigen Zeiten. Aber Tulpen fallen nicht auf. Sie sind einfach da. Man bemerkt sie nicht, aber sie bringen eine gewisse Atmosphäre in den Raum.

Gleich zwei gesellschaftliche Themen an einem Abend. Ist irgendwie viel, zumal ich durch die Tulpen vollständig von Avatar abgelenkt wurde. Avatar bezeichnete die schlechten Eigenschaften des Menschen: Seine Gier nach Macht und Geld. Und wie er dadurch geschlagen wurde. Die Faulheit des Menschen und seine Uneinsichtigkeit. Das alles schön verpackt, sodass man schon nachdenken musste, fürs Verständnis.
Die Tulpen bezeichnen lediglich die aktuelle Gesellschaft, oder bieten einen Vergleich zur Gesellschaft.

Menschen werfen kaputte Dinge weg, statt sie zu reparieren. Um den Konsum zu decken. Und um immer weiter Raubbau an der Natur und an dem, wovon wir eigentlich abhängig sind, zu finanzieren. Und Menschen werfen sich selbst weg. Weil sie ersetzlich sind. Nicht gebraucht werden. Sie sehen schön aus, bringen etwas Leben in die Bude, und wenn sie dann mal zu alt sind, werden sie halt weggeworfen, niemand ist betrübt, niemand hört auf, mit diesem Verhalten. Die moderne Wegwerfgesellschaft eben.

Ich trinke weiter. Die Tasse fast leer. Und immer mehr beginne ich mich zu fragen, ob ich wirklich auch zu dieser Gesellschaft gehöre. Denn je mehr ich darüber nachdenke, je mehr ich beginne, zu verstehen, wie kaputt der Mensch doch ist, desto mehr schäme ich mich beinahe, zu dieser Art zu gehören. Und desto mehr beginne ich mich zu fragen, wenn doch alle Menschen gleich sind – ich kann doch nicht der einzige sein, der so denkt. Und meine Freundin und ein paar meiner engsten Freunde. Es muss doch mehr geben. Und die gibt es, soviel weiß ich. Nur leider hört niemand auf sie.

Warum schüttelt man den Kopf, wenn junge Menschen “Lärm”, bzw. “schreckliche Musik” hören? Doom Metal, Texte, die vom Tod handeln, von Verderben und Vernichtung, von Doom eben? Warum hinterfragt man sich nicht, warum sie so etwas hören? Warum wird es nicht publik gemacht, warum sich nun so viele Menschen umbringen? Warum wird unter den Tisch gekehrt, dass so viele Menschen unter Depressionen und psychischen Problemen leiden? Warum?

Ich beschäftige mich nicht lange genug mit Gesellschaft und so etwas, solche Fragen beantworten zu können. Dies sollte auch lediglich eine Niederschrift meiner Gedankengänge sein. Ein Versuch, mich zu erklären. Das lag mir schon lange genug auf dem Herzen, jetzt habe ich es mit fast 1.500 Wörtern auch endlich getan ;)

Wie auch immer, ich hoffe, dass sich das alles irgendwann wieder richtet, auch wenn es unwahrscheinlich ist.

Gute Nacht.