Jun 5 2010

Israel – Ein Platz an der Sonne?

Hendrik Erz

Seit knapp 62 Jahren gibt es nun Israel, gegründet nach dem zweiten Weltkrieg von jüdischen Volksleuten im Gebiet zwischen Jerusalem und dem Mittelmeer. Innerhalb des Staates liegen so mehr oder minder sämtliche christlichen und jüdischen Heiligtümer, wie Jerusalem, Bethlehem und das Tote Meer (Man erinnere sich an die Geschichte von Sodom und Gomorrah). Und genau dieser Punkt macht Israel angreifbar. Denn es gibt Menschen, die Israel diese Heiligtümer streitig machen wollen. Am ehesten tun dies die Palästinenser, welche im Gaza-Streifen und im Westjordanland leben. Die Palästinenser im Gaza-Streifen, seit 2007 unter der Regierung der Hamas machen den Israeliten seit der Gründung des Staates diese Heiligtümer streitig und wollen einen eigenen, völkerrechtlich anerkannten Staat.

An diesem seit Jahrzehnten brodelndem Krieg zwischen Palästinensern und Israeliten zeigt sich in einer krassen Ausführung ein Religionskrieg der Moderne. Denn sowohl Palästinenser als auch Juden haben ein historisch-religiöses Interesse an der Region und gleichzeitig auch irgendwo einen Anspruch darauf, den sie erheben. Nun gibt es aber das Problem, das Israel den Palästinensern keinen eigenen Staat geben möchte und Jerusalem vollständig für sich beansprucht, und die Palästinenser nicht bereit sind, einen gemeinsamen Staat mit den Israeliten zu gründen.

De facto bedeutet das, das sich Israeliten und Palästinenser seit Jahren die Köpfe einschlagen. Die Hamas startet immer wieder Guerillaaktionen auf das militärisch hochgerüstete Israel, welches auch seit Jahrzehnten mit westlichen (vornehmlich deutschen) Waffen beliefert wird, worauf die Israeliten meist mit teilweisen Invasionen auf den Gazastreifen antworten. Seit langer Zeit schon existiert im Gazastreifen nicht einmal mehr grundlegenste Infrastruktur, von diesem ständigen Bekriegen wurden die Gebäude und Städte stark mitgenommen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Gazastreifen wegen der radikalen Hamas, welche international als terroristische Organisation geächtet ist, auch keine internationale Unterstützung erhält.

Doch seit ein paar Tagen kann ein internationales Phänomen der Bestürzung über Israel wahrgenommen werden. Während man sich bereits seit Jahren mit Israel streitet, ob es denn eine Atommacht sein dürfe, oder nicht, gibt es seit 2007 eine See- und Landblockade des Gazastreifens. Sogar innerhalb der internationalen Gewässer versucht Israel mit Erfolg, seine Interessen durchzusetzen und blockiert jegliche Transporte in den Gazastreifen, jüngst war dies eine ganze Hilfsflottilie von pro-palästinensischen Organisationen, welche unter Anwendung von Gewalt in die Gewalt Israels gebracht wurde und schließlich in eine israelische Hafenstadt geschleppt wurde, wo die Ladung in israelische Hand überging. Handel auf die unkonventionelle Art.

Fest steht, dass Israel mit immer brutaleren Methoden versucht, den Gaza-Streifen auszuhungern. Es kommt beinahe einer Belagerung aus dem Mittelalter gleich und die internationalen Kräfte rühren immer noch keinen Finger für die Palästinenser. Und daher gelingt es den Israeliten immer wieder, die Palästinenser immer weiter auszudünnen. Denn die Palästinenser sind zwar das kleinste Problem der Israeliten, aber aufgrund der geographischen Nähe das Lästigste. Denn mit anderen anti-israelischen Anrainerstaaten hat Israel in den vergangenen Jahrzehnten Friedensverträge geschlossen.

Und so versucht Israel nun schon, mit der Begründung der Hamas-Regierung, seit 3 Jahren, den Gaza-Streifen systematisch auszuhungern, doch da immer mehr Unmut in der Bevölkerung des Planeten gegenüber Israels Vorgehensweise laut wird, kommen auch mehr und mehr Feinheiten über diese Belagerung zutage. So zum Beispiel der Angriff auf den Hilfskonvoi in den letzten Tagen. Doch warum blockiert Israel so vehement den Gazastreifen und siedelt ohne Unterlass im Westjordanland?

Nun, zuerst einmal muss man sagen, dass die Nachbarstaaten Israels es mit selbigem Land nicht sehr gut meinen. Kurz nach der Unabhängigkeitserklärung von Israel am 14. Mai 1948 griffen Ägypten, Syrien, Jordanien und der Irak Israel an, weil sie diesen neuen Staat in der Mitte ihrer selbst nicht akzeptieren wollten – nicht zuletzt auch, weil es ein künstlicher neuer Staat mit Unterstützung Europas und Nordamerikas war, der von Großbritannien errichtet wurde.

In der Folgezeit wurde Israel daher immer mehr mit westlichen Waffen ausgestattet und man sorgte dafür, dass es ein Staat der 1. Welt wurde. Doch letztlich führte diese anhaltende Feindschaft unter den eigentlich verbrüderten arabischen Staaten dafür, dass Israel sich halbwegs selbstständig machte. Dies zeigte sich unter anderem im Sechs-Tage-Krieg von 1967 und in den anhaltenden Siedlungsprojekten im Westjordanland sowie der Blockade des Gazastreifens. Und somit hat heute Israel nur noch wenig Unterstützung aus dem Westen, da dieser einerseits diese Siedlungsprojekte und andererseits die Atompläne Israels nicht unterstützt. Somit wurden aus den einstigen Unterstützern Skeptiker und Israel gerät zunehmend in internationale Kritik. Die Vorgehensweise bei den humanitären Hilfstransporten stärkt dieses Bild Israels weiterhin.

Und somit wächst von Tag zu Tag der Druck auf Israel, auch weil einstige Bündnispartner wie die Türkei und Griechenland abspringen und Israel mehr und mehr in der Wüste verdursten lassen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die israelische Regierung in den folgenden Wochen äußert, aber ohne ein Einlenken der Regierung sehe ich keine großen Chancen, denn sobald Israel international nicht mehr derart geschützt ist, wird es immer wahrscheinlicher, dass die großen Feinde Israels erneut eine Invasion versuchen werden…


Nov 9 2009

Konsumkapitalismus in Deutschland

Hendrik Erz

Samstag Morgen, 12 Uhr in Deutschland. Meine Freundin und ich wollen nach Köln, in ein viel gelobtes Musikgeschäft. Also nimmt man sich vor, einmal einen ganzen Tag nach Köln zu fahren und auch vielleicht ein paar Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Gesagt, getan. Nach einem bisschen Stau auf der A57 an Kreuz Köln-Nord war ein Parkplatz schnell gefunden und schon konnte das Shoppen beginnen.

Nachdem wir ein wenig in besagtem Musikladen herumgestöbert hatten und ich zum Schluss gekommen bin, dass ein solch überfüllter Musikladen eine Qual ist, ging es auf eine Tour durch die Einkaufsstraße von Köln, abzweigend vom Domplatz. Links und rechts – überall sah man große, größere und größte Läden, teils große Kaufhausketten waren vertreten und getreu dem Motto “Größer geht es immer” war auch die Innenarchitektur gehalten, so z.B. ein knapp 30 Meter großer Weihnachtsbaum in einem der größten Läden – immerhin einer deutschen Kette angehörig.

Doch nachdem wir ein paar Stunden durch diese Straße gingen (und nebenbei wirklich ein paar Weihnachtsgeschenke fanden) begann diese Masse mich zu erdrücken. Immer mehr dachte ich nur an “Kaufen, kaufen, kaufen”. Und das macht nachdenklich. Mich, warum in Deutschland bereits so dieser Konsum angekommen ist. Wie in Amerika wurde in der Kölner Innenstadt ziemlich eindeutig das amerikanische Motto “Konsum! Zwei statt einem!” angepriesen, mit großen Mengen, die Menschen zum Konsum bewegen und damit die Wirtschaft ankurbeln.

Gleichzeitig musste ich an die ganzen Einzelhandelsgeschäfte von früher denken. Diese typischen Tante-Emma-Läden, welche jetzt durch Kaufhof, Media Markt & co. verdrängt wurden und werden. Es ist sehr interessant, zu sehen, wie der Kapitalismus auch im “Sozialstaat” Deutschland auf die Spitze getrieben wird, gilt doch das ungeschriebene Gesetz, dass wir in Deutschland – zumindest dachte ich das bisher – eine relativ gesunde Mischung aus Plan- und freier Wirtschaft haben. Aber anscheinend übernimmt man nicht nur Fast Food, Fettleibigkeit, Autos und Patriotismus aus Amerika, sogar der ungehemmte Konsum beginnt. Wo wir sogar noch in den 70er Jahren kleinere Kaufhäuser hatten und der Konsum wegen der deutschen Mentalität relativ eingeschränkt war – trotz Wirtschaftswunder, so stehen heute nur noch die größten Läden.

Also haben wir jetzt auch in Deutschland den puren Konsum. Viel interessanter wird aber diese eigentlich an sich zwar erschreckende, aber leider nicht neue Nachricht, wenn man bedenkt, was ich in den letzten zwei bis drei Tagen auf spiegel.de gelesen habe.

Einerseits gab es nämlich jetzt anlässlich des zwanzigsten Jahrestages des Mauerfalles, d.h. der Zerschlagung der Planwirtschaft auf deutschem Boden, eine Umfrage, wie beliebt denn der Kapitalismus ist. Und die kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Sehr unbeliebt. Sogar in der Kapitalismushochburg USA finden “nur” 25% den Kapitalismus als solchen gut funktionierend. Und sogar der Untergang der Sowjetunion wird vielfach als negatives Ereignis interpretiert. Ist es nicht interessant, wie 20 Jahre nach dem endgültigen Fall des Sozialismus in Europa das Meinungsbild vom “Bösen Russen”, dem Iwan, abgewichen ist zum “Bösen Amerikaner”?

Und andererseits ist – eben wegen dem 20. Geburtstag des Mauerfalles auch der “Soli” wieder im Gespräch. Der Solidaritätszuschuss, welcher seit dem Mauerfall von West nach Ost fließt, hat den Sinn, den Osten aufzubauen, d.h. die Lebenssituation im Osten an die im Westen anzugleichen. Doch seit vielen Jahren bereits gibt es Kritik am Solidaritätszuschuss. In Westdeutschland beschwert man sich, dass in Ostdeutschland wesentlich neuere Infrastruktur steht, und dies kann ich sogar bestätigen. Kaum kommt man in den Osten, werden die Straßen absolut glanzvoll und schlaglochfrei, ebenso wie die Gebäude im Osten extrem herausgeputzt sind. Wenn man dies im Kontrast zu Städten im Westen, beispielsweise im Ruhrgebiet, sieht, so fällt auf, dass der Osten wesentlich besser aussieht, und ich kann mich auch noch an eine Dokumentation erinnern, in der genau dieser Kontrast heraus stach, und auch an einige Interviews, die zum Zwecke der Dokumentation geführt wurden. Ein Westdeutscher sagte, dass der Westen verkomme und er nicht verstünde, warum immer mehr Geld in den Osten gepumpt werde, wenn in Westdeutschland doch alles verkommt. Und ein Ostdeutscher hat gesagt, die Ostdeutschen bräuchten keinen Solidaritätszuschuss mehr, da sie nichts mit dem Geld anfangen könnten. Der Soli ist also in West und Ost gleichermaßen unbeliebt. Lediglich die Politiker sehen den Solidaritätszuschuss noch als angemessen und benötigt, wollen ihn gar erhöhen.

Doch dann frage ich mich, warum angeblich die Wirtschaft im Osten noch lange nicht an der des Westens angepasst ist? Liegt es vielleicht an den unterschiedlichen Mentalitäten der Menschen? Im Osten liegen doch vollkommen andere Grundsätze in der Mentalität. In der DDR ging es nie um die Industrie, sondern um den Menschen. Sozialistischer Grundsatz eben. Also – warum kann es nicht sein, dass in ostdeutschen Mentalitäten noch dieser Grundsatz existiert und dementsprechend das Geld eben mehr in Dinge fließt, die den Menschen nutzen, als in die Industrie? Und außerdem hat unser neuer Verkehrsminister vorgeschlagen, einmal eine Art Solidaritätszuschuss für den Westen einzuführen, damit auch im Westen die Straßen saniert werden könnten.
Dieser wurde prompt und entschieden von der FDP abgewehrt und als “geschmacklos” abgetan.

Warum bitte nur handelt unsere Politik immer so schizophren? Auf der einen Seite übernimmt sie sämtliche Konzepte der amerikanischen Konsumkultur, gleichzeitig predigt sie aber noch die deutsche Lebenskultur.
Und um das Volk scheint sich – besonders der große Wahlgewinner FDP – immer weniger zu kümmern, bzw. nach seinem Gusto handeln. Anscheinend freut sich die FDP zu sehr, dass sie der große Wahlsieger ist.