Apr 5 2010

Ein Leben in Freiheit? Warum Menschen auf zwei Arten gegen das System sind.

Hendrik Erz

Seit etlichen Jahrtausenden gibt es Terrorismus. Der Terror ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Seitdem es Siedlungen gibt, gibt es immer wieder Menschen, die genau diese Siedlungen angreifen. Auch im 21. Jahrhundert ist diese Bedrohung so akut wie eh und je. Doch die Theorien, wie und warum, ändern sich. Früher waren Anschläge meist politisch begründet. Man wollte unliebsame Feinde loswerden, beispielsweise im Kaiserreich Rom. Im Mittelalter war es genauso. Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sieht eben immer saftiger aus, als das eigene.

Doch im 21. Jahrhundert hat sich die Art des Terrorismus gewandelt. Zwar bleibt der Grund gleich – Politik, aber die Umstände haben sich geändert. Heute morden nicht mehr Menschen im Auftrag eines ranghohen Politikers andere Politiker, heute morden regelrechte Organisationen scheinbar wahllos. Es gibt mehr Kollateralschäden, Terrorismus ist nicht mehr “sauber”. Doch warum gibt es so etwas?

Der Artikel “Terrorismus: Die dritte Generation” hat mich auf eine Idee gebracht. Denn in Zeiten globaler Überwachung, in Zeiten von Social Networks und dieser rasend schnellen Technologisierung entsteht nicht nur eine Schere zwischen Arm und Reich, nicht nur zwischen links und rechts und nicht nur zwischen Welt und Glauben. Sondern auch in den Wertevorstellungen. Die einen Menschen ziehen ein Leben mit viel Technik, Luxus und dem neuesten Schnickschnack vor. Solche Leute machen meist Karriere und bekommen einen Bürojob, viel Geld und machen viel Urlaub.
Die anderen Menschen zieht es zu einem Leben in technischer Armut. Facebook und SchuelerVZ sind gespenstig, man versucht, nicht aufzufallen. Das sind meistens Künstler, Überlebensmeister eben, die es schaffen, jeden Monat genug Geld zum Leben zu erwirtschaften – wie auch immer.

Und dann gibt es noch die ganz Radikalen. Das sind Menschen, denen nicht nur Teile eines Landes, wie beispielsweise der Staat, der Kapitalismus oder die Gesellschaft, auf den Senkel gehen, sondern gleich alle zusammen. Menschen, die sich weder mit dem Staat, der Globalisierung oder mit ihren Nachbarn identifizieren können. Einige sind bereits von ihrer Umgebung so geprägt, andere werden es, wie z.B. im SPIEGEL-Artikel durch Radikalisierung.

Ich vermute, die Menschen sehnen sich wieder nach etwas, an das man glauben kann. Deus Ex Machinima ist von gestern, man möchte wieder den Gott im Himmel. Denn vor dem braucht man sich ja nicht fürchten, oder? Und was, wenn die Christen wieder mit Kindesmissbrauch zu kämpfen haben? Für solche Menschen, die das Leben in einer Technologiegesellschaft ablehnen, ist der Islam wie geschaffen. Islamische Länder sind meist technologisch unterentwickelt und man lebt in einer Mischung aus antiker Siedlungsbautechnik und modernen Waffen, meist aus den Beständen alter russischer Lager.

Dafür kann man sich sicher sein, nicht überwacht zu werden (außer von amerikanischen Drohnen), keinen Streit mit der Technik zu haben und eine Gemeinschaft im Dorf zu haben. Anstatt Nachbarschaftshass in Deutschland nettes Beisammensein. Und bis auf die Akzeptanz des Islams keine Bedingungen. Ist das nicht idyllisch?

Ich finde es äußerst interessant, dass diese Möglichkeiten von den westlichen Regierungen noch nie in Betracht gezogen wurden. Dass man sich noch nicht fragte, warum trotz allem Schutz vor Hasspredigern so viele Deutsche in arabische Länder auswandern. Anscheinend ist man nicht gewillt oder nicht in der Lage, im Regierungsviertel die beiden Aspekte “Junge Menschen sind gegen das System aus Kapitalismus, Globalisierung und Überwachung” und “Junge Menschen wandern zum Islam ab” zu verbinden. Vielleicht wandern die Menschen ja ab, weil sie gegen dieses System sind, und nicht, weil sie von außen radikalisiert wurden. Mir dünkt, die Vorherrschende Vorstellung ist, dass grundsätzlich Punks und linke Autonome den ersten Aspekt und zumeist vom Leben enttäuschte und minderintelligente Menschen den zweiten Aspekt erfüllen. Doch dem ist nicht so. Intelligente und integrierte Menschen sind gegen das System, Menschen, die trotz ihrem Hass auf das System studieren und versuchen, durch Kunst und Demonstrationen ihrem Ärger Luft zu machen. Intelligente und vormals integrierte menschen sind es, die in den Islam abwandern, weil ihnen Demonstrationen nicht weit genug gehen.

Ich meine, gegen wen richtet sich der Hass der beiden Gruppen? Genau: Gegen die Inbegriffe des Kapitalismus und der Globalisierung: Amerika. Und seit neuestem anscheinend auch Deutschland.

Doch wenn die Menschen hier in Deutschland und in Afghanistan doch dasselbe Ziel haben – den Sturz des Kapitalismus, warum vereinen sie sich dann nicht sondern haben auch Angst voreinander? Diese Frage dürfte bestimmt aufgekommen sein. Doch auch hier scheint die Lösung greifbar nah: Im Islam verbinden die Dschihadisten den Kampf gegen den politischen und wirtschaftlichen Westen mit den islamischen Wertevorstellungen, und die passt eben nicht zu den meisten fortschrittlichen Kräften in Deutschland und Europa. Hier will man insgeheim noch den Nachtwächterstaat durchsetzen, um innerhalb die größtmögliche Freiheit zu erreichen, aber man kann und will sich nicht mit den Werten des Islam identifizieren müssen. Aus diesem Grunde werden auch in Zukunft vermutlich alle Bemühungen scheitern, mit dem Terrorismus etwas zu erreichen. Es fehlt der Konsens.
Und so wird es weiter Terrorismus geben, bis eines Tages vielleicht der Große Knall kommt. Doch dazu funktioniert unser System halt doch noch zu gut.


Mar 12 2010

Wandel der Moral, oder: Der Weg zur Matschkultur

Hendrik Erz

In den Jahren nach der Gründung der Bundesrepublik war der Deutsche wieder bedacht auf Fortschritt. Marshall-Plan und Westintegration taten ihr übriges dazu, dass die Deutschen fasziniert auf den Fortschritt, auf die Ideen aus dem freien Amerika, schauten. Man begrüßte jede neue Mode, man begrüßte Mc Donald’s, man begrüßte Coca-Cola. Und das nur, weil Amerika als Ursprung des Kapitalismus, bzw. als dessen bester Vertreter auf Erden, ansah und dank dem Marshallplan und den damit verbundenen Verbesserungen der Meinung war, dass der Kapitalismus dem Sozialismus weit überlegen war.

Doch auch heute, bzw. wieder heute, wo die meisten Deutschen nicht mehr so begeistert von Amerika sind, wie einst, gibt es einen Trend zur Amerikanisierung. Alles, was jetzt noch nicht amerikanisiert ist, muss es werden. Und so geht das ganze auch mit dem Datenschutz. Denn just in den aktuellen Tagen empören sich Datenschützer allerorts um das “Zugangserschwerungsgesetz” und – ganz neu – die Ortungsdienste der amerikanischen Internetunternehmen. Mit ihnen wird es möglich, jede Person anhand ihres Handys zu orten und genau zu sagen, wann eine Person wo ist bzw. war.

Der SPIEGEL hat neulich diesbezüglich einen interessanten Artikel veröffentlicht, in dem es auch um den Wandel der Gewohnheiten ging. Darum, dass man zwar früher das Handy auch verteufelte, aber heute das gleiche auch zu Twitter und co sagt. Heute sagen die Datenschützer genau wie damals, dass diese neuen Technologien, diese neuen Trends unsere Privatsphäre weiter einschränken.

Sicher, das tun sie. Seit Facebook, SchuelerVZ und den ganzen damals aus dem Boden geschossenen Social Networks und der damit verbundenen Veröffentlichung privatester Daten, liefen schon Millionen Datenschützer Sturm. Es sei eine Selbstoffenbarung im Internet und von nicht zu unterschäzender Gefahr. Das sagen sie auch heute – noch. Denn nachdem zuerst viele Stimmen laut wurden, wie schlimm doch das ganze mit den Social Networks sei und wie sehr das doch auch Menschen mit bösen Absichten, seien es Pädophile, Sexualstraftäter oder einfach Räuber, helfe, ihre Opfer genauer unter die Lupe zu nehmen, bevor sie loslegen, werden diese Stimmen heute nicht mehr laut. In den meisten Fällen lässt man sie als uninteressant links liegen, manchmal unterdrückt man sie gar, doch wirklich auf fruchtbaren Boden werden diese Datenschützer nicht mehr gelangen.

Genau dasselbe war es doch damals, zu Zeiten der RAF, als die Bundesregierung zum Ergreifen der Täter die Freiheit der Bürger durch spezielle erlassene Gesetze stark einschränkte, um die RAF hochgehen zu lassen. Und genau dasselbe ist es jetzt wegen der Ortungsdienste. Datenschützer sagen “stop” und wollen nicht weiter gehen, die Konzerne geben grünes Licht und die Regierung beobachtet mit Argwohn. Doch in ein paar Jahren wird das mit den Ortungsdiensten normal sein. Genau wie die neuen RAF-Gesetze damals. Genau wie die Handys.

Doch woran liegt es, dass die ganze Welt nach anfänglichen Bedenken so bedenkenlos private Daten veröffentlicht?

Nun, auf der einen Seite liegt es sicher am Utilitarismus, der vom SPIEGEL angesprochen wird, daran, dass es einfach nützlich ist und man es deshalb haben will. Doch ich denke, dass es nicht nur der ist, der da mitspielt. Denn welcher vernünftige Mensch würde so leichtfertig ein wenig fragwürdigen Nutzen gegen seine eigene Privatsphäre eintauschen?

Das Problem liegt hier in etwas ganz anderem. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ein paar Eigenschaften machen es den Erfindern leicht, ihre Ideen schnell an den Mann zu bringen:

  • Der Mensch ist faul. Das bedeutet, alles, was ihm den Alltag erleichtert, heißt er gut, egal wie gut oder schlecht es für seine Privatsphäre ist.
  • Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn man sich erst einmal an etwas neues, unbekanntes, welches ja grundsätzlich im Gehirn mit Ängsten verknüpft wird, gewöhnt hat, erscheint es freundlich, man beginnt, es zu mögen. So eine Art Stockholm-Syndrom der modernen Zeit.
  • Der Mensch will nicht nachdenken. Besonders Ortungsdienste ersparen dem Menschen Denkarbeit. Statt nachzudenken, was die betreffende Person denn jetzt gerade tun könnte, statt nachzudenken, warum man sie nicht erreichen kann, schaut man bezüglich dieser Ortungsdienste einfach schnell aufs Handy und weiß, was los ist.

Diese Aspekte und bestimmt noch ein ganzer Sack voll mehr sorgen dafür, dass der Mensch jede dieser noch so fragwürdigen kleinen Gadgets akzeptieren wird und der Mensch sich selbst gläsern macht. Denn, und das ist der Witz an der Sache, der Mensch wird nicht gläsern gemacht, er macht sich selbst, vollkommen bewusst und freiwillig gläsern. Denn jede bedenkliche Neuerung bezüglich des Datenschutzes müsste nicht so zu einem Hype werden, wenn der Mensch nur nicht so faul wäre. Doch genau das ist das Problem: So etwas neues wird schnell zu einem Hype erklärt, auch vom Menschen selbst, wenn die Erfinder den Wolf im Schafspelz präsentieren.

Und das ganze führt ganz allmählich zu einem Wandel der Moral. Genau wie bei der ’68er-Bewegung findet auch hier dieser Wandel statt, und man akzeptiert Dinge, die man vorher für absolut verwerflich gehalten hat. Ich meine, klar, es ist eine Art von Fortschritt und Fortschritt muss a) sein und kann b) nicht verhindert werden, doch meiner Meinung nach sollte man etwas vorsichtiger in dem Umgang mit so etwas sein. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Sozialem und Technik.

Technischer Fortschritt ist unaufhaltsam und wird uns irgendwann vermutlich zu einer Welt voller Raumfahrer machen, Menschen, die vielleicht die Galaxis beherrschen. Möglichkeiten, wie das aussehen kann, gibt es zur Genüge. Falls gerade nichts präsent ist, sollte ein Blick ins Fernsehen reichen.

Doch Sozialer Fortschritt sieht meiner Meinung nach anders aus, als das, was wir momentan haben. Das, was ich zu diesem Thema beizutragen habe, dürfte auch noch für eine ganze Reihe von Artikeln reichen, doch knapp zusammengefasst sind die momentanen Hauptströme Globalisierung, Multikulturalismus und öffentliche Entblößung Wegweiser zu einer “Matschgesellschaft”, in der es keine einzigartigen Kulturen mehr gibt, sondern nur eine einzige Standardgesellschaft, bestehend aus nur gleichen Menschen ohne wirkliche Eigenheiten. Und wie das wiederum aussehen kann, hat uns eine Southpark-Folge gezeigt, in der ein Mensch aus der Zukunft auf die Erde kommt. Wer nicht weiß, von wem ich rede, der sei auf die Folge 806 – Goobacks (“Immigranten aus der Zukunft”) verwiesen.

An Zukunftsvisionen mangelt uns schließlich nicht, und obwohl ich zugeben muss, dass viele davon pure Fantasie sind, so treffen einige doch durchaus eine Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden sollte. Und meiner Meinung nach sollten sich die Menschen mal mehr auf ihre Moral besinnen, mehr auf das, was sie selbst immer mehr entblößt. Es sei denn, mehr als 50% der Weltbevölkerung stimmen dafür, alte Kulturen, Bräuche, Traditionen, Sprachen und individuelle Eigenheiten der Völker einfach zu verbannen und eine Einheitskultur zu erschaffen. Aber wie war das gleich? Wenn Millionen Menschen eine Dummheit erzählen, bleibt es immer noch eine Dummheit…

Zitate von damals, irgendwo sind sie doch verdammt klug. Und warum sind die meisten Zitate nur schon so alt, hm? Wenn das eure Urgroßeltern wüssten! Aber nun gut, sich drüber aufregen, dass die Welt so kaputt ist, bringt nun einmal leider nichts, also kann ich hier nur die Aufforderung loslassen, denkt darüber nach, was ihr tut. Denkt darüber nach, ob ihr eine Einheitskultur wollt, oder ob ihr so ein paar Individualitäten schützen wollt.


Jan 8 2010

Modetrend Klimawandel

Hendrik Erz

Jaja, ich geb’s ja zu – ich habe weder frohe Weihnachten noch einen guten Rutsch gewünscht, also hole ich das nachträglich nach: Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! :-D

Nun aber zum Artikel. Wir leben ja bekanntlich wissenschaftlich gesehen in einer Eiszeit[*]. Andere Warmzeiten gab es schon immer und die letzte endete vor ein paar Millionen Jahren. Ebenso wurde hinlänglich bewiesen, dass weitaus unbeeinflussbarere Gründe wie z.B. die Sonnenaktivität dafür verantwortlich sind, dass sich das Klime wirklich drastisch verändert. Dennoch erfindet der Mensch allerlei Gründe, um sich in beinahe masochistischer Manier selbst die Schuld am Klima zuzuschieben: Abholzung der Wälder, also der “grünen Lunge” des Planeten, die vielen Autos und die gigantische Industrie mit ihren CO2- und sonstigen Abgasen, die gewaltige Viehzucht, die große Fastfood-Ketten in den ehemaligen Urwäldern Südamerikas betreiben und die Konsumgier der Menschen allgemein sind nur einige Gründe.

Seit neuestem ist man ja auf den Methanzug aufgesprungen und man hat allen ernstes anerkannt, dass Methan wesentlich schlimmer als CO2 ist, also eigentlich eine gute Neuigkeit. Dennoch überwiegt der pure Lobbyismus, wenn die Menschen alle möglichen an den Haaren herbeigezogenen Ursachen des Klimawandels vorbringen, in der Hoffnung, dass man sie erhören möge und ihre Probleme lösen werde. In unseren Tagen ist der Klimawandel das perfekte Argument, um Rechte für Tiere durchzusetzen, der Konkurrenz in Fernost Probleme zu bereiten oder die Globalisierung zu verteufeln.

Doch bei näherer Betrachtung entpuppen sich viele Punkte als – für den Klimawandel – irrelevant oder als gänzlich falsch. Zum Beispiel die Abholzung der Wälder ist viel mehr ein moralisches Problem – durch die Globalisierung und die Konsumgier der Menschen wird alleine die Abholzung der Wälder vorangetrieben, das Klima wirklich erwärmen oder anderweitig schädigen tut das – sofern es nicht Brandrodung ist – nicht. Und das CO2, das durch die Urwälder nicht in O2 zurück reagiert, verschwindet einfach im Meer und wird dort aufgespalten. Denn dem Meer wird ohnehin eine zu geringe Bedeutung zugewiesen. Das Meer kann vieles ausgleichen, was der Mensch offensichtlich kaputt macht.

Aber genauso verhält es sich auch mit den Autoabgasen und der Viehzucht – beides ist eher schädlich für die Moral denn fürs Klima. Für den Menschen mag es schlecht sein, weil teilweise in Städten wie Los Angeles und San Francisco durch das viele CO2 eine schlechte Luft herrscht, aber diese paar Gasglocken sorgen nun recht nicht dafür, dass sich das Klima stark erwärmt.

Man sieht also sehr schön, dass viele der von selbsternannten Klimaaktivisten vorgebrachten Gründe entweder das Klima nicht beeinflussen oder ganz und gar falsch sind – der Klimawandel mutiert wahrlich zu einem Trend der Lobbyisten, ihre Wünsche nach diesem Prinzip umzusetzen. Doch neben der Gefahr, dass viele der Gründe das Klima gar nicht schädigen und es viel zu sehr ausgenutzt wird, gibt es noch eine weitere Gefahr in der Diskussion ums Klima: Die Pauschalisierung.

Heutzutage werden viele Maßnahmen pauschalisiert. Ökologisch leben wird als grundsätzlich gut dargestellt, aber wie bereits ein vom SPIEGEL erstellter Klimarechner zutage brachte, wird durch diese Lebensweise gegenüber eine schlicht normalen lediglich ca. 6 Tonnen CO2 im Jahr eingespart, welche durch nur einen einzigen Urlaub im Jahr, beispielsweise nach Thailand, bereits wieder wett gemacht werden. Und auch dieses CO2. Wenn ich die Leute schon wieder höre, wie sie gegen dieses unschuldige Gas wettern! Ein weiser Mensch sagte einmal, dass, wenn viele Millionen Menschheit eine Dummheit erzählen und glauben, dies immer noch eine Dummheit bleibt. So verhält es sich mit dem CO2. Das CO2 mag zwar nicht gesund sein, doch das Klima verändern tut es ebenso wenig. Natürlich hält es ein paar der Sonnenstrahlen auf der Erde, sodass diese sich leicht wieder aufheizt, aber man braucht tausende Tonnen CO2, um eine wesentlich geringere Menge eines viel schlimmeren sogenannten “Klimakillers”, nämlich dem Methangas, wieder aufzuwiegen, von seiner Wirkung her.

Und hier kann ich gleich eine weitere Pauschalisierung entkräften: Verbrennung. Viele Menschen glauben, dass Verbrennung das Klima extrem schädigt und schlecht ist. Doch, wie ich anfangs erwähnte, wurden in Sibirien große Mengen eingeschlossenen Methans unter der Eisdecke gefunden. Wenn sich das Klima weiter erwärmt, werden diese Eismengen schmelzen und das Methan freisetzen. Einmal in der Atmosphäre wird es das Weltklima weiter erwärmen und mehr Methan freisetzen. Scheinbar ein Teufelskreis. Doch jetzt kommt der Chemiker in mir raus: Wenn man einen Stoff verbrennt, wird er unter Reaktion mit Sauerstoff in kleinere Moleküle aufgespalten. Im Falle des Methans sieht das so aus:

CH4 (Methan) + 2 * O2 (Sauerstoff) —> CO2 + 2 * H2O (Wasser)

Das heißt, es entsteht doppelt soviel Wasser wie CO2. Dieses Wasser kondensiert, fließt irgendwie in die Weltmeere und kann dort helfen, das entstandene CO2 aufzunehmen. Denn Wasser kann CO2 in großen Mengen aufnehmen. Dadurch wäre die Gefahr gebannt. Es ergäbe sich aber ein neues Problem: Die weltweiten Wasserspiegel könnten um einige Zentimeter steigen. Eigentlich kein Problem, aber der Mensch ist ja von Natur aus feige und faul und traut sich nicht, seine Lebensweise zu ändern. Küstenstädte wie Hamburg, Bremen und New York würden die Menschen nicht teilweise aufgeben, und so versucht man, genau das zu verhindern. Es gibt da nur ein Problem: Es wird in jedem Falle geschehen, es gab oft genug Zeiten auf der Erde, in denen es nicht ein einziges Eiskorn auf diesem Planeten gab, und niemand hat sich beschwert. Ist der Mensch ein Weichei?

Fest steht aber doch, dass dies einer der effektivsten Gegenbeweise gegen diese Pauschalisierung, Verbrennung sei grundlos schlecht, war.

Sicherlich muss ich aber auch zustimmen, was die Brandrodung angeht. Denn dadurch wird ebenso extrem viel Gas frei, nicht nur CO2, sondern auch das – für den Menschen – schädlichere CO (Kohlenmonoxid). Ebenso stimme ich zu, dass Methangas ein extremer “Klimakiller” ist, immerhin hält es viel Hitze auf der Erde und hindert sie am Austritt ins All und ich stimme zu, dass die Industrie in Amerika und China ein Klimakiller ist, da dort nicht nur Wasserdampf und CO2 freigesetzt werden.

Aber: Zuviel CO2 sorgt immer noch nur für schlechte Luft und nicht für einen Klimawandel. Der übrigens laut vieler Vorhersagen momentan überhaupt nicht in Sicht ist, da sich das Weltklima zur Zeit im Großen und Ganzen nicht erwärmt.
Vermutlich ist die dünnste Luft sowieso in den Büros der Politiker und Umweltaktivisten. Und in den dicken Amtsautos, die diese Aktivisten fahren. Denn ich sage euch, ich schätze es als verdammt unwahrscheinlich ein, dass diese Leute freiwillig Hybridautos fahren, oder gar ganz auf Benzin verzichten und mit kleinen Elektrorollern durch die Welt kurven.

Nunja, ich hoffe, ich habe ein klein wenig zur Anti-Klimabewegung beigetragen, auf dass dieser Hype um diese absolut unnötigen Themen sich bald verdünnisiert. Guten Tag.


Nov 27 2009

Papst und Gegenpapst

Hendrik Erz

Hört hört! Wikipedia, die ultimative Informationsquelle und vielfach zitiert von allen möglichen Personen bekommt Konkurrenz. WikiBay, das Gegenprojekt zur Wikipedia, will es besser machen. Die Initiatoren der US-Amerikanischen Webfirma Attack2Net Inc. findet nämlich, dass die Wikipedia Meinungsmache und Zensur betreibt und auch teilweise gegen die Gesetze des freien Webs verstößt. Dies begründet Attack2Net folgendermaßen:

Die Wikipedia ist eine sehr freie (demokratische) Plattform, auf der jeder Beiträge editieren und erstellen kann. Dabei gibt es ein Team von Moderatoren und Administratoren, die nach Meinung von Attack2Net Meinungsmache und Zensur mit sogenannten Relevanzkriterien betreiben. Relevanz ist in der Wikipedia verstanden als diverse Bedingungen, die ein Artikel erfüllen muss, um in die Wikipedia zu gehören. Laut Attack2Net wird dieses Kriterium besonders für Personen sehr oft missbraucht, sodass der Eindruck entstehe, es würde gezielt Meinungsbildung betrieben und Artikel würden gelöscht.

Ad Verstöße gegen das freie Netz: Wikipedia verwendet bei nach außen führenden Links ein sogenanntes “nofollow”-Attribut. Das bedeutet, dass Suchmaschinenroboter angewiesen werden, diesem Link nicht zu folgen.
Hinweis: Suchmaschinenroboter durchforsten das Web, indem sie sich an Links “entlang hangeln”, das heißt, jedem Link folgen und die gefundene Seite in ihren Suchindex aufnehmen. Das Ergebnis ist, dass auch viele Seiten ins Verzeichnis von z.B. Google aufgenommen werden, die sich selbst nie eingetragen haben für diese Suchmaschine.

Laut Attack2Net ist die “nofollow-Politik” der Wikipedia ein Verstoß gegen die ungeschriebenen Gesetze des freien Netzes, da so keine Seiten außer der Wikipedia als solche indiziert werden.

Und deswegen gibt es jetzt WikiBay. Eine Seite, die alles besser machen möchte; so kann jeder Artikel veröffentlicht werden, egal wie belanglos. Wichtig ist nur, dass das Objekt/Die Person, die dort behandelt wird, auch tatsächlich existiert (hat). Praktisch heißt das, das jeder auch einen Artikel über sich selbst in die WikiBay stellen kann und dieser nicht gelöscht wird.

Ich will jetzt weder das Pro noch das Contra dieser beiden Internetseiten aufstellen, denn ich finde, jeder sollte für sich selbst entscheiden, welches der beiden Portale er nutzen möchte. Fakt ist: In der Wikipedia existieren weitaus mehr Artikel und jeder darf mitmachen. In der Wikibay existieren nur ca. um die 200 Artikel im Moment, dafür darf man aber erst mitmachen, wenn man auch registriert ist.

Ich vergleiche diesen kleinen Disput zwischen Attack2Net und der Wikipedia Foundation mit dem Prinzip von Papst und Gegenpapst, denn nichts anderes ist es. Wikibay ist quasi die Reformation der Wikipedia. Was genau daraus wird, weiß ich nicht, aber mir drängt sich dieser Katholisch <-> Evangelisch-Vergleich immer mehr auf, wenn ich mir so diverse Kommentare anschaue, die auf der Wikipedia in der Diskussion zur WikiBay stehen:

“kannst ja Google die neue Linkfarm melden abuse@google.com ;-)”

“Die haben jetzt schon massive URV-Probleme da. Hab spaßeshalber auch noch ein bisserl vandaliert, ohne weitere ernsthafte Mitarbeiter wird sowieso nix draus.”

“Admins werden da nicht gewählt, sondern ernannt. WikiBay ist keine Demokratie!”

“Was mich wunderte ist, daß man sich laut „WikiBay“-Startseite registrieren und anmelden muß, um Bearbeitungen vornehmen zu können, und daß man die Startseite nicht frei bearbeiten darf. Wenn das mal keine „Zensur“-Debatten provoziert”
(Quelle)

Hierbei kann man eindeutig den Tenor der Wikipedianer gegenüber WikiBay sehen. Nicht sehr beliebt, würde ich urteilen. Einige sind sogar relativ gerissen und beweisen mit Artikeln wie dem folgenden (mal sehen, wie lange er bleibt), dass Relevanzkriterien dennoch praktisch sind (wenn sie, um WikiBay zu unterstützen, korrekt angewandt werden):

“Die Die Schraube an der hinteren linken Bremsbacke am Fahrrad von Ulrich Fuchs ist ein Beispiel des ehemaligen Wikipedianers und Begründers des Wikipedia-Forks Wikiweise. Das Beispiel soll zeigen, dass nicht jede korrekte und neutral beschriebene Information relevant ist.

Fuchs beschreibt die Schraube an der hinteren linken Bremsbacke seines Fahrrads wie folgt: “[Sie] ist eine 6 mm lange M4-Schraube. Sie befestigt den Bremsklotz der linken Bremsbacke der Hinterradbackenbremse des Kettler-Alu-Fahrrades von Ulrich Fuchs am Bügel für die linke Bremsbacke der Hinterradbackenbremse des Fahrrades von Ulrich Fuchs.” Diese Informationen seien korrekt, neutral beschrieben und dennoch vollkommen irrelevant. Sie hätten daher nichts in einer Enzyklopädie zu suchen.” (Quelle)

Obwohl ich ganz ehrlich irgendwo den Wikipedianern zustimmen muss, dass nicht einfach durch eine Anti-Bewegung, die alles ins Gegenteil umkehrt, alles auch gleichzeitig besser wird, aber ich finde, alleine die Gründung von WikiBay spricht einige essenzielle Probleme in der Wikipedia an. Denn: Die Relevanz ist schwer auslegbar, auf der einen Seite kann jeder Artikel irgendwo irrelevant, aber auch irgendwo relevant sein, es kommt auf die Auslegung an. Ebenso verhält es sich mit den Bearbeitungen. Sicherlich kommen mehr Informationen in ein Portal, wenn jeder Hans dort etwas editieren und beitragen kann, aber genauso ist eben auch eine Meinungsbildung und Zensur möglich, wenn die richtigen User an den richtigen Stellen das richtige editieren. Dafür hat die Wikipedia ja die “Gesichteten Artikel” eingeführt.

Wie ihr seht – man kann jetzt stundenlang über das Für und Wider der Wikipedia und von WikiBay streiten, aber einerseits finde ich das Verhalten der Wikipedianer nicht korrekt, Artikel wie z.B. den über die Schraube in WikiBay zu veröffentlichen, weil das hart an der Grenze zur Lächerlichkeit entlangschleift, andererseits finde ich es aber auch nicht gut von WikiBay, wie gesagt eine Art Gegenpapst zu stellen und damit andere Fehler als der Goliath Wikipedia zu machen, die irgendwann genauso stark heraustreten.

Aber wie immer gilt: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und das ist in diesem Falle der Leser, der sich nun hoffentlich bald in zwei anders aufgebauten Quellen informieren kann und sich besser eine Meinung bilden kann. Ohne hochnäsig wirken zu wollen ist dies doch genau das Motto des others Blogs ;)


Nov 2 2009

Wie die Regierungskoalition Politiker und Bürger auseinandertreibt

Hendrik Erz

Es ist ein sehr interessantes Schauspiel, welches sich zur Zeit im Land zuträgt. Während die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP umfangreiche Steuerentlastungen vorsieht, stellen sich die Politiker quer. Die Länder nennen es verantwortungslos, dass die Steuerentlastungen eingeführt werden sollen, da z.B. das Land Thüringen sich durch eine lange Sparpolitik einen ausgeglichenen Haushalt angelegt hat, der nun durch Steuersenkungen ins Nichts verpuffen würde. Aber nicht nur SPD-Politiker und Linke sind gegen die geplanten Steuerentlastungen, auch im eigenen Lager bildet sich erheblicher Widerstand, sogar der neue Finanzminister Wolfgang Schäuble ist gegen umfassende Steuersenkungen. Dennoch hält besonders FDP-Chef Westerwelle an den Plänen fest. Und macht sich beim Volk beliebt.

Einer Umfrage nach, die Spiegel Online vorliegt, befürworten 75% der Bundesbevölkerung die Steuersenkungen, und etwa die Hälfte aller Bundesbürger fordert gar weitere Entlastungen nach der Senkung der Einkommenssteuer. Die Logik ist einfach: Die FDP ist auch nach der Bundestagswahl noch auf Stimmenfang und die CDU/CSU lassen sich natürlich gerne mit dieser Beliebtheit mit beschütten. Der Bürger sieht es so: Weniger Steuern bedeuten “mehr Netto vom Brutto”, genau wie es Westerwelle sagte. Und das wiederum bedeutet, dass die Bürger momentan sehr positiv auf die Regierung gestimmt sind. Was sie nicht sehen, ist der Rattenschwanz, der daran hängt und der seidene Faden, an dem der Staatshaushalt hängt, und der zu reißen beginnt, sobald diese Steuerentlastungen durchgesetzt werden.

Denn der Staat hat eine bestimmte Menge an Ausgaben. Und durch die Steuereinnahmen werden diese Ausgaben teils gedeckt. Fallen nun Steuereinnahmen weg, müssen die Ausgaben anders getilgt werden. Und bevor da keine effektive und eindeutige Lösung gefunden wurde, wird es von wem finanziert? Richtig – von Bund und Ländern. Da der Staat als solcher aber ebenso überschuldet ist, wirkt sich das ganze nochmal dramatischer aus. “Erst hatten sie nichts, und dann mussten sie noch etwas abgeben.”

Erschwerend hinzu kommt, dass die Bundesrepublik im Verdacht steht, die maximal zulässige Gesamt-Neuverschuldung weit zu überschreiten, dürfte die EU wohl bald einschreiten – falls die FDP mit diesem wahnsinnigen Plan weitermacht und nicht von den Ländern gestoppt wird.

Selten gab es eine solche Uneinigkeit im Deutschen Volk und so abgegrenzte Positionen. Denn die Politiker formieren sich so ziemlich geschlossen gegen die Steuersenkungen, während es für das deutsche Volk klar zu sein scheint, die Senkungen zu befürworten. Das könnte für einen enormen Vertrauenseinbruch zwischen Volk und Politik geben. Und wer sind die Gewinner? Natürlich die Bundesregierung.

Egal ob geplant oder nicht, Schwarz-Gelb macht die Politik im ganzen Land vollkommen zunichte und könnte es schaffen, die eigene Beliebtheit bis zum ultimativen Maximum auszubauen. Und wenn das geschafft ist, wird es für SPD und Linke schwer, noch Land zu gewinnen. Wobei es bei der SPD ja leider auch viel Eigenverschulden ist.

Wir werden sehen, wie das ganze ausgeht, aber diese Entwicklung mag mir nicht schmecken, besonders wenn man bedenkt, dass das ganze ein Trend nach Amerika ist.

Und damit komme ich zu einem weiteren Punkt, der Gesundheitspolitik… Doch für diese schreibe ich heute Nachmittag oder morgen Mittag einen eigenen Artikel, denn das ist nochmal ein Thema für sich.

Übrigens bezüglich Steuersenkungen hier noch ein kleiner Nachtrag:

Gestern habe ich die Polittalkshow “Anne Will” geschaut und dort gab es unter anderem als Thema die neue Finanzpolitik. Anwesend war auch ein Psychiater a.D., welcher einmal seine Einkommenssteuererklärungen seit 2000 überprüft hat und folgende Daten ausgerechnet hat: Sein monatliches Gehalt hat sich seitdem um 15% gesteigert, seine Kapitalerträge (d.h. sein angespartes Geld auf seinem Konto) hat sich um 250% vermehrt und die Einkommenssteuer ist um 50% gesunken.

Noch Fragen?


Oct 31 2009

Warum die CDU so unbeliebt ist – und trotzdem gewinnt

Hendrik Erz

“Ich kann es nicht verstehen”, oder “Warum sind die denn schon wieder dran?” sind typische Sätze, die man so oder sinngemäß sehr oft zu hören bekommt, wenn man sich unter Teilen der Bevölkerung umhört. Natürlich – es geht um die CDU und ihren Wahlsieg. Doch warum bekomme ich von meinen Bekannten oft eine Anti-CDU-Einstellung zu hören, wenn die CDU doch – mit Verlusten aber immer noch weit an der Spitze – die letzte Bundestagswahl gewonnen hat?

Im Grunde ist es doch so, dass man von Blogbetreibern, Internetnutzern, “Zockern” und Arbeitnehmern grundsätzlich eine negative Meinung zur CDU erfährt. Aber genauso bekommt man vom restlichen Volk eine positive Meinung zur CDU zu hören. Warum ist Deutschland so gespalten?

Das ist sicherlich eine große Frage, doch die Beantwortung ist relativ trivial, wenn man unsere Gesellschaft und die Umstände, was an der CDU nun genau in der Kritik ist, bedenkt. Internetnutzer, “Zocker” und Blogger sind die eine Gruppe, die oft gegen die CDU hetzt. Diesen Menschen liegt das Internet und eine zensurfreie Berichterstattung am Herzen. Und das sind genau die Punkte, in denen die CDU in den letzten Jahren massiv geschwächelt hat.
Die Stop-Seiten der Ursula von der Leyen, die umfassenden Gesetze des Wolfgang Schäubles sind nur die beiden Prestigeobjekte der Internetgemeinde, welche angeführt werden, um die CDU zu rügen. Hier ist die negative Haltung gegenüber der CDU also meist aufgrund dieser beiden CDU-Minister der vergangenen Bundesregierung aufzufinden.

Und der Rest des Volkes? Nunja, größtenteils hat die SPD den weitaus größeren Mist gebaut. Und Pech gehabt. Viel Pech. Und das größte Unglück war die Koalition mit der CDU. Denn durch sie konnte die SPD kaum irgendwelche Gesetze durchbringen. Dagegen hat die CDU schon mehr erreicht. Wie gesagt – Stop-Seiten und BKA-Gesetz. Abgesehen davon, dass letzteres sogar nichteinmal wirklich 100% legal durchgebracht wurde, lässt sich hieran gut sehen, wieso die SPD so stark abgebrochen ist. Denn Stop-Seiten und das BKA-Gesetz hatten nichts mit Wirtschaft oder dem sozialen Gefüge als solchen zu tun. Und das bedeutet, dass hierbei die hauptsächlichen Streitpunkte der CDU und SPD – Wirtschaft und Sozialismus – außerhalb gelassen wurden. Das erklärt die erhöhte Anzahl der Ja-Stimmen seitens der SPD für diese Gesetze.

Diese beiden Tatsachen – Machtlosigkeit und Pech, dass von der Leyen und Schäuble ausgerechnet diese beiden Streitpunkte erzeugen mussten – haben die SPD zumindest bei einigen “modernen” Teilen der Gesellschaft weit absacken lassen.

Doch die Machtlosigkeit der SPD hat auch dafür gesorgt, dass viele sozial Schwache und Geringverdiener abgesprungen sind, da sie sich von der SPD enttäuscht sahen. Warum eine Partei wählen, die eh nichts für die Menschen tut? Da glaubt man doch eher der Partei, die Steuersenkungen verspricht.

Was blieb also letzlich auf dem Wahlzettel übrig, das man wählen konnte? Die SPD schied aus, soviel war sicher. Die Gründe wurden schließlich gerade genannt. Die Grünen waren seit jeher keine echte Partei des Volkes. Natürlich vertreten sie ein breites Interessenspektrum, aber im Volk haftet ihnen immer noch stark das “grüne Image”, das sie sich auch bewahren, an. Das macht sie vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise einfach unbrauchbar. Man braucht starke Parteien, die dem Staat die Kassen fluten und Entlastungen für alle bringen. Also fallen die extremen ideologischen Parteien NPD und KPD schon einmal weg. Bleiben also noch als Alternativen die Linke, CDU und die FDP. Die Linke scheidet auch aus. Einerseits, weil eine gewisse Angst vor den Linken herrscht. Das ist teils durch die anderen Parteien erzeugt worden, andererseits haftet es der Bundesrepublik aber auch an.

Deutschland war seit Anbeginn der Zeit schwarz. Zuerst von einem Monarchen regiert, waren auch nach dem zweiten Weltkrieg immer noch die Konservativen beliebt. Denn natürlich möchte man bei der Demokratie bleiben, alles andere wäre fatal. Unter Anderem, weil nicht gerne von NATO und EU gesehen. Aber wenn man schon keinen König haben kann, der einem alles vorkaut, dann wählt der deutsche Michel eben die, die am nächsten dran sind und wo niemand drauf käme, dass eine Radikalisierung einsetze. Also die Schwarzen.

Nicht zu vergessen die Wahlversprechen. Mit Sätzen wie “Mehr Brutto vom Netto” und dem Drei-Stufen-Steuermodell hat besonders die FDP gepunktet. Darum hat sie auch über 14% erreicht. Die FDP hat den Zeitgeist erfasst und genutzt. Die CDU schaut in die Röhre, braucht sich aber nicht grämen, da die meisten CDU-Wähler, die abgesprungen sind, zur FDP über gewechselt sind. Faktisch haben sie also auch die CDU gewählt.
Die SPD hat massiv verloren. Ihre Wähler sind in alle Lager abgedriftet. Wie der Spiegel schrieb, habe Merkel sie kaputt regiert. Ich nehme an, der Spiegel meint damit eben jene Machtlosigkeit, die es einfach machte, der SPD eine Mitläufermentalität und Aktionslähme vorzuwerfen.

Und somit ist es erklärt, dass die CDU verloren und gewonnen hat. Alles ist genauso verlaufen, wie es der CDU nur am besten hätte widerfahren können. Die CDU ist an der Macht, Merkel bleibt, sie hat mit der FDP zusammen die absolute Mehrheit im Bundestag und da die FDP der CDU relativ hörig ist, werden schwarze Gesetze vermutlich bald durchgesetzt. Und das alles, weil der Wähler quasi per factum gezwungen war, die CDU oder FDP zu wählen.
Wegen den überzeugendsten Wahlversprechen, der Wirtschaftskrise und weil SPD und die Linken keine Alternative waren. In heutigen Tagen zählt wirtschaftlicher Wohlstand eben über dem Sozialen.

Moment mal – hat eigentlich irgendwer im Wahlkampf einmal die Bildung in den Mund genommen?