Jul 28 2010

Pauschalisieren – eine Volkskrankheit

Hendrik Erz

Wir leben in einem demokratischen Land, und in einem demokratischen Land braucht es Bürokratie. Denn ohne Bürokratie wären wir keine Demokratie sondern eine Oligarchie. Doch wie so oft beschwert sich das Volk über die großen Wartezeiten, überlastete Ämter und störrische Beamte. Oftmals kommen Formulare doppelt oder gar nicht, das Amt verlangt Dinge, die man bereits vor mehreren Monaten längst abgeschickt hatte und streicht wild Zuschüsse, beinahe willkürlich.
Offiziell steht der Beamtenapparat in der Politik nur sehr selten zur Diskussion – die Realität sieht ganz anders aus.

Mittlerweile ist sogar immer öfter ans Licht gekommen, dass die Agentur für Arbeit gerne zuviel als zuwenig streicht; einerseits, weil viele Menschen der Sozialschmarotzerei verdächtigt werden, was ich hier auch gar nicht bestreiten will, und andererseits, weil der Staat und damit auch die ARGE ziemlich pleite sind.
Das Problem ist hier, wie so oft, es trifft die Falschen. Immer wieder werden Menschen Zuschüsse gestrichen, die ganz brav und artig wirklich sämtliche Voraussetzungen erfüllen und ebenso brav alles melden, was zu melden ist. Andere, welche eben nicht alles melden, kassieren dementsprechend größere Summen, als ihnen eigentlich zustünde. Ehrlichkeit wird auch hier – logischerweise – bestraft. Immerhin: Warum sollte man noch mehr Geld dafür aufwenden, Sozialschmarotzer zu kassieren, wenn man ganz einfach den Ehrlichen etwas weg nehmen kann?
Der Mensch ist faul, und die ARGE macht da auch keine Ausnahme.

Doch anstatt stetig mehr Geld einzubehalten, anstatt es wirklich Bedürftigen zukommen zu lassen und stattdessen die aufgeblähte Beamtenmaschinerie abzubauen, treibt man das Spielchen nur noch weiter. So wurde jetzt ein Fall von Denunziation bekannt, bei dem ein Nachbar seine Nachbarin beim Arbeitsamt angeschwärzt hatte. Danach strömten Beamte aus, um die Beweise zu erhärten und strichen daraufhin kurzerhand sämtliche Förderungen. Denunzieren wie in den guten alten Zeiten.

Der deutsche Michel

Fest steht, dass hier die ARGE auf teilweise sehr makabere Art versucht, Geld einzusparen, doch was sind die Schlussfolgerungen, die man daraus zieht?
Der Bürgermeister erkennt hier kein Fehlverhalten und ist dementsprechend mit der Arbeit der ARGE und der Stadtverwaltung absolut zufrieden.

Cut. Andere Stadt, genauer gesagt Krefeld. Hier fordert ein SPD-Abgeordneter der Stadtverwaltung den Stopp beim Stellenabbau im Beamtenapparat.
Er begründet dies damit, dass er an der Führungsriege die hochmotivierten und -qualifizierten Arbeiter nicht verlieren will. Und das ist besonders hier in Krefeld ein typischer Fall von Kurzsichtigkeit und schizophrenem Denken.
Denn er möchte keinen Personalabbau, weil er seine Mitarbeiter für hochmotiviert und schon beinahe zu überlastet hält. Oftmals seien Mitarbeiter der Stadtverwaltung überlastet mit ihrer Arbeit und benötigten demnach eher noch Hilfe.

So, aber da kann ich gleich ein Gegenargument bringen. Vor einer Woche habe ich meinen Wagen wieder angemeldet, und bin dementsprechend zum Straßenverkehrsamt.
Dort angekommen bin ich von Beamten zu Beamten gelaufen. Einer war zuständig dafür, die Fahrzeugbriefe auszustellen, einer dafür, auf die Nummernschilder die Plaketten zu kleben, und noch einer war dafür zuständig, das alles zu kontrollieren und zu managen. Daneben gibt es genau eine einzige Kasse, ander sich regelmäßig ellenlange Schlangen bilden. Die Beamten machen oftmals Pause, reden gerne untereinander und das sogar, wenn Menschen warten.

Und solange Krefeld kein besonders schlechtes Beispiel ist, ist dies ein Muster dafür, wie kurzsichtig und schizophren Menschen an Dinge heran gehen. Vieles wird pauschalisiert. Genau wie Gesetze nur einigen Menschen helfen, und viele andere behindern, wenn sie kaum durchdacht sind, so geht dies auch im Denken der Menschen – nicht nur der Politiker – vonstatten.

Oft findet man in heutiger Zeit Fälle von “Wir haben 1000 Beamte. Die brauchen zuviel Geld.” Man sieht – absichtlich oder unbeabsichtigt – nicht, dass die ARGE überbelastet ist und das Straßenverkehrsamt (zum Beispiel) absoluten Leerlauf produziert.
Mir scheint, dass sich viele Menschen heutzutage einfach nicht mehr die Mühe machen, für ihr Geld zu arbeiten, wenn es um die Politik geht.

Viele, viele Politiker pauschalisieren – wenn ein Autofahrer Knightrider nachspielen möchte und dabei Mutter, Vater und zwei Kinder tötet, müssen alle Autofahrer bluten. Wenn ein Mensch das Sozialamt betrügt, betrügen alle mit. Wenn ein Mensch “Heil Hitler!” ruft, sind wir Deutsche alle Nazis. Wenn wir eine unbeliebte Bundeskanzlerin haben, ist gleich die gesamte Politikerschicht schlecht.

Wir leben in einer Zeit, die auf Effizienz aufbaut, und zu diesem Typ von Effizienz zählt eben auch, nicht tausende Individuen, sondern eine gleiche Masse von Menschen zu haben. Oftmals schlägt sich dies in eben diesen pauschalisierenden Aussagen oder Gesetzen nieder. Niemand macht sich mehr die Mühe, ein Gesetz anzupassen und lange zu überdenken, und das verursacht viele Missstände. Weil die Hartz-IV-Gesetze nicht individualisiert wurden, sondern nur durchgeprügelt werden sollten, bilden sich heute lange Schlangen vor den deutschen Tafeln, nur weil Hartz-IV von vielen Schmarotzern ausgenutzt wird, werden vielen Familien schlicht die Existenzgrundlagen genommen. Nur weil ein Politiker mit Kinderpornographie auf dem Handy erwischt wurde, soll ein Zensursystem geschaffen werden, um solche Seiten zu blockieren. Wobei diese Zensur sogar noch eine Ebene weiter ist.

Doch wer ist schuld an der Misere? Ich sage: Wir selbst.
Weil die Politik nicht mehr fürs Volk, sondern nur noch gegeneinander arbeitet, müssen die Parteien teilweise wirklich gute Gesetze (Ja, auch Bologna und Agenda 2010 hätten wirklich gut werden können) beschneiden, kastrieren und entschärfen, nur damit die unliebsame Opposition dem zustimmt und man am Ende der Legislaturperiode etwas vorweisen kann. Nur, weil die Politik gegeneinander und für die Wirtschaftslobby arbeitet, nur weil die Politik ihren Regierungsgrundsatz aus den Augen verloren hat, nur deswegen kommen solche Gesetze zustande, werden nicht geblockt und kommen durch, obwohl ein Großteil des Volkes unzufrieden ist.

Und was machen wir? Nichts. Wir schlucken viel zu viele unnötige Reformen, und erst, wenn wir selber wirklich betroffen sind, weil wir beispielsweise den Job verlieren und auf Hartz-IV angewiesen sind, werden wir aktiv und bemängeln das System mal offensiv. Deutschland ist ein Land von passiven, resignierten Menschen, die alles so lange unterstützen, wie sie selbst nicht (offensichtlich) betroffen sind. Der Deutsche kann verdammt gut abstrahieren, sich selbst aus dem Geschehen hinaus projizieren und dann die anderen denunzieren.

Aber ob das in anderen Ländern besser ist? Ich vermute nicht. Wir Deutschen sind schon ein merkwürdiges Volk, aber ich glaube, auch in den ach so hoch gelobten Ländern wie Schweden, Finnland und Dänemark gibt es genügend soziale Missstände, doch dafür fehlt mir hier die Vergleichsgrundlage.

Um so etwas zu verbessern, müssen wir eben selbst Hand anlegen. Und das geht am besten, wenn man solche kleinen Regionalpolitiker wie Herrn Frank Meyer in Krefeld einmal von seiner Kurzsichtigkeit überzeugt. Denn im Kleinen fängt es an. Aber (Selbst-)Kritik steht ja niemandem gut.
Mal sehen, was noch alles passiert, bevor so viele Menschen wirklich betroffen sind und die Augen demnach nicht mehr abwenden können, dass etwas passiert.
Doch dann kommt das nächste Problem: Deutsche haben auch Probleme damit, sich untereinander zu großen Gruppen zusammenzuschließen und nicht gegeneinander für das selbe Ziel zu arbeiten.


Apr 12 2010

“Einmal Afghane bitte. Macht 100$”

Hendrik Erz

Diese Meldung geisterte die letzten Tage über zu Hauf durch Radio, TV und Internet: “Hinterhalt bei Kunduz! Taliban eröffnen Feuer und töten drei Bundeswehrsoldaten!”. Schock. Eine ganze Nation in der Starre – wie konnte das passieren? Eigene Menschen tot!

Sofort werden Forderungen laut. Einige Offiziere bemängeln die zu schlechte Ausbildung der Truppen, oder aber auch, dass die Ausrüstung in Afghanistan nicht gut genug sei. Diverse Politiker forderten gar Leopard 2-Kampfpanzer für die Bundeswehr, mancher ging noch weiter und forderte gar Kampfhubschrauber. Jeder, der sich einmal ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt hat, weiß, wie sündhaft teuer dieses Kriegsgerät ist. Doch nicht nur das bemängelte man, die Regierungsopposition nutzte diese Gelegenheit gleich, um wieder den Abzug aus Afghanistan zu fordern, was die Regierung abwiegelte. Man bleibe. Ob man zu dem Zeitpunkt daran dachte, dass der Abzug aus Afghanistan eigentlich schon nächstes Jahr geplant war, vor langer, langer Zeit?

Doch ich will mich gar nicht mehr darüber aufregen, dass wir überhaupt in Afghanistan sind und die Putzkräfte der Amerikaner mimen, beim Versuch die von den USA ausgebildete Taliban aus dem Land zu tilgen. Die Taliban – zur Erinnerung – sind ein ehemaliges Sonderkommando der USA, ausgebildet von hochrangigen Offizieren der CIA, um das damalige russische Regime aus dem Land zu treiben. Die USA mochten die Russen nicht, und die Afghanen selbst waren auch nicht zufrieden damit. Also entschloss man sich, das Angebot der USA anzunehmen, und so kämpfte die Taliban, damals noch Mudschaheddin genannt, dann unter Schirmherrschaft der USA jahrelang gegen die Russen – bis sie endlich aus dem Land waren. Doch danach suchten die ausschließlich auf Krieg trainierten Afghanen eine neue Aufgabe – die fanden sie in der Bekämpfung von sich selbst. Und dem US-Freundlichem Regime, was nach dem Abzug der Russen eingesetzt wurde.

Das Ergebnis: Heute sind dutzende Staaten mit diversen Truppen in Afghanistan stationiert, und versuchen, die Taliban im Zaum zu halten – erfolglos. Und jetzt hat dieser schon seit Jahren anhaltende Kampf genau drei Bundeswehrsoldaten mehr gefordert. Und die zivilen Opfer? Die beliefen sich bereits 2008 auf über eine Million Menschen. Wer fragt nach den Toten Afghanen?
Die USA bieten zwar eine gewisse Geldsumme – wie bereits im Titel geschrieben genau 100$ – pro toten Afghanen an die Familie. Anders könnten die USA es bestimmt nicht bezahlen. Denn insgesamt sind die USA nach Adam Riese schon 100 Millionen US$ nur für Opferentschädigungen losgeworden – und das bei diesem Hungerlohn. Es ist doch beinahe eine Farce gegenüber den Hinterbliebenen. Und dass die zivilen Opfer teilweise auch ganz bewusst “erzeugt” werden, beweisen die Helikoptervideos, die vor kurzem auf Wikileaks veröffentlicht wurden.

Es scheint ganz so, als zähle man afghanische Opfer bei weitem nicht so hoch, wie Amerikanische oder auch Deutsche. Das bis heute wohl prominenteste Beispiel für genau diese Abart der Westmächte ist der Krieg in Somalia. 1991 versuchten nämlich die US-Marines in der Hauptstadt des Landes, Mogadischu, den wichtigsten Warlord der Gegend zu fassen. Bei den anschließenden Gefechten, die bis zum nächsten Morgen andauerten, verloren 19 US-Marines und über 1.000 Somalis ihr Leben. Und die letzte Zahl ist nur geschätzt.
Seit dem Tag sind die USA wesentlich vorsichtiger geworden mit Infanterieeinsätzen, sogar im Kosovokrieg wurde zuerst das schwere Gerät vorgeschickt, bis die Infanteristen nachrücken durften.

In westlichen Staaten muss natürlich die Zahl der eigenen Opfer extrem gering gehalten werden – jedes Opfer senkt die politische Stimmung im Land, doch ist das gleich ein Grund, die Leben der “Feinde” so herabzustufen? Ist es gleich ein Recht, die Bevölkerung dieser Länder als Zielscheiben zu missbrauchen?
Ich finde es eine Unverschämtheit – sowohl von den USA, als auch von Deutschland und von allen anderen beteiligten Ländern, das Leben der eigenen Leute so ungemein über das, der anderen zu stellen. Und, sie Postmorten noch derart unwürdig zu behandeln. Ich finde es menschenrechtlich nicht mehr nur bedenklich, was sich hier Regierung und aber auch die Soldaten leisten. Denn auch die Soldaten fügen ihren Teil der Suppe bei.

Ich erinnere nur an die Misshandlung in den Bagdader Gefängnissen, die amerikanische Soldaten mit wehrlosen irakischen Gefangenen durchführten. Und wenn ich einmal zurückschaue, was die Westmächte den Menschen in afrikanischen und arabischen Ländern bereits alles angetan haben, finde ich wieder eine Erklärung für den angestiegenen Terrorismus und gleichzeitig muss ich feststellen, dass unsere Menschenrechte, die Genfer Konvention und die Haager Landkriegsverordnung im Grunde nichtig sind. Denn wenn sich eine komplette 1. Welt nicht an diese Grundgedanken halten kann oder will, obwohl sie selbst von ihren Bürgern verlangt, moralisch genau so zu denken, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wie kann es sein, dass die Menschen sich so ein dickes Gesetzeswerk zur Verhinderung von ehrlosen Misshandlungen anschaffen, und dieses dann genauso gekonnt ignorieren?

Mir kommt es vor, als seien die mühsam erarbeiteten und mit viel unschuldigem Blut erkämpften Menschenrechte jetzt auf demselben Stand der Bibel. Und dennoch werden die dafür Gestorbenen nicht wie Jesus behandelt, sondern wie ein “Afghane”.


Apr 5 2010

Ein Leben in Freiheit? Warum Menschen auf zwei Arten gegen das System sind.

Hendrik Erz

Seit etlichen Jahrtausenden gibt es Terrorismus. Der Terror ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Seitdem es Siedlungen gibt, gibt es immer wieder Menschen, die genau diese Siedlungen angreifen. Auch im 21. Jahrhundert ist diese Bedrohung so akut wie eh und je. Doch die Theorien, wie und warum, ändern sich. Früher waren Anschläge meist politisch begründet. Man wollte unliebsame Feinde loswerden, beispielsweise im Kaiserreich Rom. Im Mittelalter war es genauso. Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sieht eben immer saftiger aus, als das eigene.

Doch im 21. Jahrhundert hat sich die Art des Terrorismus gewandelt. Zwar bleibt der Grund gleich – Politik, aber die Umstände haben sich geändert. Heute morden nicht mehr Menschen im Auftrag eines ranghohen Politikers andere Politiker, heute morden regelrechte Organisationen scheinbar wahllos. Es gibt mehr Kollateralschäden, Terrorismus ist nicht mehr “sauber”. Doch warum gibt es so etwas?

Der Artikel “Terrorismus: Die dritte Generation” hat mich auf eine Idee gebracht. Denn in Zeiten globaler Überwachung, in Zeiten von Social Networks und dieser rasend schnellen Technologisierung entsteht nicht nur eine Schere zwischen Arm und Reich, nicht nur zwischen links und rechts und nicht nur zwischen Welt und Glauben. Sondern auch in den Wertevorstellungen. Die einen Menschen ziehen ein Leben mit viel Technik, Luxus und dem neuesten Schnickschnack vor. Solche Leute machen meist Karriere und bekommen einen Bürojob, viel Geld und machen viel Urlaub.
Die anderen Menschen zieht es zu einem Leben in technischer Armut. Facebook und SchuelerVZ sind gespenstig, man versucht, nicht aufzufallen. Das sind meistens Künstler, Überlebensmeister eben, die es schaffen, jeden Monat genug Geld zum Leben zu erwirtschaften – wie auch immer.

Und dann gibt es noch die ganz Radikalen. Das sind Menschen, denen nicht nur Teile eines Landes, wie beispielsweise der Staat, der Kapitalismus oder die Gesellschaft, auf den Senkel gehen, sondern gleich alle zusammen. Menschen, die sich weder mit dem Staat, der Globalisierung oder mit ihren Nachbarn identifizieren können. Einige sind bereits von ihrer Umgebung so geprägt, andere werden es, wie z.B. im SPIEGEL-Artikel durch Radikalisierung.

Ich vermute, die Menschen sehnen sich wieder nach etwas, an das man glauben kann. Deus Ex Machinima ist von gestern, man möchte wieder den Gott im Himmel. Denn vor dem braucht man sich ja nicht fürchten, oder? Und was, wenn die Christen wieder mit Kindesmissbrauch zu kämpfen haben? Für solche Menschen, die das Leben in einer Technologiegesellschaft ablehnen, ist der Islam wie geschaffen. Islamische Länder sind meist technologisch unterentwickelt und man lebt in einer Mischung aus antiker Siedlungsbautechnik und modernen Waffen, meist aus den Beständen alter russischer Lager.

Dafür kann man sich sicher sein, nicht überwacht zu werden (außer von amerikanischen Drohnen), keinen Streit mit der Technik zu haben und eine Gemeinschaft im Dorf zu haben. Anstatt Nachbarschaftshass in Deutschland nettes Beisammensein. Und bis auf die Akzeptanz des Islams keine Bedingungen. Ist das nicht idyllisch?

Ich finde es äußerst interessant, dass diese Möglichkeiten von den westlichen Regierungen noch nie in Betracht gezogen wurden. Dass man sich noch nicht fragte, warum trotz allem Schutz vor Hasspredigern so viele Deutsche in arabische Länder auswandern. Anscheinend ist man nicht gewillt oder nicht in der Lage, im Regierungsviertel die beiden Aspekte “Junge Menschen sind gegen das System aus Kapitalismus, Globalisierung und Überwachung” und “Junge Menschen wandern zum Islam ab” zu verbinden. Vielleicht wandern die Menschen ja ab, weil sie gegen dieses System sind, und nicht, weil sie von außen radikalisiert wurden. Mir dünkt, die Vorherrschende Vorstellung ist, dass grundsätzlich Punks und linke Autonome den ersten Aspekt und zumeist vom Leben enttäuschte und minderintelligente Menschen den zweiten Aspekt erfüllen. Doch dem ist nicht so. Intelligente und integrierte Menschen sind gegen das System, Menschen, die trotz ihrem Hass auf das System studieren und versuchen, durch Kunst und Demonstrationen ihrem Ärger Luft zu machen. Intelligente und vormals integrierte menschen sind es, die in den Islam abwandern, weil ihnen Demonstrationen nicht weit genug gehen.

Ich meine, gegen wen richtet sich der Hass der beiden Gruppen? Genau: Gegen die Inbegriffe des Kapitalismus und der Globalisierung: Amerika. Und seit neuestem anscheinend auch Deutschland.

Doch wenn die Menschen hier in Deutschland und in Afghanistan doch dasselbe Ziel haben – den Sturz des Kapitalismus, warum vereinen sie sich dann nicht sondern haben auch Angst voreinander? Diese Frage dürfte bestimmt aufgekommen sein. Doch auch hier scheint die Lösung greifbar nah: Im Islam verbinden die Dschihadisten den Kampf gegen den politischen und wirtschaftlichen Westen mit den islamischen Wertevorstellungen, und die passt eben nicht zu den meisten fortschrittlichen Kräften in Deutschland und Europa. Hier will man insgeheim noch den Nachtwächterstaat durchsetzen, um innerhalb die größtmögliche Freiheit zu erreichen, aber man kann und will sich nicht mit den Werten des Islam identifizieren müssen. Aus diesem Grunde werden auch in Zukunft vermutlich alle Bemühungen scheitern, mit dem Terrorismus etwas zu erreichen. Es fehlt der Konsens.
Und so wird es weiter Terrorismus geben, bis eines Tages vielleicht der Große Knall kommt. Doch dazu funktioniert unser System halt doch noch zu gut.


Mar 12 2010

Wandel der Moral, oder: Der Weg zur Matschkultur

Hendrik Erz

In den Jahren nach der Gründung der Bundesrepublik war der Deutsche wieder bedacht auf Fortschritt. Marshall-Plan und Westintegration taten ihr übriges dazu, dass die Deutschen fasziniert auf den Fortschritt, auf die Ideen aus dem freien Amerika, schauten. Man begrüßte jede neue Mode, man begrüßte Mc Donald’s, man begrüßte Coca-Cola. Und das nur, weil Amerika als Ursprung des Kapitalismus, bzw. als dessen bester Vertreter auf Erden, ansah und dank dem Marshallplan und den damit verbundenen Verbesserungen der Meinung war, dass der Kapitalismus dem Sozialismus weit überlegen war.

Doch auch heute, bzw. wieder heute, wo die meisten Deutschen nicht mehr so begeistert von Amerika sind, wie einst, gibt es einen Trend zur Amerikanisierung. Alles, was jetzt noch nicht amerikanisiert ist, muss es werden. Und so geht das ganze auch mit dem Datenschutz. Denn just in den aktuellen Tagen empören sich Datenschützer allerorts um das “Zugangserschwerungsgesetz” und – ganz neu – die Ortungsdienste der amerikanischen Internetunternehmen. Mit ihnen wird es möglich, jede Person anhand ihres Handys zu orten und genau zu sagen, wann eine Person wo ist bzw. war.

Der SPIEGEL hat neulich diesbezüglich einen interessanten Artikel veröffentlicht, in dem es auch um den Wandel der Gewohnheiten ging. Darum, dass man zwar früher das Handy auch verteufelte, aber heute das gleiche auch zu Twitter und co sagt. Heute sagen die Datenschützer genau wie damals, dass diese neuen Technologien, diese neuen Trends unsere Privatsphäre weiter einschränken.

Sicher, das tun sie. Seit Facebook, SchuelerVZ und den ganzen damals aus dem Boden geschossenen Social Networks und der damit verbundenen Veröffentlichung privatester Daten, liefen schon Millionen Datenschützer Sturm. Es sei eine Selbstoffenbarung im Internet und von nicht zu unterschäzender Gefahr. Das sagen sie auch heute – noch. Denn nachdem zuerst viele Stimmen laut wurden, wie schlimm doch das ganze mit den Social Networks sei und wie sehr das doch auch Menschen mit bösen Absichten, seien es Pädophile, Sexualstraftäter oder einfach Räuber, helfe, ihre Opfer genauer unter die Lupe zu nehmen, bevor sie loslegen, werden diese Stimmen heute nicht mehr laut. In den meisten Fällen lässt man sie als uninteressant links liegen, manchmal unterdrückt man sie gar, doch wirklich auf fruchtbaren Boden werden diese Datenschützer nicht mehr gelangen.

Genau dasselbe war es doch damals, zu Zeiten der RAF, als die Bundesregierung zum Ergreifen der Täter die Freiheit der Bürger durch spezielle erlassene Gesetze stark einschränkte, um die RAF hochgehen zu lassen. Und genau dasselbe ist es jetzt wegen der Ortungsdienste. Datenschützer sagen “stop” und wollen nicht weiter gehen, die Konzerne geben grünes Licht und die Regierung beobachtet mit Argwohn. Doch in ein paar Jahren wird das mit den Ortungsdiensten normal sein. Genau wie die neuen RAF-Gesetze damals. Genau wie die Handys.

Doch woran liegt es, dass die ganze Welt nach anfänglichen Bedenken so bedenkenlos private Daten veröffentlicht?

Nun, auf der einen Seite liegt es sicher am Utilitarismus, der vom SPIEGEL angesprochen wird, daran, dass es einfach nützlich ist und man es deshalb haben will. Doch ich denke, dass es nicht nur der ist, der da mitspielt. Denn welcher vernünftige Mensch würde so leichtfertig ein wenig fragwürdigen Nutzen gegen seine eigene Privatsphäre eintauschen?

Das Problem liegt hier in etwas ganz anderem. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ein paar Eigenschaften machen es den Erfindern leicht, ihre Ideen schnell an den Mann zu bringen:

  • Der Mensch ist faul. Das bedeutet, alles, was ihm den Alltag erleichtert, heißt er gut, egal wie gut oder schlecht es für seine Privatsphäre ist.
  • Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn man sich erst einmal an etwas neues, unbekanntes, welches ja grundsätzlich im Gehirn mit Ängsten verknüpft wird, gewöhnt hat, erscheint es freundlich, man beginnt, es zu mögen. So eine Art Stockholm-Syndrom der modernen Zeit.
  • Der Mensch will nicht nachdenken. Besonders Ortungsdienste ersparen dem Menschen Denkarbeit. Statt nachzudenken, was die betreffende Person denn jetzt gerade tun könnte, statt nachzudenken, warum man sie nicht erreichen kann, schaut man bezüglich dieser Ortungsdienste einfach schnell aufs Handy und weiß, was los ist.

Diese Aspekte und bestimmt noch ein ganzer Sack voll mehr sorgen dafür, dass der Mensch jede dieser noch so fragwürdigen kleinen Gadgets akzeptieren wird und der Mensch sich selbst gläsern macht. Denn, und das ist der Witz an der Sache, der Mensch wird nicht gläsern gemacht, er macht sich selbst, vollkommen bewusst und freiwillig gläsern. Denn jede bedenkliche Neuerung bezüglich des Datenschutzes müsste nicht so zu einem Hype werden, wenn der Mensch nur nicht so faul wäre. Doch genau das ist das Problem: So etwas neues wird schnell zu einem Hype erklärt, auch vom Menschen selbst, wenn die Erfinder den Wolf im Schafspelz präsentieren.

Und das ganze führt ganz allmählich zu einem Wandel der Moral. Genau wie bei der ’68er-Bewegung findet auch hier dieser Wandel statt, und man akzeptiert Dinge, die man vorher für absolut verwerflich gehalten hat. Ich meine, klar, es ist eine Art von Fortschritt und Fortschritt muss a) sein und kann b) nicht verhindert werden, doch meiner Meinung nach sollte man etwas vorsichtiger in dem Umgang mit so etwas sein. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Sozialem und Technik.

Technischer Fortschritt ist unaufhaltsam und wird uns irgendwann vermutlich zu einer Welt voller Raumfahrer machen, Menschen, die vielleicht die Galaxis beherrschen. Möglichkeiten, wie das aussehen kann, gibt es zur Genüge. Falls gerade nichts präsent ist, sollte ein Blick ins Fernsehen reichen.

Doch Sozialer Fortschritt sieht meiner Meinung nach anders aus, als das, was wir momentan haben. Das, was ich zu diesem Thema beizutragen habe, dürfte auch noch für eine ganze Reihe von Artikeln reichen, doch knapp zusammengefasst sind die momentanen Hauptströme Globalisierung, Multikulturalismus und öffentliche Entblößung Wegweiser zu einer “Matschgesellschaft”, in der es keine einzigartigen Kulturen mehr gibt, sondern nur eine einzige Standardgesellschaft, bestehend aus nur gleichen Menschen ohne wirkliche Eigenheiten. Und wie das wiederum aussehen kann, hat uns eine Southpark-Folge gezeigt, in der ein Mensch aus der Zukunft auf die Erde kommt. Wer nicht weiß, von wem ich rede, der sei auf die Folge 806 – Goobacks (“Immigranten aus der Zukunft”) verwiesen.

An Zukunftsvisionen mangelt uns schließlich nicht, und obwohl ich zugeben muss, dass viele davon pure Fantasie sind, so treffen einige doch durchaus eine Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden sollte. Und meiner Meinung nach sollten sich die Menschen mal mehr auf ihre Moral besinnen, mehr auf das, was sie selbst immer mehr entblößt. Es sei denn, mehr als 50% der Weltbevölkerung stimmen dafür, alte Kulturen, Bräuche, Traditionen, Sprachen und individuelle Eigenheiten der Völker einfach zu verbannen und eine Einheitskultur zu erschaffen. Aber wie war das gleich? Wenn Millionen Menschen eine Dummheit erzählen, bleibt es immer noch eine Dummheit…

Zitate von damals, irgendwo sind sie doch verdammt klug. Und warum sind die meisten Zitate nur schon so alt, hm? Wenn das eure Urgroßeltern wüssten! Aber nun gut, sich drüber aufregen, dass die Welt so kaputt ist, bringt nun einmal leider nichts, also kann ich hier nur die Aufforderung loslassen, denkt darüber nach, was ihr tut. Denkt darüber nach, ob ihr eine Einheitskultur wollt, oder ob ihr so ein paar Individualitäten schützen wollt.


Mar 2 2010

Sprachskepsis – Der Weg zur Sprachlosigkeit

Hendrik Erz

Der Begriff der Sprachnot dürfte vielen etwas merkwürdig oder gar unverständlich vorkommen. Es ist ein Begriff, der eigentlich schon Anfang des letzten Jahrhunderts geprägt wurde, von Hugo von Hoffmannsthal, um genau zu sein. Es ist ein Begriff, der andeutet, dass dem Menschen die Fähigkeit der Sprache mehr und mehr abhanden kommt. Die Sprachnot betrachtet also ein Teilgebiet der Sprachforschung, in dem die Wahrheit der Worte hinterfragt wird und in welchem es zum Zusammenstoß der Definition von Sprache und Realität kommt.

Anfang des letzten Jahrhunderts also schrieb von Hoffmannsthal “Ein[en] Brief”, das wohl bekannteste literarische Werk dieses Zeitgenossen, welches sogar eine nicht unbeachtliche Einordnung in der Wikipedia erhalten hat. In diesem Text schreibt ein fiktiver Lord Chandos an eine weitere fiktive Person einen Brief, in der er schildert, wie er nach und nach nur einzelne Worte, später ganze Themengebiete und dann gar nichts mehr diskutieren kann, nicht mehr sprechen kann. Ungeachtet des Paradoxons, dass er hier alles, was er nicht mehr sprechen kann, dennoch sehr gut in Worte fassen kann, zielt dieser Brief darauf ab, dass die Literatur vor die Hunde geht. Der Brief soll ausdrücken, dass die Funktion der Sprache diese nicht mehr erfüllen kann, mit Sprache kann man nicht mehr auszudrücken, was in der Wirklichkeit vonstatten geht. In Weiterführung begründen dies viele Autoren mit Begriffsdefinitionsänderungen durch bspw. den Nationalsozialismus (Man denke z.B. an die Worte “Arier”, “Arbeit” und “Jude”, welche durch den Nationalsozialismus arg in ihrer Wirkung verdreht wurden) und einige gehen auf die philosophische Ebene, dass sie Gedanken mit Sprache vergleichen und erklären, dass es auch Dinge gibt, die zwar da sind, die man aber nicht erklären kann.

Doch nur wenige Jahrzehnte zuvor war man noch anderer Meinung, einige Philosophen erklärten, dass man nichts denken könne, was man nicht auch durch Sprache ausdrücken könne. Sie gingen gar so weit, zu behaupten, es gäbe nichts, was man nicht durch Sprache ausdrücken könnte. Doch die Sprachskepsis bietet ein neues philosophisches Törchen auf dem Weg in eine bessere Welt.

Denn die Sprachskeptiker sagen, dass man einige Dinge nicht ausdrücken kann, z.B. Emotionen, bestimmte Situationen, die berühmten Momente, denen keine tausend Worte gewahr werden. Zum Beispiel kann man einfach nicht in jemandem dieses Gefühl auslösen, im Sonnenuntergang zu sitzen, der Sonne beim Untergehen zuzusehen und zu entspannen. Man kann es in Worte fassen wie man mag, aber wirklich fassen kann man es nicht. Und so ist auch meine Meinung.

Doch es gibt einige Sprachskeptiker, die scheinen das Gebiet zu nutzen als Entschuldigung für Kreativitätslosigkeit. Sie begründen nämlich damit, dass ein Verfall der Literatur zu beklagen sei, dass Romane also immer einfacher gehalten werden, dass Bücher immer weniger sprachlichen Tiefgang haben, dass es unmöglich sei, wirklich tiefgründige Abhandlungen zu schreiben, da dem Menschen ja das Konstrukt der Sprache verloren geht.

Doch wie bereits Georg Klein in Anlehnung an “Ein Brief” schrieb, scheinen sich einige Literaten ihre Position zu sehr zu Herzen genommen zu haben und übertreiben es ein wenig mit ihrer Vordenkerstellung.

Doch wie kommt diese Sprachskepsis überhaupt zustande?

Einfach gesehen kommt sie durch den übermäßigen Einsatz von Sprache zustande, dass man zu oft bestimmte Wörter verwendet. Denn je öfter man ein Wort vor sich hin spricht, desto mehr versucht man, hinter dessen eigentliche Bedeutung zu kommen, hinter dessen Ursprung und was es eigentlich hieß.

Und nun stelle sich wer vor, man versucht sämtliche literarischen Stile durch und versucht, sich und seine Sprache bei jedem mal zu verändern, eine andere Wirkung zu verursachen. Irgendwann scheint man an eine Mauer zu stoßen. Und diese Mauer scheint einem sagen zu wollen “Es gab schon alles einmal!”. Doch ganz ehrlich – wenn man weitermacht, kommt man irgendwann auch an einen Punkt, an dem man wieder ganz normal sprechen/schreiben kann.

Die Sprachskeptiker vom Anfang des Jahrhunderts sind an dem Punkt stehen geblieben, aber viele Leute sind weiter gegangen und wieder am Anfang, wo die Sprache noch gut war, angekommen. Problem gelöst?

Nun, sehen wir es so – die Sprachskepsis hat durchaus ihren Sinn, wie gesagt, Emotionen auszudrücken vermag die Sprache nicht. Dazu bedarf es anderer, neuer Worte, die aber auch schon im Kindesalter mit diesen Emotionen verbunden werden müssen, wenn das überhaupt geht.

Aber die Sprachskeptiker des 20. Jahrhunderts haben es – wie gesagt – übertrieben. Denn das man nicht mehr sprechen könne, ist relativ unwahrscheinlich. Aber philosophisch übertragen war ihr Standpunkt durchaus zu verstehen. Vielleicht kann man das alles aber auch mit Trivialliteratur begründen. Wer weiß das schon?


Feb 1 2010

Warum die deutsche Bildung so entgleist

Hendrik Erz

Seit Jahrhunderten predigen deutsche Studenten für bessere Bildung. Bereits mit der 48er-Revolution im März des Jahres 1848 stießen diese Proteste deutscher Studenten, damals noch gepaart mit dem Wunsch nach Presse- und Meinungsfreiheit, das erste mal massiv an die Öffentlichkeit. Damals war die Spitze das Hambacher Fest, bei welchem viele bekannte Persönlichkeiten Reden über ein besseres Deutschland, über den Liberalismus und die Aufklärung gehalten haben. Und die Bildung sollte sich bessern. Zwar nicht sofort, aber mit dem Ende der Kleinstaaterei und dem Beginn des Bismarck-Staates 1870 begann nach und nach eine stille Revolution im Schulwesen, die sich bis in die heutige Zeit voransetzte. Aber das Problem Bildung blieb bestehen. Zwar räumte man den Schülern wesentliche Vorteile ein, und bot bessere Studienmöglichkeiten und mehr Schulen. Es gab die Schulpflicht, Schulbesuche wurden kostenlos und das Züchtigungsgebot der Lehrer wurde abgeschafft, man setzt auf moderne Erkenntnisse in der Lernforschung und macht Unterricht effizienter.

Aber soviel man den Studenten auch gab, da die Deutsche Politik seit Jeher immer nur eine Politik des Aufbaus gewesen ist – nach den napoleonischen Kriegen und zwei verlorenen Weltkriegen, die allesamt immer in totaler Zerstörung der Infrastruktur endeten, brauchte man eben Wirtschaftswachstum und den Aufstieg – hat man Universitäten eröffnet, bestehende gefördert und die Schulen verstärkt gebaut. Aber es wurde nicht erhalten. Seitdem die Schulen existieren waren sie auf gut Deutsch dem Untergang geweiht. Nur selten bekam eine Schule einmal eine Sanierung spendiert, die wenigsten Schulen älter als 10 Jahre sehen heute noch ansehnlich aus. Sie sind herunter gekommen und die Witterung macht sich enorm an ihnen zu schaffen, man kann den Schulen beinahe wie an Bäumen die Jahresringe ablesen.

Und somit wurden die Wünsche der Studenten zwar erfüllt, aber man kümmerte sich nicht weiter drum. Nachdem die Studentenproteste abklangen, sah man keine Notwendigkeit mehr darin, in die Bildung zu investieren. Und obwohl vielerorts gegenteiliges behauptet wird, ist dies heute immer noch so. Die Politik scheint sich einen Dreck um ihre Nachfolgegeneration zu kümmern. “Nach mir die Sintflut”.

An den Schulen sieht man die Misere: Teilweise werden Fernseher aus den 60ern verwendet, es fehlt an Lehrmaterialien, Räumen, Infrastruktur und – ganz extrem – an Lehrern. Die Ausbildung zum Lehrer ist bis auf die Referendarzeit pure Theorie und viel Zettelwirtschaft, vielen Studenten wird der Spaß am Lehrersein systematisch zerstört. Beinahe, als ginge es nach dem Motto “Schule darf keinen Spaß machen, Schule ist Ernst!”. Beispielsweise las ich einmal einen Artikel über das Musiklehrer-Studium. So wurde das gesamte Studium auf theoretischen Problemen aufgebaut und innerhalb eines ganzen Studiums wurde nicht einmal wirklich ausgiebig Musik gemacht, sondern nur grundlegende Dinge, welche man in der Schule eben lehren solle, wurden vertiefend besprochen. Dadurch fehlt vielen Musiklehrern nach ihrem bestandenen Staatsexamen auch jede Lust an der Musik. Und diese Unlust geben sie an ihre Schüler weiter, die ihrerseits kaum noch Spaß an der Musik haben.

Aber so geht es auch nicht nur den Musiklehrern, in anderen Fakultäten ist es doch genauso. Der deutschen Bildung mangelt es an essentiellen Gebieten, aber anstatt es zu bessern, bekommen wir Bildungsminister(innen), respektive Frau Sommer und Schavan, welche sich regelmäßig selbst zur Zielscheibe der Studentenbewegungen machen.

Frau Sommer, ihres Zeichens Bildungsministerin in Nordrhein-Westfahlen, z.B. kämpft seit seiner Einführung mit den Tücken des Zentralabiturs und muss ihren Kopf her halten für misslungene Abiturprüfungen (Für die Lektüre sei hier der “Oktaeder des Grauens” empfohlen) herhalten, für Probleme an den Schulen, die “Stauseen”, wie z.B. an der Uni Duisburg-Essen und muss dafür sorgen, dass ganze Generationen an Schülern nicht einfach ohne Bildung auf die Straße gesetzt werden. Denn besonders seit Einführung des Zentralabiturs sind die Schulen regelmäßig derart überlastet, dass die Stundenpläne von Siebtklässlern teilweise wesentlich krasser ausfallen als Stundenpläne von Nicht-G8-Schülern aus der 11. Klasse. Und genau darin liegt das Problem. Die letzten Nicht-G8-Jahrgänge in Nordrhein-Westfahlen haben zwar keine Probleme, aber wenn die siebte Klasse bereits Unterricht während der Pausen macht und der Anspruch auf Fünfminutenpausen gestrichen wird, lässt das tief blicken.

Denn einerseits liefern solche Aktionen die Argumente dafür, dass die Schulen überlastet sind, die Lehrpläne des Kultusministeriums umzusetzen, und andererseits dafür, dass die Schulen machtlos sind und nichts weiter tun können, als mit dem Abdeckstift über die Akne zu fahren.

Das große Problem der Länder ist, dass Bildung Ländersache ist. Und zwar nur Ländersache. Das ist auf der einen Seite zwar eine gute Idee, da dadurch die Vergleichbarkeit von Abschlüssen innerhalb des Landes enorm ist, aber auf der anderen Seite ist das verhängnisvoll für die Schüler. Denn ich meine mich erinnern zu können, dass ich einmal über G8 geschrieben hatte, dass die schwachen Schüler durch das Raster fallen, und die besonders guten auf das Durchschnittsniveau gedrückt werden.

Und ein weiteres Problem ist, dass das Kultusministerium mit Männern und Frauen besetzt ist, welche bereits seit 20 Jahren keine Schule mehr von Innen gesehen haben. Sie wissen verständlicherweise nicht mehr bescheid über aktuelle Bedingungen an den Schulen und können keine wirklich hilfreichen Lehrpläne mehr gestalten. Sie können zwar Vorgaben machen, aber ob diese überhaupt durchführbar sind – das ist dann keine Ländersache mehr. Das ist Schulsache. Und das führt dann zum Abdeckstift respektive durchgängiger Unterricht – bei einigen Schulen sogar durch die 15-Minuten-Pausen hindurch.

Und Frau Sommer nun obliegt die Kontrolle über die Kommunikation zwischen Kultusministerium und Schulen. Da wundert es nicht, wenn die liebe Frau oft überfordert ist und nicht mehr beide Seiten gleichermaßen mit nötigen Informationen versorgen kann, wie das ganze denn nun gehandhabt werden solle.

Frau Schavan muss aber ebenso misslungene Gesetze ausbaden, wie Frau Sommer. Sagt sie. In einem Interview vor kurzem für den SPIEGEL redet sie viel. Über Stipendien und den Bologna-Prozess. Was sie natürlich ganz anders gemacht hätte. Aber leider wurde der Bologna-Prozess von ihrer Vorgängerin Bulmahn initiiert, sodass sie machtlos war und nun nur noch mit dem Abdeckstift unterwegs ist. So will sie das Stipendiensystem verändern. Sie plant, weitere Stipendien für die angehenden Studenten bereit zu stellen, je zur Hälfte von Staat und Wirtschaft gezahlt, welche außer den schulischen auch politische und soziale Leistungen berücksichtigen sollen. Auf die Frage hin, warum man mit genau demselben Geld das BAFöG nicht noch einmal um 10% erhöht, um die Möglichkeiten für alle Schüler gleich zu halten, wiegelt sie ab, das BAFöG solle doch erhöht werden und wurde bereits 2008 erhöht.

Und so geht sie weiter und greift den Bologna-Prozess auf. Dieser werde von vielen Studenten begrüßt und müsse lediglich noch verbessert werden. Sie redet um den heißen Brei herum, merkt aber gleichzeitig nicht, wie sie einen Rassismus oberster Güte propagiert. Laut ihr soll eine Elite gefördert werden und der ganze Rest, welcher laut seiner Leistungen eben nicht für ein Stipendium in Frage kommt, was mit dem geschieht, darüber redet sie nicht. Immer wieder geht sie nur darauf ein, wie sehr Leistung honoriert werden solle. Zum geflügelten Wort wird ihr Leitsatz “Es gibt kein gerechteres Kriterium als Leistung”. Und so schwärmt sie nahezu von leistungsstarken Studenten, also der zukünftigen Elite und verliert kein Wort über schwächere Studenten, die einfach ein Studium haben möchten, um überhaupt noch im Arbeitsmarkt aktiv werden zu können.

Denn auf der einen Seite kann ich die Argumentation der Frau durchaus verstehen. Das Problem dabei ist nur, dass dies reines Wunschdenken ist, denn es ist utopisch, anzunehmen, dass heute noch viele Menschen mit einer Ausbildung glücklich werden. Sicher – Ausbildungsplätze gibt es noch und auch Jobs – aber die schrumpfen. Nie zuvor in der Geschichte gab es so einen massiven Abbau an Stellen für normale Angestellte. Viele Tätigkeiten werden heute von Maschinen übernommen, andere Tätigkeiten sind einfach nicht mehr nötig, und so fällt eine gesamte Jobbasis weg. Heutzutage wirklich sicher sind nur Jobs, welche nicht von Maschinen übernommen werden können – eben die Positionen von Führungskräften der Wirtschaft, Politik und geisteswissenschaftliche Bereiche. Durch technologischen Fortschritt und die Globalisierung  verändert sich die Welt nun einmal, aber die Politik scheint noch keine Möglichkeit gefunden zu haben, die dadurch leidtragenden Menschen aufzufangen.

Und es ist nun einmal absehbar, dass in naher Zukunft enorme Slums entstehen werden. Auf der einen Seite die großen Innenstädte mit ihren Wolkenkratzern, in denen Wirtschaftsmogule ihrer Arbeit nach gehen werden dann den Vorstadtbaracken arbeitsloser Menschen gegenüberstehen. Es besteht die Gefahr einer Dualgesellschaft – zwei Gesellschaften in einer und während die eine bereits das All bereist, fängt die andere wieder an, Feudalwirtschaft zu betreiben. Und so ist es eben möglich, dass die sich jetzt schon alleine die durch die Politik von Frau Schavan initiierte Spreizung der Schere zwischen Arm und Reich noch größer wird und zu einer technologischen Schere wird. Und dann ist StarWars nicht mehr so fern, wie gedacht.

Doch was hilft das viele Mosern und Meckern, solange wir so eine Politik haben? Fakt ist, dass unsere Bildungsminister ziemlich viel in den Sand setzen und dadurch eben die Schere zwischen Arm und Reich vergrößern, da sie den Mittelstand nicht abfangen vor dem Abrutschen. Und so wundern sich unsere Politiker weiter, warum die Studenten so böse sind. Ich sehe uns beinahe wieder in der Zeit des Vormärz. Guten Tag.


Jan 8 2010

Modetrend Klimawandel

Hendrik Erz

Jaja, ich geb’s ja zu – ich habe weder frohe Weihnachten noch einen guten Rutsch gewünscht, also hole ich das nachträglich nach: Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! :-D

Nun aber zum Artikel. Wir leben ja bekanntlich wissenschaftlich gesehen in einer Eiszeit[*]. Andere Warmzeiten gab es schon immer und die letzte endete vor ein paar Millionen Jahren. Ebenso wurde hinlänglich bewiesen, dass weitaus unbeeinflussbarere Gründe wie z.B. die Sonnenaktivität dafür verantwortlich sind, dass sich das Klime wirklich drastisch verändert. Dennoch erfindet der Mensch allerlei Gründe, um sich in beinahe masochistischer Manier selbst die Schuld am Klima zuzuschieben: Abholzung der Wälder, also der “grünen Lunge” des Planeten, die vielen Autos und die gigantische Industrie mit ihren CO2- und sonstigen Abgasen, die gewaltige Viehzucht, die große Fastfood-Ketten in den ehemaligen Urwäldern Südamerikas betreiben und die Konsumgier der Menschen allgemein sind nur einige Gründe.

Seit neuestem ist man ja auf den Methanzug aufgesprungen und man hat allen ernstes anerkannt, dass Methan wesentlich schlimmer als CO2 ist, also eigentlich eine gute Neuigkeit. Dennoch überwiegt der pure Lobbyismus, wenn die Menschen alle möglichen an den Haaren herbeigezogenen Ursachen des Klimawandels vorbringen, in der Hoffnung, dass man sie erhören möge und ihre Probleme lösen werde. In unseren Tagen ist der Klimawandel das perfekte Argument, um Rechte für Tiere durchzusetzen, der Konkurrenz in Fernost Probleme zu bereiten oder die Globalisierung zu verteufeln.

Doch bei näherer Betrachtung entpuppen sich viele Punkte als – für den Klimawandel – irrelevant oder als gänzlich falsch. Zum Beispiel die Abholzung der Wälder ist viel mehr ein moralisches Problem – durch die Globalisierung und die Konsumgier der Menschen wird alleine die Abholzung der Wälder vorangetrieben, das Klima wirklich erwärmen oder anderweitig schädigen tut das – sofern es nicht Brandrodung ist – nicht. Und das CO2, das durch die Urwälder nicht in O2 zurück reagiert, verschwindet einfach im Meer und wird dort aufgespalten. Denn dem Meer wird ohnehin eine zu geringe Bedeutung zugewiesen. Das Meer kann vieles ausgleichen, was der Mensch offensichtlich kaputt macht.

Aber genauso verhält es sich auch mit den Autoabgasen und der Viehzucht – beides ist eher schädlich für die Moral denn fürs Klima. Für den Menschen mag es schlecht sein, weil teilweise in Städten wie Los Angeles und San Francisco durch das viele CO2 eine schlechte Luft herrscht, aber diese paar Gasglocken sorgen nun recht nicht dafür, dass sich das Klima stark erwärmt.

Man sieht also sehr schön, dass viele der von selbsternannten Klimaaktivisten vorgebrachten Gründe entweder das Klima nicht beeinflussen oder ganz und gar falsch sind – der Klimawandel mutiert wahrlich zu einem Trend der Lobbyisten, ihre Wünsche nach diesem Prinzip umzusetzen. Doch neben der Gefahr, dass viele der Gründe das Klima gar nicht schädigen und es viel zu sehr ausgenutzt wird, gibt es noch eine weitere Gefahr in der Diskussion ums Klima: Die Pauschalisierung.

Heutzutage werden viele Maßnahmen pauschalisiert. Ökologisch leben wird als grundsätzlich gut dargestellt, aber wie bereits ein vom SPIEGEL erstellter Klimarechner zutage brachte, wird durch diese Lebensweise gegenüber eine schlicht normalen lediglich ca. 6 Tonnen CO2 im Jahr eingespart, welche durch nur einen einzigen Urlaub im Jahr, beispielsweise nach Thailand, bereits wieder wett gemacht werden. Und auch dieses CO2. Wenn ich die Leute schon wieder höre, wie sie gegen dieses unschuldige Gas wettern! Ein weiser Mensch sagte einmal, dass, wenn viele Millionen Menschheit eine Dummheit erzählen und glauben, dies immer noch eine Dummheit bleibt. So verhält es sich mit dem CO2. Das CO2 mag zwar nicht gesund sein, doch das Klima verändern tut es ebenso wenig. Natürlich hält es ein paar der Sonnenstrahlen auf der Erde, sodass diese sich leicht wieder aufheizt, aber man braucht tausende Tonnen CO2, um eine wesentlich geringere Menge eines viel schlimmeren sogenannten “Klimakillers”, nämlich dem Methangas, wieder aufzuwiegen, von seiner Wirkung her.

Und hier kann ich gleich eine weitere Pauschalisierung entkräften: Verbrennung. Viele Menschen glauben, dass Verbrennung das Klima extrem schädigt und schlecht ist. Doch, wie ich anfangs erwähnte, wurden in Sibirien große Mengen eingeschlossenen Methans unter der Eisdecke gefunden. Wenn sich das Klima weiter erwärmt, werden diese Eismengen schmelzen und das Methan freisetzen. Einmal in der Atmosphäre wird es das Weltklima weiter erwärmen und mehr Methan freisetzen. Scheinbar ein Teufelskreis. Doch jetzt kommt der Chemiker in mir raus: Wenn man einen Stoff verbrennt, wird er unter Reaktion mit Sauerstoff in kleinere Moleküle aufgespalten. Im Falle des Methans sieht das so aus:

CH4 (Methan) + 2 * O2 (Sauerstoff) —> CO2 + 2 * H2O (Wasser)

Das heißt, es entsteht doppelt soviel Wasser wie CO2. Dieses Wasser kondensiert, fließt irgendwie in die Weltmeere und kann dort helfen, das entstandene CO2 aufzunehmen. Denn Wasser kann CO2 in großen Mengen aufnehmen. Dadurch wäre die Gefahr gebannt. Es ergäbe sich aber ein neues Problem: Die weltweiten Wasserspiegel könnten um einige Zentimeter steigen. Eigentlich kein Problem, aber der Mensch ist ja von Natur aus feige und faul und traut sich nicht, seine Lebensweise zu ändern. Küstenstädte wie Hamburg, Bremen und New York würden die Menschen nicht teilweise aufgeben, und so versucht man, genau das zu verhindern. Es gibt da nur ein Problem: Es wird in jedem Falle geschehen, es gab oft genug Zeiten auf der Erde, in denen es nicht ein einziges Eiskorn auf diesem Planeten gab, und niemand hat sich beschwert. Ist der Mensch ein Weichei?

Fest steht aber doch, dass dies einer der effektivsten Gegenbeweise gegen diese Pauschalisierung, Verbrennung sei grundlos schlecht, war.

Sicherlich muss ich aber auch zustimmen, was die Brandrodung angeht. Denn dadurch wird ebenso extrem viel Gas frei, nicht nur CO2, sondern auch das – für den Menschen – schädlichere CO (Kohlenmonoxid). Ebenso stimme ich zu, dass Methangas ein extremer “Klimakiller” ist, immerhin hält es viel Hitze auf der Erde und hindert sie am Austritt ins All und ich stimme zu, dass die Industrie in Amerika und China ein Klimakiller ist, da dort nicht nur Wasserdampf und CO2 freigesetzt werden.

Aber: Zuviel CO2 sorgt immer noch nur für schlechte Luft und nicht für einen Klimawandel. Der übrigens laut vieler Vorhersagen momentan überhaupt nicht in Sicht ist, da sich das Weltklima zur Zeit im Großen und Ganzen nicht erwärmt.
Vermutlich ist die dünnste Luft sowieso in den Büros der Politiker und Umweltaktivisten. Und in den dicken Amtsautos, die diese Aktivisten fahren. Denn ich sage euch, ich schätze es als verdammt unwahrscheinlich ein, dass diese Leute freiwillig Hybridautos fahren, oder gar ganz auf Benzin verzichten und mit kleinen Elektrorollern durch die Welt kurven.

Nunja, ich hoffe, ich habe ein klein wenig zur Anti-Klimabewegung beigetragen, auf dass dieser Hype um diese absolut unnötigen Themen sich bald verdünnisiert. Guten Tag.


Dec 5 2009

Magister stultus est – Wie deutsche Lehrer systematisch denunziert werden

Hendrik Erz

Morgens, viertel nach Acht in einer Schule in Deutschland. Die Klasse geht in den gerade vom Lehrer aufgeschlossenen Raum und setzt sich hin. Der Lehrer besorgt mithilfe eines Schülers einen Fernseher aus der Sammlung. Der Fernseher befindet sich in einem Rollschrank, oben der Fernseher, unten ein DVD-Player und manchmal auch noch ein VHS-Player. Theoretisch muss man nur noch den Stecker nehmen, in eine Steckdose stecken und kann sofort loslegen mit Film schauen. Theoretisch.
Auf einmal ist der DVD-Player kaputt. Er hat Macken. Doch was nun? Am DVD-Schrank hängen zwei Zettel. Auf dem einen ist in minutiöser Kleinstarbeit beschrieben, in welcher Reihenfolge man welche Knöpfe auf welche Art drücken muss, um eine DVD ans Laufen zu bekommen. Und auf dem anderen steht in besonders dicker Schrift: “Achtung! Achtung! Bitte keine Kabelverbindungen in diesem Schrank lösen oder lockern! Falls Probleme bestehen sollten, wenden Sie sich umgehend an den technischen Assistenten bzw. den Hausmeister!”.
Fast so, als wollte man den Lehrern unterstellen, weder des Englischen bzw. der Symbolsprache, noch der Technik mächtig zu sein. Ein kurzer Blick eines technisch fachkundigen Schülers in den Schrank offenbart: Es ist lediglich der Fernseher und der DVD-Player in eine Steckdosenleiste eingesteckt und ein Scart-Kabel verbindet TV und DVD-Player. Soviel zum Thema Kabelverbindungen.

Ich will nicht sagen, dass Lehrer grundsätzlich immer technische Virtuosen sind, ich kenne gar einige, welche sich sicherheitshalber nicht an die Technik trauen, weil sie noch in einer relativ untechnologisierten Zeit groß geworden sind. Solche Lehrer gelten heute allerdings nicht als Weise oder besonders angesehen ob ihrem Alter. Nein, sie gelten als “alt”, als unnützer Ballast und unmodern. Die Welt verjüngt sich und die Lehrer werden dadurch zu alten Säcken. Es scheint, als vergäße man, dass Erfahrung und Weisheit erst ab einem bestimmten Alter kommt. Schönheitswahn in der Bildung.

Wahn ist das richtige Wort. Heutzutage scheint man jeden Lehrer als unfähigen Körper zu bezeichnen – soviel Unwahres kann am amtlichen Begriff “Lehrkörper” nicht falsch sein. Doch das Schlimmste für die Lehrer dürfte sein, dass sie gleich von zwei Seiten als unfähige Stümper beschimpft werden: Von den Schülern, die heutzutage keinen Anstand mehr vor dem Lehrpersonal haben und von den Politikern, die selbstverständlich gar nicht an der Bildungsmisere schuld sein können.

Anscheinend haben die ’68er nicht so viel Gutes gebracht, wie man damals hoffte. Durch den Abfall der Autoritäten, durch Demokratisierung und durch Befreiung des Menschen von preußischen Sitten, so hoffte man, würde alles besser werden. Aber anstatt dass die Menschen vernünftig werden und sich freundschaftlich gut mit dem Lehrer verstehen, wenn er schon nicht mehr die Autoritätsperson ist, nutzt man die neuen Freiheiten, um den Lehrer samt Unterricht zu boykottieren wo es nur geht.

Die Schüler verarschen auf gut Deutsch den Lehrer von vorne bis hinten und nutzen jede Gelegenheit, um den Unterricht zu schleifen. Sicher, dafür kann man dem Schüler keinen Vorwurf machen, Unterricht ist ja schon seit der Antike verhasst – obwohl seit nunmehr 2000 Jahren eigentlich klar sein sollte, dass der Unterricht nur einem selbst etwas bringt – und zwar richtig viel. Aber mittlerweile nimmt das sogar recht bösartige Formen an.

Denn mittlerweile haben sich unter den Schülern sozusagen “Hasslehrer” und “Lieblingslehrer” herausgebildet, was eigentlich ganz normal ist. Mit dem Problem, dass sogenannte “Hasslehrer” so sehr von der Schülerschaft gehasst werden, dass sie teilweise in ihrem eigenen Unterricht – leider auch teils von der Oberstufe – beleidigt werden.

Soviel von der Schülerseite. Und jeder noch so stresserprobte Lehrer, dem so etwas nicht mehr viel ausmacht, der sich dran gewöhnt hat, hat noch einen zweiten Feind, der ihm dann den Rest gibt: Die Politik.

Bereits seit Jahren wird die Bildungspolitik in den Matsch gefahren. Ein Politiker macht’s schlechter als der nächste. Sie erfinden neue Reformen und ähnliches, die zwar verändern, aber an den falschen Stellen. Beziehungsweise die eine Art Ablenkungsmanöver darstellen. Der Schule mangelt es vor allem an einem nach dem Geld: Lehrer. Das Geld verschwindet zwar schon schneller als jeder Kassenwart es in die Kasse schaufeln kann, aber Lehrer verschwinden noch mehr. Besonders gutmütige Lehrer, die den Unterricht als solchen mögen, werden schamlos ausgenutzt. Es gibt bereits an einigen Schulen Fälle von Lehrern, welche mehrere Herzinfarkte in Folge erlitten – stressbedingt. Weil die Schüler ihnen auf der Nase herumtanzten. Also gehen diese Lehrer in Frühpension und kosten den Staat dadurch endlos viel Geld.

Doch damit nicht genug: Lehrer werden nicht nur nach ihrer Ausbildung vom Feindbild Schüler überzeugt, sondern auch während ihrer Ausbildung wird jeglicher Emotion mächtig in die Suppe gespuckt: Zum Beispiel Musiklehrern wird im sehr trockenen Studium jegliche Lust an der praktischen Musik vergeigt. Ich habe dazu einmal einen guten Artikel gelesen, in dem sich sogar Musikprofessoren an Universitäten über die Lehrpläne beschwert haben, in denen kaum noch motivierender Unterricht vorgesehen war. Und von wem werden Lehrpläne bestimmt? Vom Ministerium, also von Politikern.

Und damit sind wir beim nächsten Punkt, wo den Lehrern der Strick geknüpft wird: Ihnen wird auch die Verantwortung in den Lehrplänen abgenommen. Anstatt dem Lehrer zu sagen, was so grob in einem Jahr und in der gesamten Schullaufbahn durch genommen werden soll, wird minutiös vorgegeben, was zu unterrichten ist. Und dazu werden die Abiturklausuren jetzt vom Ministerium vorgegeben. Sicher erhöht dies die Vergleichbarkeit innerhalb eines Landes, aber was soll das? Zentralabitur klingt für mich wie Globalisierung in der Bildung.

Doch wieder zurück zu den Lehrern. Neben also den Schülern und den Vorgaben durch das Kultusministerium werden die Lehrer wie gesagt noch durch die Politiker penetriert. Denn wenn erneut ein Zentralabitur fehlerhaft ist und alle Schüler ihr Abitur doppelt schreiben müssen, und die Lehrer beim zuständigen Ministerium Sturm laufen – wer ist dann Schuld? Die Politiker, welche überhaupt erst die Idee hatten, dass ein paar wenige Lehrer Arbeiten für ein ganzes Bundesland machen müssen, oder die Lehrer, welche diese Aufgaben aufgrund sehr vager Vorgaben erstellen mussten?

Nicht zu vergessen, dass trotz Zentralabitur der Unterricht immer noch sehr persönlich ist. Trotz Lehrpläne und ähnlichem sind die Klassen alle unterschiedlich weit und wissen teils mehr, teils weniger – je nach Verständnis in der Klasse. Und durch das Zentralabitur wird dieses Gebirge flach gewalzt, sodass oben höchstens die Spitzen noch herausstechen. Und am Ende dieses lustigen Systems stehen dann Schüler mit einer “global” gültigen Note an Unis gehen können und sich bewerben können. Falls sie denn das Geld dazu haben. Und ohne Studienabschluss braucht man heute auch nicht mehr bei Firmen anfragen, da kann man ja gleich zur Müllabfuhr gehen.

Und da wundern sich die Politiker, dass es immer weniger Lehrer gibt, immer weniger Bildung und immer weniger Motivation innerhalb der Schule überhaupt? Bei so einem System meiner Meinung nach kein Wunder. Aber vermutlich werden die eigentlichen leidtragenden, die Schüler, das in ein paar Jahren nicht einmal mehr verstehen können mangels Aufklärung. Gott, schmeiß’ Hirn und schick’ die Politiker nochmal zur Schule der Neuzeit, auf dass sie verstehen mögen!


Dec 2 2009

Rückfall nach Weimar?

Hendrik Erz

Nun schau sich einer das an: Die Schweizer votierten für ein Minarettverbot! Was man in einem aufgeklärten, westlichen Europa nie für Möglich gehalten hätte, ist bittere Realität geworden. Auf einer von rechten Parteien initiierten Volksabstimmung votierten mehr als 50% für “Ja” zum Minarettbauverbot. Und nun hat die Schweizer Regierung das Nachsehen – sie muss verhindern, dass eine Art ähnlicher Hetzaufruf aus der islamischen Welt wie auf die dänischen Mohammed-Karikaturen stattfindet. Denn wenn die radikalen Elemente der arabischen Welt die Oberhand über die Muslime auf der Welt bekommen, werden wieder Botschaften brennen und es werden unglaubliche Hassenergien frei. Das ist zwar bisher nicht der Fall, aber wer weiß, was da noch kommt. Denn bereits jetzt fangen viele islamische Regierungen an, gegen die Schweiz zu wettern. Zwar bleiben sie alle politisch korrekt und sehen es lediglich als Verletzung der Religionsfreiheit bzw. der Menschenrechte, aber da ist was im Anzug. Erdogan setzte laut Spiegel.de gar die Islamophobie mit einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Ist es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn man Angst vor bestimmten Menschengruppen hat?

Fest steht doch wohl, dass hier mächtig Ärger im Busch ist. Denn nur weil in der Schweiz so etwas per Volksabstimmung durchgebracht wird, muss es lange nicht heißen, dass nur die Schweizer jetzt zu den modernen Rassisten geworden sind, nein. In jedem Land sitzt irgendwo diese Islamophobie, auch in Deutschland. Und auch hier nehmen sich erzkonservative bis rechte Vereinigungen diesem “Problem” an. Zum Beispiel wettern Pro.NRW bzw. Pro.Köln sehr stark gegen die Kölner Großmoschee. Und nun sitzt jeder Deutsche eigentlich in einem tiefen Glaubensproblem. Denn im Grunde ist es doch so, dass jeder Deutsche denkt: “Klar, Islam soll zugelassen sein”, aber gleichzeitig auch denkt: “Eine Großmoschee passt nicht zu Deutschland. Deutschland war und ist ein christliches, abendländisches Land und da haben so deutliche Symbole des Islams nichts verloren! Ebenso wenig wie Kopftücher”. Denn jeder muss doch irgendwo sich an die Kultur des Landes, in dem er lebt, anpassen. Oder?

Das ist es doch, was viele Deutsche denken. Und was übrigens auch jeder Chinese und auch jeder Japaner und auch jeder Araber denkt. Jeder möchte im eigenen Land die eigene Kultur, keine andere. Und das ist auch gut so. Denn sonst haben wir irgendwann nur noch eine einzige, langweilige Einheitskultur und es gäbe kaum noch Grund, auch in ferne Länder zu reisen. Doch die Globalisierung bringt diese Kulturen durcheinander. Durch freie Reisemöglichkeiten in aller Herren Länder und auch Möglichkeiten, auszuwandern/einzuwandern wird es möglich, dass sich die Kulturen eines Landes vermischen. Das das zu Reibereien führen muss, ist da schon beinahe selbstverständlich. Aber genug zu Kulturen.

Fest steht doch, dass dies sehr gefährliche Entwicklungen sind. Ich meine wir leben in einem Land, in dem sich die Regierung zerfleischt und immer unfähiger wird, hier passiert doch außer ein paar heiklen Gesetzen wie dem der Stopp-Seiten und des BKA-Gesetzes  politisch nichts mehr. Zudem existiert eine große Angst vor dem Verlust der eigenen Kultur. Und all das wird extremer. Zudem, das sollten wir nicht vergessen, haben die Deutschen in dem Sinne keine “echte” Kultur mehr. Klar, wir haben noch eine Hymne, man verbindet uns in der ganzen Welt immer noch mit Weißwurst und Brezel und nennt uns (immer noch) Krautsalat, wie meine Freundin mir letztens eröffnete, aber haben wir Nationalstolz? Stehen wir bei der deutschen Nationalhymne auf? Nein. Nicht, dass ich das jetzt wollte, aber das ist doch der Punkt, der diese Islamophobie noch verstärkt: “Erst haben wir keinen Nationalstolz und dann nimmt der Islam noch Überhand!” Alles wird extremer.

Wie der Musikgeschmack der jungen Menschen immer mehr in die Extreme abschweift, schweifen auch Politik und Meinungen auseinander. Und ganz ehrlich: Irgendwo haben wir doch gerade schon wieder eine Entwicklung in Richtung Weimar. Zumindest scheint es ganz danach. Und wenn der Kapitalismus demnächst noch zusammenbricht, was laut einiger Menschen auch noch möglich ist, da er nur auf Wachstum aus ist, haben wir wieder idealen Nährboden für Faschismus. Vielleicht wird es nicht NSDAP heißen, vielleicht werden es keine rechtsradikalen sondern linksradikale Faschisten sein – wer weiß das schon?

Worauf ich hier hinaus will, ist doch im Grunde nur, dass die aktuellen Entwicklungen in Deutschland und auch in der gesamten Welt, um den Druck auf Deutschland zu nehmen, sehr gefährlich sind  und in diese Richtung verlaufen. Sicherlich muss das nicht passieren, aber es ist schon einmal passiert, und man kennt das ja vom Menschen, dass Fehler nicht unbedingt zum Lernen anregen.


Nov 27 2009

Papst und Gegenpapst

Hendrik Erz

Hört hört! Wikipedia, die ultimative Informationsquelle und vielfach zitiert von allen möglichen Personen bekommt Konkurrenz. WikiBay, das Gegenprojekt zur Wikipedia, will es besser machen. Die Initiatoren der US-Amerikanischen Webfirma Attack2Net Inc. findet nämlich, dass die Wikipedia Meinungsmache und Zensur betreibt und auch teilweise gegen die Gesetze des freien Webs verstößt. Dies begründet Attack2Net folgendermaßen:

Die Wikipedia ist eine sehr freie (demokratische) Plattform, auf der jeder Beiträge editieren und erstellen kann. Dabei gibt es ein Team von Moderatoren und Administratoren, die nach Meinung von Attack2Net Meinungsmache und Zensur mit sogenannten Relevanzkriterien betreiben. Relevanz ist in der Wikipedia verstanden als diverse Bedingungen, die ein Artikel erfüllen muss, um in die Wikipedia zu gehören. Laut Attack2Net wird dieses Kriterium besonders für Personen sehr oft missbraucht, sodass der Eindruck entstehe, es würde gezielt Meinungsbildung betrieben und Artikel würden gelöscht.

Ad Verstöße gegen das freie Netz: Wikipedia verwendet bei nach außen führenden Links ein sogenanntes “nofollow”-Attribut. Das bedeutet, dass Suchmaschinenroboter angewiesen werden, diesem Link nicht zu folgen.
Hinweis: Suchmaschinenroboter durchforsten das Web, indem sie sich an Links “entlang hangeln”, das heißt, jedem Link folgen und die gefundene Seite in ihren Suchindex aufnehmen. Das Ergebnis ist, dass auch viele Seiten ins Verzeichnis von z.B. Google aufgenommen werden, die sich selbst nie eingetragen haben für diese Suchmaschine.

Laut Attack2Net ist die “nofollow-Politik” der Wikipedia ein Verstoß gegen die ungeschriebenen Gesetze des freien Netzes, da so keine Seiten außer der Wikipedia als solche indiziert werden.

Und deswegen gibt es jetzt WikiBay. Eine Seite, die alles besser machen möchte; so kann jeder Artikel veröffentlicht werden, egal wie belanglos. Wichtig ist nur, dass das Objekt/Die Person, die dort behandelt wird, auch tatsächlich existiert (hat). Praktisch heißt das, das jeder auch einen Artikel über sich selbst in die WikiBay stellen kann und dieser nicht gelöscht wird.

Ich will jetzt weder das Pro noch das Contra dieser beiden Internetseiten aufstellen, denn ich finde, jeder sollte für sich selbst entscheiden, welches der beiden Portale er nutzen möchte. Fakt ist: In der Wikipedia existieren weitaus mehr Artikel und jeder darf mitmachen. In der Wikibay existieren nur ca. um die 200 Artikel im Moment, dafür darf man aber erst mitmachen, wenn man auch registriert ist.

Ich vergleiche diesen kleinen Disput zwischen Attack2Net und der Wikipedia Foundation mit dem Prinzip von Papst und Gegenpapst, denn nichts anderes ist es. Wikibay ist quasi die Reformation der Wikipedia. Was genau daraus wird, weiß ich nicht, aber mir drängt sich dieser Katholisch <-> Evangelisch-Vergleich immer mehr auf, wenn ich mir so diverse Kommentare anschaue, die auf der Wikipedia in der Diskussion zur WikiBay stehen:

“kannst ja Google die neue Linkfarm melden abuse@google.com ;-)”

“Die haben jetzt schon massive URV-Probleme da. Hab spaßeshalber auch noch ein bisserl vandaliert, ohne weitere ernsthafte Mitarbeiter wird sowieso nix draus.”

“Admins werden da nicht gewählt, sondern ernannt. WikiBay ist keine Demokratie!”

“Was mich wunderte ist, daß man sich laut „WikiBay“-Startseite registrieren und anmelden muß, um Bearbeitungen vornehmen zu können, und daß man die Startseite nicht frei bearbeiten darf. Wenn das mal keine „Zensur“-Debatten provoziert”
(Quelle)

Hierbei kann man eindeutig den Tenor der Wikipedianer gegenüber WikiBay sehen. Nicht sehr beliebt, würde ich urteilen. Einige sind sogar relativ gerissen und beweisen mit Artikeln wie dem folgenden (mal sehen, wie lange er bleibt), dass Relevanzkriterien dennoch praktisch sind (wenn sie, um WikiBay zu unterstützen, korrekt angewandt werden):

“Die Die Schraube an der hinteren linken Bremsbacke am Fahrrad von Ulrich Fuchs ist ein Beispiel des ehemaligen Wikipedianers und Begründers des Wikipedia-Forks Wikiweise. Das Beispiel soll zeigen, dass nicht jede korrekte und neutral beschriebene Information relevant ist.

Fuchs beschreibt die Schraube an der hinteren linken Bremsbacke seines Fahrrads wie folgt: “[Sie] ist eine 6 mm lange M4-Schraube. Sie befestigt den Bremsklotz der linken Bremsbacke der Hinterradbackenbremse des Kettler-Alu-Fahrrades von Ulrich Fuchs am Bügel für die linke Bremsbacke der Hinterradbackenbremse des Fahrrades von Ulrich Fuchs.” Diese Informationen seien korrekt, neutral beschrieben und dennoch vollkommen irrelevant. Sie hätten daher nichts in einer Enzyklopädie zu suchen.” (Quelle)

Obwohl ich ganz ehrlich irgendwo den Wikipedianern zustimmen muss, dass nicht einfach durch eine Anti-Bewegung, die alles ins Gegenteil umkehrt, alles auch gleichzeitig besser wird, aber ich finde, alleine die Gründung von WikiBay spricht einige essenzielle Probleme in der Wikipedia an. Denn: Die Relevanz ist schwer auslegbar, auf der einen Seite kann jeder Artikel irgendwo irrelevant, aber auch irgendwo relevant sein, es kommt auf die Auslegung an. Ebenso verhält es sich mit den Bearbeitungen. Sicherlich kommen mehr Informationen in ein Portal, wenn jeder Hans dort etwas editieren und beitragen kann, aber genauso ist eben auch eine Meinungsbildung und Zensur möglich, wenn die richtigen User an den richtigen Stellen das richtige editieren. Dafür hat die Wikipedia ja die “Gesichteten Artikel” eingeführt.

Wie ihr seht – man kann jetzt stundenlang über das Für und Wider der Wikipedia und von WikiBay streiten, aber einerseits finde ich das Verhalten der Wikipedianer nicht korrekt, Artikel wie z.B. den über die Schraube in WikiBay zu veröffentlichen, weil das hart an der Grenze zur Lächerlichkeit entlangschleift, andererseits finde ich es aber auch nicht gut von WikiBay, wie gesagt eine Art Gegenpapst zu stellen und damit andere Fehler als der Goliath Wikipedia zu machen, die irgendwann genauso stark heraustreten.

Aber wie immer gilt: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und das ist in diesem Falle der Leser, der sich nun hoffentlich bald in zwei anders aufgebauten Quellen informieren kann und sich besser eine Meinung bilden kann. Ohne hochnäsig wirken zu wollen ist dies doch genau das Motto des others Blogs ;)