May 9 2010

Landtagswahl 2010 in NRW – Das Ergebnis

Hendrik Erz

Hallo zusammen,

ein wenig später als gedacht fange ich nun an zu berichten, über diese Wahl. Ich muss zugeben, die Verzögerung ergab sich daraus, dass ich mich zuerst einmal auf die Wahlparty im Krefelder Rathausfoyer begeben hatte. Nur leider musste ich feststellen, dass dies keine allgemeine Wahlparty, sondern eher eine FDP-Wahlparty darstellte, da die krefelder FDP zwar eine Parteizentrale besitzt, diese aber mit 30m² etwas zu klein für die Fraktion hier ist. So begab sich das gelbe Meer dann ins Rathaus. Und ich mich wieder von dannen.

Die Ergebnisse bisher (ca 50% der Wahlbezirke in Krefeld ausgezählt, Stand 19:30 Uhr) lassen etwas unschlüssig, aber relativ eindeutig auf eine Rot-Grüne Mehrheit im Landtag hoffen. Doch wie in den Umfragen gezeigt wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rot und Schwarz.

Momentan haben beide Parteien gleichviele Prognose-Plätze. Und Rot-Grün ist noch als absolute Mehrheit denkbar. Interessant zu beobachten ist, dass Schwarz-Gelb so gut wie abgewählt scheint, Rot-(Rot-)Grün wird immer stärker, aber am meisten gewinnen eindeutig die Grünen. Denn die haben mit etwa 10% deutlich mehr Stimmen als Gelb und Violett.

Schön für mich zu beobachten, soviel muss ich zugeben, ist, dass die SPD erneut sehr stark ist und wahrscheinlich das Ur-SPD-Land NRW endlich wieder rot wird.

Doch das Kopf-an-Kopf-Rennen, das durch die Prognosen prophezeit wurde, zwischen CDU und SPD ist wahr geworden und Jürgen Rüttgers kündigt bereits das Eingeständnis eigener Fehler (auf Drängen der Parteispitze, wohlgemerkt) an. Bei der SPD freut man sich tierisch, dass der lästige Feind endlich abgewählt ist, die Grünen lassen schon die Korken knallen über das gute Ergebnis, die Linken weinen Freudentränen über den Einzug in den Landtag und die FDP verteilt Taschentücher. Im Grunde ist dieses Ergebnis sehr “erwartet” gewesen, besonders einerseits nach den Affären Rüttgers und andererseits nach dem holprigen Start von Schwarz-Gelb in Berlin, doch man freut sich umso mehr, dass der Wähler nun genauso dachte.

Die Prognose des SPIEGELs, NRW würde einer gescheiterten Regierung den Todesstoß verpassen, scheint bestätigt und so liebäugeln SPD und Grüne bereits miteinander. Wir werden sehen, später werde ich hier weiter schreiben, wenn es etwas größeres, neues, gibt.

Bisher liegt in Krefeld die Wahlbeteiligung bei 54%, was ich erschreckend finde.

Update 20:18 Uhr

Okay, wir schreiben es jetzt fast halb neun und in Krefeld sind fast alle Wahlbezirke ausgezählt (172 von 188), bei uns in Krefeld führt die SPD immer noch, aber in ganz NRW hat die CDU 0,2% mehr als die SPD, dennoch selbe Sitzverteilung. Es bleibt spannend. :)

Endergebnis

Unglaublich, aber wahr! NRW ist wieder rot! Die SPD hat mit 0,1% vor der CDU gewonnen und jetzt sind wieder alle Tore offen für rote Koalitionen. :) Ich hoffe doch sehr, dass die SPD nun auch mit Grünen und vielleicht auch Linken zusammen geht, um zu regieren, und die Grünen sich nicht bei der CDU anbiedern.


May 9 2010

Ein Tag der Wahrheit…

Hendrik Erz

… oder zumindest ein bisschen. Es ist zwar erst halb drei Uhr morgens, aber wir schreiben den 9. Mai 2010 und damit nicht nur den Muttertag, sondern gleichermaßen auch den Tag der Landtagswahl NRW 2010. Heute ist wieder so ein Tag, an dem ganze Schulen plötzlich ein ganz anderes Klientel als den Rest des Jahres bekommen und so hat nun jeder wahlberechtigte Bundesbürger im Land die Möglichkeit 10 Stunden lang von 8 Uhr bis 18 Uhr zu wählen, wen er denn gern im Parlament in Düsseldorf sähe.

Besonders spannend dürfte das Rennen durchaus werden, denn die bisher relativ unbekannte SPD-Kandidatin Kraft hält sich laut Umfragen gut. Man geht gar von einem geschätzten Gleichstand zwischen ihr und dem amtieren Landtagschef Rüttgers aus. Damit werden theoretisch alle Koalitionen möglich, zumindest die etwas wahrscheinlicheren. Obwohl Grün-Links-Gelb doch auch mal interessant zu sehen wäre, bis auf den Fakt, dass dadurch das Land unregierbar wäre.

Jedenfalls war der Wahlkampf so emotional und abwechslungsreich wie selten zuvor. Da waren einerseits die TV-Duelle, von einem berichtete ich, dann waren da die allgegenwärtigen Parteistände und die Plakate, die besonders gestern auffielen und vermutlich heute noch auffallen werden. Und, sehr interessant auch, die Affären der CDU. Der SPIEGEL schrieb in der aktuellen Ausgabe, es sei Rüttgers Schuld selber, da er sich viele Feinde innerhalb der Partei gemacht hat, die nun natürlich versuchten, mit Interna die CDU in Misskredit zu bringen und dafür zu sorgen, dass Rüttgers einen Denkzettel verpasst bekommt. Aber wessen Schuld die durchgesickerten Informationen auch immer sind, sie haben jedenfalls der SPD zu einem Umfragehöhenflug verholfen und so musste die SPD nicht viel mehr machen außer abwarten. Vielleicht wäre es ohne diese diversen Affären auch nicht so ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Fest steht, dass jeder einzelne Wahlkreis mit Spannung erwartet werden dürfte und jedes einzelne Zwischenergebnis stark unter Beobachtung steht. Ich werde vermutlich, wie bereits angekündigt, im besten Falle im Rathaus von Krefeld sitzen und die Auszählung abwarten, oder aber einfach gemütlich zu Hause und ein paar Live-Ticker befragend.
Doch bevor ich mich auch noch über Koalitionsbildungen auslasse, bevor ich überhaupt von der Wahl an sich spreche, möchte ich hier noch einmal einen Aufruf starten.

Laut einiger Schätzungen soll die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl 2010 NRW gerade einmal um die 60% liegen. Das Fatale dabei ist, dass viel auf dem Spiel steht: Wird NRW rot-(rot-)grün, so ist die Schwarz-Gelbe Mehrheit im Bundesrat gekippt und die Opposition gewinnt die Überhand. Anderenfalls geht alles weiter, wie bisher. Bekommt NRW eine neue Regierung, so verändert sich auch viel innerhalb der Bundeslandesgrenzen, was für die Bürger vermutlich auch nicht uninteressant ist. Ich versuche hier aber auch wieder nur gegen den Wahlverdruss anzugehen, denn jede Stimme zählt!

Also rufe ich hiermit ganz NRW auf, morgen ein paar Meter an die Frische Luft zu gehen und sein Recht als Bürger wahrzunehmen! Geht morgen wählen! Wichtig ist, dass ihr wählt und dass ihr die Partei wählt, die eurer Meinung nach am ehesten euren Standpunkt vertritt. Oder zumindest eure Stimme abgeben, damit sie gezählt wird, aber keine Partei diese Stimme bekommt!

Geht wählen!

Und morgen gibt’s dann einen kurzen Review von mir, inklusive ein paar Momente Zukunftsvision. :-P


May 6 2010

Die Achse des Bösen…

Hendrik Erz

… so in etwa muss Frau Merkel das bevölkerungsreichste Bundesland der Republik zur Zeit vorkommen – genauso wie Jürgen Rüttgers. Beide CDU-Politiker und sie müssen NRW erhalten. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um ihren Job. Doch das Problem ist, dass genau das extrem schwierig wird, die vergangenen Krisenzeiten haben die NRW-Bürger auf einen enormen Antikurs zu den herrschenden Kräften gebracht. Seit jeher wird in erschreckender Regelmäßigkeit jede Regierung abgestraft, in deren Regierungsphase etwas unvorhersehbares oder etwas schlimmes passiert.

Und nun stehen die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen an und die CDU bibbert um ihre Mehrheit. Dank Guido Westerwelle hat ihr Koalitionspartner, die FDP, in etwa die Beliebtheit von Fußpilz – man mag sich nicht mit einem solchen Menschen im Ausland zeigen. Doch genauso wie man die FDP in den Umfragen für die Wahl Westerwelles zum Außenminister straft, so straft man die CDU: Einerseits für den holprigen Start im September 2009, nach welchem bereits ein Zerwürfnis der Koalition drohte, genauso wie für die Griechenland-Hilfen. Und so wichtig es vielleicht auch ist, die Griechen finanziell zu unterstützen, damit das eigene Land, welches ja untrennbar an Griechenland gebunden ist – zumindest in der Währung – gerettet wird, so unbeliebt machen sich Politiker, die fremden Ländern Gelder anbieten, nur weil diese Länder ihr eigenes verprasst haben.

Der Bürger denkt ungerne sehr weit und unterstützt lieber Politiker, die ans eigene Land, denn ans Ausland denken. Doch das ist nur ein Punkt, der zum Sturz für Schwarz-Gelb werden könnte. Ein weiterer ist die zunehmende Radikalisierung in Deutschland. Die fortschreitende Polarisierung der verschiedenen politischen Lager gen links und gen rechts sorgt für eine gleichmäßigere Stimmverteilung und daher für immer schwierigere Koalitionen. Hier haben eindeutig die Linken den Vorteil, dass sie ein Rot-Rot-Grünes Bündnis eingehen können, ohne sich gegenseitig in den Haaren zu liegen – die Konservativen haben dafür nur zwei Parteien.

Dafür sprechen auch Umfragen, die ein Kopf an Kopf – Rennen zwischen SPD und CDU vorhersagen. Sollte das wirklich auftreten, am Sonntag, dann könnte die Regierung Angela Merkels durchaus ins Wanken kommen. Denn da die Linken, SPD und die Grünen geschlossen gegen Schwarz-Gelb agieren wird eine Koalition dieser drei immer wahrscheinlicher. Wie ich bereits im vorangegangenen Post beschrieben habe, konnte man diese gegenseitige Unterstützung deutlich spüren: SPD, Linke und Grüne versus CDU und FDP. Doch ich muss mich korrigieren: Nur weil der Parteichef der CDU ein schlechter Redner ist, wie sich in der Wahlarena gezeigt hat, ist nicht gleich die ganze Partei schlecht. Nein, ich muss hier eindeutig feststellen, dass ich die CDU auch wählen würde. Aber nur, wenn sich nichts verändern soll. Wenn man zum Beispiel gerade eine Hochkonjunktur hat, hilft die CDU dafür, dass sie dafür sorgt, dass Altes bestehen bleibt – eben das System, was für diese Konjunktur gesorgt hat; in der CDU nimmt man den Ausdruck “konservativ” noch so, wie er auch definiert ist – konservieren. Doch nach Krisen muss ich zugeben, sind die linken Parteien besser, da sie meist die Weichen für Systeme stellen, die aus der Krise helfen.
Dass diese Systeme meist erst zu einer CDU-Regierung ihre Früchte tragen, ist nun einmal das Schicksal der linken Parteien.

Doch zurück zur Wahl. Die Wahl wird sich vermutlich für die linken Parteien entscheiden, und, obwohl man von “ungewöhnlichen Koalitionen” sprach, vermute ich, dass die althergebrachten Koalitionen durchaus immer noch möglich sind. Denn die Linken wie die Grünen sammeln in den Umfragen immer mehr Punkte, und da sich die SPD nach dem großen Wahlverlust im September letzten Jahres neu konstituiert hat und demnach auch wieder sich einer guten Schiene nähert, ist eben jene Koalition Rot-Rot-Grün wahrscheinlich. Da helfen auch keine “Rot-Rot-Grün verhindern! Am 9. Mai FDP wählen!”-Aufkleber über den Wahlkampfplakaten der FDP mehr.

Doch ich will hier nichts vorweg greifen, ich warte den 9. Mai ab. Vermutlich werde ich mir dann wieder ein paar Newsticker zusammen suchen und irgendwie euch mitteilen, wie es denn zur Zeit läuft. Und danach werden wir ja sehen, wer recht hatte, links oder rechts. Es bleibt noch spannend.

P.S.: Wer sich einmal eine Meinung über den amtierenden Ministerpräsidenten Rüttgers machen möchte, so möchte ich wärmstens das Interview mit ihm im aktuellen SPIEGEL vom 3.5.2010 (Seite 23ff) empfehlen.


Apr 29 2010

Schlammcatchen vor laufender Kamera: WahlArena im WDR

Hendrik Erz

Gestern abend lief um 20:15 Uhr, zur besten Sendezeit, im WDR per Zufall die WahlArena. Vorgetreten waren die Spitzenkandidaten aller fünf großen Parteien – Linke, SPD, Grüne, CDU und FDP. Aufgestellt waren sie an fünf Rednerpulten in Paulskirchen-Formation.

Und dann ging es auch schon los. Die beiden Moderatoren konfrontierten die Politiker mit Fragen, die das Volk bewegen, zumindest scheinbar. Die Eröffnungsfrage war wie so oft das vieldiskutierte Rauchverbot in deutschen Kneipen. Außer, dass ich finde, dass zumindest in Kneipen das Rauchen einfach “dazu” gehört, haben die Politiker sich euphemistisch wie immer versucht, als Löser des Problems darzustellen. Auffallend war, dass sich lediglich rot-rot-grün zum Rauchen geäußert haben, nicht aber schwarz oder gelb. Die drei Parteien jedenfalls haben erneut bemängelt, es gäbe zu wenig Nichtraucherschutz. Das übliche.

Dann kam es auf ein Kernthema, was den Rest der Stunde Befragung ausgemacht hat: Bildung. Das Topthema der Nation. Hierzu entfachte auch sogleich ein Streit zwischen den Parteien: Während der linke Teil des Parteienspektrums geschlossen für die Abschaffung des Mehrgliedrigen Schulsystems waren und die Einheitsschule forderten, hielt die rechte Seite ebenso geschlossen dagegen. Dabei passierte es nicht selten, dass Ministerpräsident Jürgen Rüttgers – besonders Frau Kraft und Frau Löhrmann – das Wort im Munde herum drehte. So wurde aus einem einheitlichen Schulsystem – mindestens bis zur 10. Klasse (“sinnvoll, kann aber auch kürzer sein”, so Frau Löhrmann) auf Gymnasialniveau fix ein Einheitssystem, in dem alle Schulen anders seien, und dementsprechend andere Anforderungen stellten und unterschiedliche Bildungslevel schüfen.

Des weiteren betonte Herr Rüttgers mehrfach, dass das mehrgliedrige Schulsystem, wie es die CDU geschaffen habe, das Bestmögliche sei. Dies begründete er mit der in diesem Jahr geringsten Sitzenbleiberquote überhaupt in NRW. Dass dies durch die immer weiter verkürzten und verknappten Lehrpläne zustande kommt, die den Schülern bei gleichem Pauken immer weniger in Prüfungen abverlangte, blieb unerwähnt.

Des weiteren gab es einen Patzer des FDP-Kandidaten Pinkwart, der sich hinter Rüttgers stellte und behauptete, das mehrgliedrige Schulsystem sei gut. Wenig später aber bemerkte er, dass in Berlin die Gymnasialplätze mittlerweile per Losverfahren vergeben werden würden, weil keine mehr vorhanden seien.

Im großen und ganzen versuchten die linken Parteien immer wieder, CDU und FDP deutlich zu machen, ihre Ideen besser seien, was durch CDU und FDP mit hanebüchenen Gegenargumenten abgeblockt wurde. So verwundert es nicht, dass die Blenderei Rüttgers nicht sehr lange durchhielt: Während das Publikum zuerst bei allem, was Rüttgers sagte, jubelte, wendete sich der Jubel sehr schnell den linken Parteien zu, CDU und FDP kassierten dafür immer öfter Buhrufe.

Alles in Allem ist hier eine gewisse Tendenz zu sehen, hin zu Rot-Rot-Grün und weg von Schwarz-Gelb. Das schwarz-ideologisierte Land NRW könnte also am 9. Mai wieder rot werden. Wir werden es sehen.


Apr 20 2010

Ausbruch des Eyjafjallajökull – Expertenmeinungen

Hendrik Erz

Die Medien zerreißen sich die Mäuler darüber, wer mehr (Un-)Sinn über den Vulkanausbruch auf Island erzählt und die Fluggesellschaften kritisieren das Flugverbot, da ihnen dadurch schätzungsweise eine Milliarde Euro pro Tag entgeht. Und das ging über das gesamte Wochenende so – mittlerweile hat sich zwar das ganze wieder etwas beruhigt, die meisten Flugzeuge fliegen wieder und das ganze flaut etwas ab. Doch der “Hype” um den armen Vulkan geht weiter, und so erzählte auch unsere Jugend von ihren Erfahrungen mit Eyjafjallajökull:

In einer Gruppe, genannt “Vulkan Island (Aschewolke) 2 Eiszeit?”, fand ich folgende intellektuell hochwertige Zitate unserer heranwachsenden Jugend aus den Klassen 5 bis 10:

“na ich hoFFFe dOch niichT
. . .
sOnsT habE iich dOch keiin ZU hause mehr :**DDD
. . .
oder die Welt haT keiin Zu Hause mehR!!°°°”

“also auf jeden fall steht die sonne am 21.12.2012 dann an einem ganz bestimmten punkt in der milchstraße und irgendwie ist das was ga nz besonderes was nur alle 10 000 jahre vorkommt oder so
und angeblich solll dann das magnetfeld der erde kaputt gehn und die pole könnten sich dadurch sonstwohin verschieben und so weiter und so fort ….
alos es ist schon so dass 2012 ein sehr besonderes jahr sein wird
und irgnedwie glaubt man dass die sonnenaktivität besonders stark sein wird dann wieder weil sie jetzt schon seeehhhr lange ziemlich unaktiv ist”

“wegen dem schrott gehen uns die früchte aus und ich bin vegetaria:(“

“dann sollen die mit feuerwehr den vulkan mit wasser nassspritzen”

“Ich finds gut seitdem keine Flugzeuge mehr in der Luft sind nur gutes Wetter und frische Luft! “

“Wenn die FLurgzeuge mal ein paar tage – wochen nicht fliegen ist das viel besser ! dadurch kommt viel weniger CO² in die Luft ^^ und eig sind das alle selber schuld ! denn seid der Eisberg da in der Nähe schmilzt und in die heiße Lava läuft kommt der Rauch erst ! … also sind es alle selber schuld – und der Vulka hört erst auf, wenn der Eisbrocken geschmolzen ist – was noch was dauern könnte ! “

“kleine behinderten besserwisser hier! “

Auf die Frage “Asche am Himmel – würdest du trotzdem in ein Flugzeug steigen?”:

  • “Ja :) … ,
    denn die meißten Flugzeuge fliegen ja unter 3000 m..&da kann ja eig. nichts passieren:)”
  • “ne würde ich nie machen………….wenn ich abstürzen würde,würde nix mehr mit leben sein “


Apr 12 2010

“Einmal Afghane bitte. Macht 100$”

Hendrik Erz

Diese Meldung geisterte die letzten Tage über zu Hauf durch Radio, TV und Internet: “Hinterhalt bei Kunduz! Taliban eröffnen Feuer und töten drei Bundeswehrsoldaten!”. Schock. Eine ganze Nation in der Starre – wie konnte das passieren? Eigene Menschen tot!

Sofort werden Forderungen laut. Einige Offiziere bemängeln die zu schlechte Ausbildung der Truppen, oder aber auch, dass die Ausrüstung in Afghanistan nicht gut genug sei. Diverse Politiker forderten gar Leopard 2-Kampfpanzer für die Bundeswehr, mancher ging noch weiter und forderte gar Kampfhubschrauber. Jeder, der sich einmal ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt hat, weiß, wie sündhaft teuer dieses Kriegsgerät ist. Doch nicht nur das bemängelte man, die Regierungsopposition nutzte diese Gelegenheit gleich, um wieder den Abzug aus Afghanistan zu fordern, was die Regierung abwiegelte. Man bleibe. Ob man zu dem Zeitpunkt daran dachte, dass der Abzug aus Afghanistan eigentlich schon nächstes Jahr geplant war, vor langer, langer Zeit?

Doch ich will mich gar nicht mehr darüber aufregen, dass wir überhaupt in Afghanistan sind und die Putzkräfte der Amerikaner mimen, beim Versuch die von den USA ausgebildete Taliban aus dem Land zu tilgen. Die Taliban – zur Erinnerung – sind ein ehemaliges Sonderkommando der USA, ausgebildet von hochrangigen Offizieren der CIA, um das damalige russische Regime aus dem Land zu treiben. Die USA mochten die Russen nicht, und die Afghanen selbst waren auch nicht zufrieden damit. Also entschloss man sich, das Angebot der USA anzunehmen, und so kämpfte die Taliban, damals noch Mudschaheddin genannt, dann unter Schirmherrschaft der USA jahrelang gegen die Russen – bis sie endlich aus dem Land waren. Doch danach suchten die ausschließlich auf Krieg trainierten Afghanen eine neue Aufgabe – die fanden sie in der Bekämpfung von sich selbst. Und dem US-Freundlichem Regime, was nach dem Abzug der Russen eingesetzt wurde.

Das Ergebnis: Heute sind dutzende Staaten mit diversen Truppen in Afghanistan stationiert, und versuchen, die Taliban im Zaum zu halten – erfolglos. Und jetzt hat dieser schon seit Jahren anhaltende Kampf genau drei Bundeswehrsoldaten mehr gefordert. Und die zivilen Opfer? Die beliefen sich bereits 2008 auf über eine Million Menschen. Wer fragt nach den Toten Afghanen?
Die USA bieten zwar eine gewisse Geldsumme – wie bereits im Titel geschrieben genau 100$ – pro toten Afghanen an die Familie. Anders könnten die USA es bestimmt nicht bezahlen. Denn insgesamt sind die USA nach Adam Riese schon 100 Millionen US$ nur für Opferentschädigungen losgeworden – und das bei diesem Hungerlohn. Es ist doch beinahe eine Farce gegenüber den Hinterbliebenen. Und dass die zivilen Opfer teilweise auch ganz bewusst “erzeugt” werden, beweisen die Helikoptervideos, die vor kurzem auf Wikileaks veröffentlicht wurden.

Es scheint ganz so, als zähle man afghanische Opfer bei weitem nicht so hoch, wie Amerikanische oder auch Deutsche. Das bis heute wohl prominenteste Beispiel für genau diese Abart der Westmächte ist der Krieg in Somalia. 1991 versuchten nämlich die US-Marines in der Hauptstadt des Landes, Mogadischu, den wichtigsten Warlord der Gegend zu fassen. Bei den anschließenden Gefechten, die bis zum nächsten Morgen andauerten, verloren 19 US-Marines und über 1.000 Somalis ihr Leben. Und die letzte Zahl ist nur geschätzt.
Seit dem Tag sind die USA wesentlich vorsichtiger geworden mit Infanterieeinsätzen, sogar im Kosovokrieg wurde zuerst das schwere Gerät vorgeschickt, bis die Infanteristen nachrücken durften.

In westlichen Staaten muss natürlich die Zahl der eigenen Opfer extrem gering gehalten werden – jedes Opfer senkt die politische Stimmung im Land, doch ist das gleich ein Grund, die Leben der “Feinde” so herabzustufen? Ist es gleich ein Recht, die Bevölkerung dieser Länder als Zielscheiben zu missbrauchen?
Ich finde es eine Unverschämtheit – sowohl von den USA, als auch von Deutschland und von allen anderen beteiligten Ländern, das Leben der eigenen Leute so ungemein über das, der anderen zu stellen. Und, sie Postmorten noch derart unwürdig zu behandeln. Ich finde es menschenrechtlich nicht mehr nur bedenklich, was sich hier Regierung und aber auch die Soldaten leisten. Denn auch die Soldaten fügen ihren Teil der Suppe bei.

Ich erinnere nur an die Misshandlung in den Bagdader Gefängnissen, die amerikanische Soldaten mit wehrlosen irakischen Gefangenen durchführten. Und wenn ich einmal zurückschaue, was die Westmächte den Menschen in afrikanischen und arabischen Ländern bereits alles angetan haben, finde ich wieder eine Erklärung für den angestiegenen Terrorismus und gleichzeitig muss ich feststellen, dass unsere Menschenrechte, die Genfer Konvention und die Haager Landkriegsverordnung im Grunde nichtig sind. Denn wenn sich eine komplette 1. Welt nicht an diese Grundgedanken halten kann oder will, obwohl sie selbst von ihren Bürgern verlangt, moralisch genau so zu denken, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wie kann es sein, dass die Menschen sich so ein dickes Gesetzeswerk zur Verhinderung von ehrlosen Misshandlungen anschaffen, und dieses dann genauso gekonnt ignorieren?

Mir kommt es vor, als seien die mühsam erarbeiteten und mit viel unschuldigem Blut erkämpften Menschenrechte jetzt auf demselben Stand der Bibel. Und dennoch werden die dafür Gestorbenen nicht wie Jesus behandelt, sondern wie ein “Afghane”.


Apr 10 2010

Das Schema F der Landtagswahl

Hendrik Erz

Ist es nicht schön? Ein sonniger Samstagvormittag, man ist spät aufgestanden, ausgeschlafen und frohen Gemüts und fährt mit dem Fahrrad durch die Stadt. Die Situation ist perfekt, es grünt links und rechts des Weges und dann das: Fliegeralarm! Wie im zweiten Weltkrieg springen die auf allen Dächern der Stadt angebrachten Sirenen an und kündigen einen offensichtlich nicht vorhandenen Kampfverband an. Obwohl heute viele Witze darüber gemacht werden, mag man doch ab und an vermuten, dass die Flieger vielleicht doch irgendwann kommen.
Soviel aber zu dem Thema “Frieden schaffen in der Welt”. Nun lieber zu einem aktuelleren, nämlich den Landtagswahlen 2010.

Am 9. Mai ist es endlich wieder soweit – der nordrhein-westfälische Landtag wird gewählt. Seit 5 Jahren regiert schwarz-gelb hier in Düsseldorf und nach der Spendenaffäre und Westerwelles souveränem Auftreten als Außenminister ist es wieder Zeit, neu zu würfeln. Sehr interessant finde ich dabei das klassische Schema F, welches auch hier wieder auftritt. Obwohl Schwarz-Gelb an der Regierung auf ganzer Linie versagt hat und das die Chance entweder erneut für eine große Koalition wäre oder eine schwarz-grüne Koalition, so üben sich beide Parteien – das linke und das rechte Lager – erneut im Schema F. CDU und FDP sowie SPD und Grüne. Die SPD will mit den Grünen koalieren und umgekehrt und dabei schaffen es die Grünen auch grandioserweise, ihren wahrscheinlichen Koalitionspartner mit Sprüchen wie “A, B, CDU und raus bist du!” und “Weg mit schwarz-gelb! Aus der Krise hilft nur grün!” vergraulen und diffamieren. Sehr interessant und ironisch war in dem Zusammenhang, dass gestern auf dem Glockenspitz hier in Krefeld ein Plakat der Grünen mit einem SPD-Wahlplakat überklebt wurde…

Fest steht doch, dass das Wahlergebnis der Landtagswahl beinahe fest steht. Bei Plakaten wie “Wir in Bockum wählen CDU!” und den aktuellen Umfrageergebnissen bleiben eigentlich nur untypische Koalitionen wie Jamaica oder Schwarz-Grün übrig. Die SPD scheint beinahe in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, denn außer im Zusammenhang mit den unwahrscheinlichen rot-grünen Koalitionsmöglichkeiten fällt der Parteiname erstaunlich selten.

Wenn man aber von auf die Wahlwerbung schaut, wird es noch prekärer, denn sie fällt so stereotype aus wie eh und je. Die CDU wirbt mit konservativem Design – blau und schwarz, mit monochromen Fotografien führender Spitzenpolitiker, Menschen die schon seit Jahren in der Politik sind und prägnanten Sprüchen wie “NRW muss stabil bleiben!”.
Die SPD wirbt mit Wahlversprechen, aktuelle Probleme wie Bildung und Wirtschaft zu sanieren. Während die CDU also auf Stagnation und Stabilität – zwei oft geforderte Begriffe der aktuellen Zeit – setzt, setzt die SPD auf Verbesserung.
Die Linken wählen wie immer mit euphemistischen Wahlsprüchen und Dingen, die zwar auch sein müssen, aber noch in weiter Ferne liegen. Auf die Krise gehen sie nicht ein.
Die Grünen werben mit zwei Dingen: Entweder mit typischen “Grünen”-Themen oder damit, dass Schwarz-Gelb schlecht ist. Typisch grün eben.
Die FDP dahingegen macht neben ihrer wirtschaftsliberalen Werbung auch interessante neue Art von Werbung: Sie wirbt mit sehr jungen Damen, die offensichtlich noch keine lange Politikerkarriere hinter sich haben. Ob hier gilt “Sexy, statt erfahren”?

Wie unterschiedlich die Werbung auch ist, so unterschiedlicher sind die Parteien. Während die SPD sich allmählich von den Patzern der jüngeren Zeit erholt hat, zeigt die CDU, dass sie für Stabilität sorgt wie eh und je und dass sie ihren Kurs fortsetzen wird, die FDP versucht, sich das jüngere Publikum zu angeln und die Grünen gehen wieder auf die Anti-Position. Ich bin ehrlich gespannt, wie diese unterschiedlichen Richtungen in Koalitionen vereint werden sollten. Die einzigen, die meiner Meinung nach da auch rein von der Wahlwerbung eine Koalition eingehen könnten, wären wirklich schwarz, rot und grün. Denn ich vermute a) nicht, dass die CDU noch etwas mit der FDP zu tun haben wollte und b) nicht, dass die Linken auf irgendeinen grünen Zweig kommen werden. Und selbst wenn doch, werden sich die etablierten Parteien vermutlich erst einmal hüten, eine Koalition mit ihnen einzugehen.

Wir werden sehen, wie es ausgeht, interessant ist es auf alle Fälle, besonders wegen den Unterschieden zwischen der Realität und der Realität, die uns die Wahlwerbung glauben machen will.


Apr 8 2010

The Ocean – Heliocentric

ChameleonHalo

Veränderung polarisiert Menschen schon seit jeher. Stets forderte eine kleine Gruppierung die Anschaffung eines neuen Besens, um damit besser fegen zu können. „Wie unnötig“ erwidern die Übrigen. „Neue Besen, pfff. Nur die alten Besen wissen wo sich der Dreck verborgen hält.“ So zieht sich dieses Muster durch die Jahrhunderte und sorgt stets für neue Reibereien.

Die Entdeckung des heliozentrischen Weltbildes war so eine. Die Sonne war nun der neue Mittelpunkt des Universums, nicht länger die Erde und damit der Mensch. Die Religionen, die den Menschen als Mittelpunkt der Schöpfung sahen, kamen nun in Erklärungsnot und reagierten nicht gerade freundlich. Galilei könnte ein Liedchen davon singen.

Auch heutzutage sind Menschen Veränderungen gegenüber recht misstrauisch gestimmt. Vor allem in der Welt der Musik wird das deutlich. Und könnte Mister Galilei dieser Tage einen Blick in die Shoutboxen der populären Musikplattform last.fm werfen, so würde er sich sicher zusammen mit der Erde im Grabe umdrehen. „Wieso das ?“, wird man nun fragen. Schuld ist wiedereinmal der Heliozentrismus. Beziehungsweise das 4te Studioalbum der experimentellen Post-Metal Band The Ocean, welches ironischer Weise auf den Namen Heliocentric hört. Der clevere Leser ahnt es bereits. Dieses Album trägt Progression in seinen Genen. Der Mikrokosmos des Ozeans hat sich gewandelt, und nach Darwins „The Origin of Species“ werden nur jene überleben, die sich mit dieser Veränderung am besten anfreunden können. Zumindest in der Kategorie Autoreferentialität ist Heliocentric die maximale Punktzahl garantiert.

The Ocean begannen ursprünglich als Kollektiv um den zweifelsohne talentierten Robin Staps. In wechselnder Besetzung konnte The Ocean auf 3 grandiose Alben zurückblicken, Alben voller roher metallisch-hardcore-iger Gewalt und filigraner, klassischer Elemente. Ein Erfolgsrezept zum liebhaben, mit dem sich The Ocean stets in greifbarer Nähe ihrer Artverwandten Neurosis, ISIS, Mastodon und sogar Meshuggah bewegten, ohne in den Chorus der generischen Nachahmer einzustimmen. Trotzdem blieb das Kollektiv lange Zeit ein Geheimtipp. Zeit für etwas neues. Ein neues Rezept. Aus dem Kollektiv hat sich eine feste Band herauskristallisiert, ein fester Sänger wurde engagiert, der überwiegend dem Klargesang frönt, und Robin Staps lockert die Zügel und gibt den anderen Musikern Freiheit sich ebenfalls in das Gesamtgefüge einzubringen. Ich werde etwas deutlicher: Um Heliocentric verdauen zu können, muss es von der Vergangenheit der Band getrennt werden. Hier ist nicht mehr ein über 80 Mann starkes Heer am Werk, hier gibt es keine 16 Gastsänger wie zu „Precambrian“-Zeiten, hier gibt es lediglich eine 5-köpfige Band und auch nur einen einzigen Mann am Mikro.

Heliocentric ist ein Konzeptalbum, dass sich mit dem oben genannten Einfluss des heliozentrischen Weltbildes auf die monotheistischen Religionen, allen voran das Christentum, befasst. Vorgegangen wird dabei chronologisch, am Anfang steht die 7-Tage Schöpfung der Welt durch Gott, dann die Entdeckung, dass das ptolemäische Weltbild falsch war. Die kirchliche Ächtung dieser Idee folgt zugleich und über Darwins Die Entstehung der Arten kommt man schlussendlich zu Richard Dawkins’ Bestseller The God Delusion. Einmal Dekonstruktion des Christentums in 50 Minuten. Prätentiös ? Zweifelsohne. Aber lyrisch recht gut aufbereitet.

Nach einem kurzen Ambient-artigen Intro geht es mit dem ruhig groovenden Firmament auch schon los. Die Gitarren sind zunächst sehr gezähmt, es herrscht nur leichter Seegang im Ozean, und das neue Organ der Band, Loic Rossetti, lässt sich erstmals vernehmen. Doch alte Seebären wissen, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Und wirklich werden die Wellen größer, bis schliesslich in gewohnter Manier monolithische Lava-Riffs gepaart mit kleineren Frickeleien auf den Hörer losgelassen werden und Loic los shoutet. Direkt in diesem ersten Track wird deutlich welchen Kurs die Band nun eingeschlagen hat. Minimalistischer geht sie zu Werke, aber auch deutlich präziser und dynamischer. Ohne Zweifel auch auf den ersten Blick um einiges gezähmter, weniger archaisch. Doch diese Gesichtszüge sind noch an Bord, nur unterschwelliger, subtiler. Ja, Subtile Rohheit, Robin Staps macht’s möglich. The First Commandment of the Luminaries lautet der nächste Song auf dem Album und wartet in seinem Chorus mit den besten Gesangslinien des Album auf. Auch klassische Streicher sind hier zu hören, viel sparsamer eingesetzt aber halt durchdachter fernab kitschiger Bombastteppiche. Und auch die kurze jazzige Piano-Bass Jamsession gegen Ende des Songs weiß zu gefallen. Es folgt Ptolemy was Wrong, ein Ballade, die mir dann doch etwas zu weit geht und einfach nicht auf dem selben hohen Niveau der beiden Vorgänger ist. Die nächsten 3 Songs sind wiederum recht gelungen, gerade Metaphysics of the Hangman und Swallowed by the Earth gehen in ihrem simplen Aufbau schnell ins Ohr, beinhalten aber genug Details um auch längerfristig zu gefallen. Das Album naht sich dem Ende. Epiphany ist ein ruhigerer Track, bei dem sich Loic von seiner besten Seite zeigt. Dabei wird ein unglaubliche unterschwellige Spannung erzeugt, die sich zwangsläufig in dem zweigeteilten Abschlussepos The Origin of Species und The Origin of God entladen muss. Diese beiden Songs gehören eigentlich zusammen und nehmen auch keine Gefangenen und präsentieren noch einmal was The Ocean anno 2010 zu erschaffen vermag. Clevere Frickeleien, viele schöne Details, brachiale Lava-Riffs, eine gehörige Portion Pathos, die Vocals von Loic, und die herausragende Arbeit an Bass und Schlagzeug beweisen, dass Robin Staps in der Wahl seiner Gefährten richtig lag.

Eine Scheibe die nach kurzer Eingewöhnungszeit zu gefallen weiß. Oder um es in Galileo’s Worten zu sagen: „Und sie rockt DOCH !“

Anspieltipps: Firmament, Metaphysics of the Hangman, The Origin of Species, The Origin of God


Apr 5 2010

Ein Leben in Freiheit? Warum Menschen auf zwei Arten gegen das System sind.

Hendrik Erz

Seit etlichen Jahrtausenden gibt es Terrorismus. Der Terror ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Seitdem es Siedlungen gibt, gibt es immer wieder Menschen, die genau diese Siedlungen angreifen. Auch im 21. Jahrhundert ist diese Bedrohung so akut wie eh und je. Doch die Theorien, wie und warum, ändern sich. Früher waren Anschläge meist politisch begründet. Man wollte unliebsame Feinde loswerden, beispielsweise im Kaiserreich Rom. Im Mittelalter war es genauso. Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sieht eben immer saftiger aus, als das eigene.

Doch im 21. Jahrhundert hat sich die Art des Terrorismus gewandelt. Zwar bleibt der Grund gleich – Politik, aber die Umstände haben sich geändert. Heute morden nicht mehr Menschen im Auftrag eines ranghohen Politikers andere Politiker, heute morden regelrechte Organisationen scheinbar wahllos. Es gibt mehr Kollateralschäden, Terrorismus ist nicht mehr “sauber”. Doch warum gibt es so etwas?

Der Artikel “Terrorismus: Die dritte Generation” hat mich auf eine Idee gebracht. Denn in Zeiten globaler Überwachung, in Zeiten von Social Networks und dieser rasend schnellen Technologisierung entsteht nicht nur eine Schere zwischen Arm und Reich, nicht nur zwischen links und rechts und nicht nur zwischen Welt und Glauben. Sondern auch in den Wertevorstellungen. Die einen Menschen ziehen ein Leben mit viel Technik, Luxus und dem neuesten Schnickschnack vor. Solche Leute machen meist Karriere und bekommen einen Bürojob, viel Geld und machen viel Urlaub.
Die anderen Menschen zieht es zu einem Leben in technischer Armut. Facebook und SchuelerVZ sind gespenstig, man versucht, nicht aufzufallen. Das sind meistens Künstler, Überlebensmeister eben, die es schaffen, jeden Monat genug Geld zum Leben zu erwirtschaften – wie auch immer.

Und dann gibt es noch die ganz Radikalen. Das sind Menschen, denen nicht nur Teile eines Landes, wie beispielsweise der Staat, der Kapitalismus oder die Gesellschaft, auf den Senkel gehen, sondern gleich alle zusammen. Menschen, die sich weder mit dem Staat, der Globalisierung oder mit ihren Nachbarn identifizieren können. Einige sind bereits von ihrer Umgebung so geprägt, andere werden es, wie z.B. im SPIEGEL-Artikel durch Radikalisierung.

Ich vermute, die Menschen sehnen sich wieder nach etwas, an das man glauben kann. Deus Ex Machinima ist von gestern, man möchte wieder den Gott im Himmel. Denn vor dem braucht man sich ja nicht fürchten, oder? Und was, wenn die Christen wieder mit Kindesmissbrauch zu kämpfen haben? Für solche Menschen, die das Leben in einer Technologiegesellschaft ablehnen, ist der Islam wie geschaffen. Islamische Länder sind meist technologisch unterentwickelt und man lebt in einer Mischung aus antiker Siedlungsbautechnik und modernen Waffen, meist aus den Beständen alter russischer Lager.

Dafür kann man sich sicher sein, nicht überwacht zu werden (außer von amerikanischen Drohnen), keinen Streit mit der Technik zu haben und eine Gemeinschaft im Dorf zu haben. Anstatt Nachbarschaftshass in Deutschland nettes Beisammensein. Und bis auf die Akzeptanz des Islams keine Bedingungen. Ist das nicht idyllisch?

Ich finde es äußerst interessant, dass diese Möglichkeiten von den westlichen Regierungen noch nie in Betracht gezogen wurden. Dass man sich noch nicht fragte, warum trotz allem Schutz vor Hasspredigern so viele Deutsche in arabische Länder auswandern. Anscheinend ist man nicht gewillt oder nicht in der Lage, im Regierungsviertel die beiden Aspekte “Junge Menschen sind gegen das System aus Kapitalismus, Globalisierung und Überwachung” und “Junge Menschen wandern zum Islam ab” zu verbinden. Vielleicht wandern die Menschen ja ab, weil sie gegen dieses System sind, und nicht, weil sie von außen radikalisiert wurden. Mir dünkt, die Vorherrschende Vorstellung ist, dass grundsätzlich Punks und linke Autonome den ersten Aspekt und zumeist vom Leben enttäuschte und minderintelligente Menschen den zweiten Aspekt erfüllen. Doch dem ist nicht so. Intelligente und integrierte Menschen sind gegen das System, Menschen, die trotz ihrem Hass auf das System studieren und versuchen, durch Kunst und Demonstrationen ihrem Ärger Luft zu machen. Intelligente und vormals integrierte menschen sind es, die in den Islam abwandern, weil ihnen Demonstrationen nicht weit genug gehen.

Ich meine, gegen wen richtet sich der Hass der beiden Gruppen? Genau: Gegen die Inbegriffe des Kapitalismus und der Globalisierung: Amerika. Und seit neuestem anscheinend auch Deutschland.

Doch wenn die Menschen hier in Deutschland und in Afghanistan doch dasselbe Ziel haben – den Sturz des Kapitalismus, warum vereinen sie sich dann nicht sondern haben auch Angst voreinander? Diese Frage dürfte bestimmt aufgekommen sein. Doch auch hier scheint die Lösung greifbar nah: Im Islam verbinden die Dschihadisten den Kampf gegen den politischen und wirtschaftlichen Westen mit den islamischen Wertevorstellungen, und die passt eben nicht zu den meisten fortschrittlichen Kräften in Deutschland und Europa. Hier will man insgeheim noch den Nachtwächterstaat durchsetzen, um innerhalb die größtmögliche Freiheit zu erreichen, aber man kann und will sich nicht mit den Werten des Islam identifizieren müssen. Aus diesem Grunde werden auch in Zukunft vermutlich alle Bemühungen scheitern, mit dem Terrorismus etwas zu erreichen. Es fehlt der Konsens.
Und so wird es weiter Terrorismus geben, bis eines Tages vielleicht der Große Knall kommt. Doch dazu funktioniert unser System halt doch noch zu gut.


Mar 26 2010

Resumée

Hendrik Erz

Der Sommer ist ausgebrochen – die Sonne brennt vom Himmel, ich schwitze und sitze mit Sonnenbrille hinterm Steuer, aus den Boxen tönt Megadeth – Almost Honest. Und irgendwie scheint es beinahe, als sei eine neue Zeit angebrochen. In den letzten Jahren hat sich sehr viel verändert – an mir, durch mich und am Blog. So finde ich, ist es Zeit, einfach einmal ein kurzes, kleines Resumée zu ziehen, ein Fazit der vergangenen zwei Jahre. Nicht von meinem Leben, aber vom Blog. Denn irgendwie spiegelt sich mein eigenes Leben auch im Blog wieder, obwohl ich nie über private Dinge geschrieben habe.

Denn seit 2008 hat sich auch in den Themen des Blogs viel verändert. Begonnen habe ich Ende 2008. Eigentlich hatte ich zu der Zeit lediglich viel Langeweile und suchte nach Beschäftigung, und da mein Computerkonsum zu der Zeit noch die Menge an Schlaf bei Weitem überholt hatte, programmierte ich kurzerhand ein eigenes, kleines Blogsystem. Ich begann dann, zu schreiben. Ich erinnere mich noch, dass der erste Artikel nicht einmal von mir stammte, sondern von meinem damaligen Co-Autor, der mich aber kurze Zeit später wiederverlies, des Studiums wegen. Es wurde viel gebloggt über Hardware, Software und Computerspiele. Ohja, der others Blog, hochpolitisch, begann eigentlich als ein Blog von einem Menschen, der zuviel Zeit vor dem Rechner verbrachte und eigentlich kein literarisches Interesse zeigte.

Das ging allerdings nicht lange. Denn irgendwann einmal war an unserer Schule der Teufel los und ich wollte darüber bloggen. Leider hatte ich die Rechnung ohne die Schulleitung gemacht, welche diesen Blogpost erstaunlich schnell fand und mich dann zur Verantwortung zog. Kurzerhand ging der Blog das erste Mal Offline. Krisensitzung mit meinem Gewissen. Doch nach kurzer Zeit bereits wollte ich den Blog neu starten lassen, diesmal mit einem neuen System, einem neuen Design und frischer Energie. Es ging wieder um Dinge, die mich interessierten. Das waren zu der Zeit zwar immer noch IT-Themen, aber auch bereits neue Themen, Dinge, die um mich herum passierten.

Irgendwann der GAU: Unhaltbare Wellen von Spamkommentaren fluteten mein darauf nicht vorbereitetes System und kurzerhand ging ich erneut offline. Allerdings wieder für nur wenige Tage. Danach kam ich erneut wieder, mit dem dritten Design und diesmal mit dem Bloggingsystem Textpattern. Das hielt dann allerdings schon länger, und zwar bis etwa Mitte 2009. In der Zeit bloggte ich bereits wesentlich öfter und mehr über Politik, die mich seit etwa Anfang 2009 immer mehr zu interessieren begann, wobei ich hier einem guten Freund von mir danken muss, da nur er mich auf diesen Trip brachte. Ich begann auch, ab und an ein paar meiner selbstgeschossenen Fotos online zu stellen, per FlickR zu präsentieren und im Blog zu beschreiben. Ein weiteres Indiz dafür, dass meine Interessen deutlich von IT in Richtung Gesellschaft und Kunst gegangen waren.

Zu der Zeit fanden sich plötzlich auch Menschen innerhalb meiner (neuen) Schule, die es witzig fanden, mich tätlich anzugreifen, versteckt hinter Synonymen. Gut, mittlerweile sind die meisten davon erwachsen und tun’s nicht mehr, aber ein paar Unbelehrbare scheint es offebar immer noch zu geben. Jedenfalls zwangen diese und eine neuerliche Spamattacke meinen Blog das dritte Mal in die Knie. Diesmal für länger. Fast 6 Monate war der Blog offline und ich hatte ursprünglich einst beschlossen, nie wieder zu bloggen. Die Adresse behielt ich eigentlich nur, weil ich zu faul war, sie abzumelden, und als eine Art Datenserver.

Doch dann, Ende 2009 entschied ich mich erneut, wieder anzufangen. Das geschah eher spontan, und diesmal mit grundlegenden Veränderungen: Ich bloggte seitdem nicht mehr über IT oder dergleichen, sondern fast ausschließlich über gesellschaftliche Belange, Politik und ein wenig Philosophie. Außerdem schwor ich im Sommer 2009 endgültig dem PC und seinen Feinheiten ab, sondern wollte ihn nur noch als ein Mittel zum Zweck nutzen. Das äußerte sich auch daran, dass ich seitdem auf WordPress umgestiegen bin. Pure writing eben.

Und seitdem habe ich auch wieder einen Co-Autor bekommen, wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt – ChameleonHalo aka Samuel Kressner bloggt jetzt auch ab und an einmal, dafür aber weniger Politik und Gesellschaft, mehr Reviews von gesellschaftskritischen Filmen. Auch ich hab mich erneut abgekehrt, schreibe weniger über Politik, sondern analysiere mehr dieses Verhalten, warum Menschen so handeln, bin also eine Ebene der Abstraktion weiter hinauf gestiegen.

Mal sehen, wie sich diese Entwicklung fortsetzt, doch momentan finde ich diesen Zustand, in dem der Blog, meine Schreibkünste und die Themen verweilen, fast perfekt. Almost Honest.

Es gab übrigens Anfragen, die alten Blogartikel wieder online zu stellen. Ob und wie ich das mache, muss ich noch entscheiden, aber vermutlich werde ich das irgendwann handhaben, einfach weil es ein Teil der Geschichte des Blogs ist. Bilder von den verschiedenen Stadien des Blogs werden vielleicht auch noch folgen.