Jul 28 2010

Pauschalisieren – eine Volkskrankheit

Hendrik Erz

Wir leben in einem demokratischen Land, und in einem demokratischen Land braucht es Bürokratie. Denn ohne Bürokratie wären wir keine Demokratie sondern eine Oligarchie. Doch wie so oft beschwert sich das Volk über die großen Wartezeiten, überlastete Ämter und störrische Beamte. Oftmals kommen Formulare doppelt oder gar nicht, das Amt verlangt Dinge, die man bereits vor mehreren Monaten längst abgeschickt hatte und streicht wild Zuschüsse, beinahe willkürlich.
Offiziell steht der Beamtenapparat in der Politik nur sehr selten zur Diskussion – die Realität sieht ganz anders aus.

Mittlerweile ist sogar immer öfter ans Licht gekommen, dass die Agentur für Arbeit gerne zuviel als zuwenig streicht; einerseits, weil viele Menschen der Sozialschmarotzerei verdächtigt werden, was ich hier auch gar nicht bestreiten will, und andererseits, weil der Staat und damit auch die ARGE ziemlich pleite sind.
Das Problem ist hier, wie so oft, es trifft die Falschen. Immer wieder werden Menschen Zuschüsse gestrichen, die ganz brav und artig wirklich sämtliche Voraussetzungen erfüllen und ebenso brav alles melden, was zu melden ist. Andere, welche eben nicht alles melden, kassieren dementsprechend größere Summen, als ihnen eigentlich zustünde. Ehrlichkeit wird auch hier – logischerweise – bestraft. Immerhin: Warum sollte man noch mehr Geld dafür aufwenden, Sozialschmarotzer zu kassieren, wenn man ganz einfach den Ehrlichen etwas weg nehmen kann?
Der Mensch ist faul, und die ARGE macht da auch keine Ausnahme.

Doch anstatt stetig mehr Geld einzubehalten, anstatt es wirklich Bedürftigen zukommen zu lassen und stattdessen die aufgeblähte Beamtenmaschinerie abzubauen, treibt man das Spielchen nur noch weiter. So wurde jetzt ein Fall von Denunziation bekannt, bei dem ein Nachbar seine Nachbarin beim Arbeitsamt angeschwärzt hatte. Danach strömten Beamte aus, um die Beweise zu erhärten und strichen daraufhin kurzerhand sämtliche Förderungen. Denunzieren wie in den guten alten Zeiten.

Der deutsche Michel

Fest steht, dass hier die ARGE auf teilweise sehr makabere Art versucht, Geld einzusparen, doch was sind die Schlussfolgerungen, die man daraus zieht?
Der Bürgermeister erkennt hier kein Fehlverhalten und ist dementsprechend mit der Arbeit der ARGE und der Stadtverwaltung absolut zufrieden.

Cut. Andere Stadt, genauer gesagt Krefeld. Hier fordert ein SPD-Abgeordneter der Stadtverwaltung den Stopp beim Stellenabbau im Beamtenapparat.
Er begründet dies damit, dass er an der Führungsriege die hochmotivierten und -qualifizierten Arbeiter nicht verlieren will. Und das ist besonders hier in Krefeld ein typischer Fall von Kurzsichtigkeit und schizophrenem Denken.
Denn er möchte keinen Personalabbau, weil er seine Mitarbeiter für hochmotiviert und schon beinahe zu überlastet hält. Oftmals seien Mitarbeiter der Stadtverwaltung überlastet mit ihrer Arbeit und benötigten demnach eher noch Hilfe.

So, aber da kann ich gleich ein Gegenargument bringen. Vor einer Woche habe ich meinen Wagen wieder angemeldet, und bin dementsprechend zum Straßenverkehrsamt.
Dort angekommen bin ich von Beamten zu Beamten gelaufen. Einer war zuständig dafür, die Fahrzeugbriefe auszustellen, einer dafür, auf die Nummernschilder die Plaketten zu kleben, und noch einer war dafür zuständig, das alles zu kontrollieren und zu managen. Daneben gibt es genau eine einzige Kasse, ander sich regelmäßig ellenlange Schlangen bilden. Die Beamten machen oftmals Pause, reden gerne untereinander und das sogar, wenn Menschen warten.

Und solange Krefeld kein besonders schlechtes Beispiel ist, ist dies ein Muster dafür, wie kurzsichtig und schizophren Menschen an Dinge heran gehen. Vieles wird pauschalisiert. Genau wie Gesetze nur einigen Menschen helfen, und viele andere behindern, wenn sie kaum durchdacht sind, so geht dies auch im Denken der Menschen – nicht nur der Politiker – vonstatten.

Oft findet man in heutiger Zeit Fälle von “Wir haben 1000 Beamte. Die brauchen zuviel Geld.” Man sieht – absichtlich oder unbeabsichtigt – nicht, dass die ARGE überbelastet ist und das Straßenverkehrsamt (zum Beispiel) absoluten Leerlauf produziert.
Mir scheint, dass sich viele Menschen heutzutage einfach nicht mehr die Mühe machen, für ihr Geld zu arbeiten, wenn es um die Politik geht.

Viele, viele Politiker pauschalisieren – wenn ein Autofahrer Knightrider nachspielen möchte und dabei Mutter, Vater und zwei Kinder tötet, müssen alle Autofahrer bluten. Wenn ein Mensch das Sozialamt betrügt, betrügen alle mit. Wenn ein Mensch “Heil Hitler!” ruft, sind wir Deutsche alle Nazis. Wenn wir eine unbeliebte Bundeskanzlerin haben, ist gleich die gesamte Politikerschicht schlecht.

Wir leben in einer Zeit, die auf Effizienz aufbaut, und zu diesem Typ von Effizienz zählt eben auch, nicht tausende Individuen, sondern eine gleiche Masse von Menschen zu haben. Oftmals schlägt sich dies in eben diesen pauschalisierenden Aussagen oder Gesetzen nieder. Niemand macht sich mehr die Mühe, ein Gesetz anzupassen und lange zu überdenken, und das verursacht viele Missstände. Weil die Hartz-IV-Gesetze nicht individualisiert wurden, sondern nur durchgeprügelt werden sollten, bilden sich heute lange Schlangen vor den deutschen Tafeln, nur weil Hartz-IV von vielen Schmarotzern ausgenutzt wird, werden vielen Familien schlicht die Existenzgrundlagen genommen. Nur weil ein Politiker mit Kinderpornographie auf dem Handy erwischt wurde, soll ein Zensursystem geschaffen werden, um solche Seiten zu blockieren. Wobei diese Zensur sogar noch eine Ebene weiter ist.

Doch wer ist schuld an der Misere? Ich sage: Wir selbst.
Weil die Politik nicht mehr fürs Volk, sondern nur noch gegeneinander arbeitet, müssen die Parteien teilweise wirklich gute Gesetze (Ja, auch Bologna und Agenda 2010 hätten wirklich gut werden können) beschneiden, kastrieren und entschärfen, nur damit die unliebsame Opposition dem zustimmt und man am Ende der Legislaturperiode etwas vorweisen kann. Nur, weil die Politik gegeneinander und für die Wirtschaftslobby arbeitet, nur weil die Politik ihren Regierungsgrundsatz aus den Augen verloren hat, nur deswegen kommen solche Gesetze zustande, werden nicht geblockt und kommen durch, obwohl ein Großteil des Volkes unzufrieden ist.

Und was machen wir? Nichts. Wir schlucken viel zu viele unnötige Reformen, und erst, wenn wir selber wirklich betroffen sind, weil wir beispielsweise den Job verlieren und auf Hartz-IV angewiesen sind, werden wir aktiv und bemängeln das System mal offensiv. Deutschland ist ein Land von passiven, resignierten Menschen, die alles so lange unterstützen, wie sie selbst nicht (offensichtlich) betroffen sind. Der Deutsche kann verdammt gut abstrahieren, sich selbst aus dem Geschehen hinaus projizieren und dann die anderen denunzieren.

Aber ob das in anderen Ländern besser ist? Ich vermute nicht. Wir Deutschen sind schon ein merkwürdiges Volk, aber ich glaube, auch in den ach so hoch gelobten Ländern wie Schweden, Finnland und Dänemark gibt es genügend soziale Missstände, doch dafür fehlt mir hier die Vergleichsgrundlage.

Um so etwas zu verbessern, müssen wir eben selbst Hand anlegen. Und das geht am besten, wenn man solche kleinen Regionalpolitiker wie Herrn Frank Meyer in Krefeld einmal von seiner Kurzsichtigkeit überzeugt. Denn im Kleinen fängt es an. Aber (Selbst-)Kritik steht ja niemandem gut.
Mal sehen, was noch alles passiert, bevor so viele Menschen wirklich betroffen sind und die Augen demnach nicht mehr abwenden können, dass etwas passiert.
Doch dann kommt das nächste Problem: Deutsche haben auch Probleme damit, sich untereinander zu großen Gruppen zusammenzuschließen und nicht gegeneinander für das selbe Ziel zu arbeiten.


Jul 12 2010

Wiederkehr zu den Wurzeln des deutschen Bildungssystems

Hendrik Erz

Seit jeher gab es große deutsche Dichter und Denker. Menschen, die mit allzu klugen Zitaten der Aufklärung dienten. Sie machten Deutschland zu dem, was es war – ein Land der Dichter und Denker. Die Deutschen brachten die klügsten Köpfe hervor und so ist Deutschland, oder zumindest sind Deutschstämmige für die Erschaffung vieler Theorien verantwortlich, man denke nur an das kommunistische Manifest von Marx und Engels, den Vormärz, Weimar und viel deutscher Literatur, die auch heute noch Weltruhm genießt.

Doch wie ebenso allseits bekannt, schwindet dieses Image langsam – es gibt immer weniger intelligente Köpfe und ausgebildete Fachleute, vielfach hat Deutschland nicht mehr die Kapazitäten, um in der heutigen Welt mitzuhalten. Da davon auszugehen ist, dass es – auch wenn es nicht den Anschein hat – immer noch äußerst intelligente Köpfe in Deutschland gibt, so ist die Bildung schuld. Dabei hat die Bildung in wohl kaum einem anderen Land eine derartige Wandlung vollzogen, wie in Deutschland. Viele Menschen spucken auf das deutsche Bildungssystem, doch alleine das ist ein Beweis dafür, dass es mit Deutschland – zumindest noch – nicht so schlecht bestellt ist, wie es scheint.

Im Mittelalter gab es keinerlei “echte” Bildungssysteme im damals Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die einzige Bildung, die es gab, waren überlieferte Schriften und das Wissen, dass die christlichen und andersgläubigen Mönche in Klöstern bewahrten und durch sorgfältige Buchabschriften bewahrten. Wer Wissen haben wollte, musste ein Mönch werden, Wissen war Elitär. Es gab zwar ab dem 12. Jahrhundert zunehmend Universitäten, doch auch das Studium an ihnen wurde mit kirchlichem Glauben als Voraussetzung restriktiv behandelt. Doch zweihundert Jahre später, etwa Mitte des 15. Jahrhunderts dann, gab es einen Fortschritt, der Bildung einfacher machte – Johannes Gutenberg erfand um 1440 herum den Buchdruck, welcher es in den darauffolgenden Jahrhunderten schneller, einfacher und vor allem günstiger machte, Buchabschriften zu erzeugen. Ab da an konnten sich auch weniger betuchte Familien Bücher und damit Bildung sichern. Außerdem wurden die Universitäten nach und nach freier zugänglich, doch immer noch gab es einen großen Teil der Bevölkerung, welcher keine Bildung bekam – im damaligen Agrarstaat Deutschland brauchte man die Jugend eben von Anfang an auf dem Feld.

Sogar noch um 1800 herum, kurz nach der französischen Revolution war Bildung ein kostbares, schier unerreichbares Gut, das aber ebenso stark erhalten wurde, um die Bildung auch reichhaltig zu halten. Falls man die Möglichkeit eines Studiums erhielt, konnte man sich sicher sein, man würde zu einer Bildungselite gehören; zwar gab es auch im Ausland sehr gute Universitäten wie Oxford oder Cambridge, doch die deutschen Universitäten genossen damals allgemein einen besseren Ruf. Damals war ein Studium an sich bzw. allgemein der Besuch eines Gymnasiums an sich nicht schwer, doch es war zeitaufwändig. Wie in der klassischen Schullektüre “Unterm Rad” von Hermann Hesse nachzulesen, muss man sich Bildung damals sehr geisteswissenschaftlich vorstellen – alleine im Gymnasium, also vor der Universität, musste man fließend Griechisch und Latein schreiben können, Geschichte und weitere geisteswissenschaftliche Fächer beherrschen, Mathematik war selbstverständlich. Es war also ziemlich zeitaufwändig, zu lernen. Und deshalb war es auch noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Privileg, Bildung zu erhalten – denn nur wer nicht arbeiten musste, konnte sich bilden.

Dieser Bildungsmangel zeigte sich sehr krass im Vormärz. Die erste starke Bewegung für ein demokratisches Deutschland scheiterte schlicht daran, dass nur eine kleine gebildete Schicht – das sogenannte Bildungsbürgertum – die Pläne unterstützte. Der Rest des Volkes konnte mit etwas wie “Demokratie” nichts anfangen. Die Deutschen waren 1830 bereits seit 1500 Jahren eine diktatorische bzw. feudalistische Herrschaft gewöhnt, außerdem konnten die Deutschen damals – auch bedingt durch Niederlagen gegen Napoleon, das ständige Hin- und Hergezerre zwischen den Großmächten – sehr gut resignieren. Das Gebiet des heutigen Deutschlandes und seiner angrenzenden Staaten war früher immer Spielball der Machtspiele auf dem europäischen Kontinent gewesen.

Als die Preußen dann allerdings die Vorherrschaft in den deutschen Landen übernahmen, gab es die erste große Bildungsreform. Die damals nicht vorgeschriebene, eher rare Bildung wurde damit auf einen Schlag zur Pflicht. Während früher gleich zwei Voraussetzungen – ein gut betuchtes Elternhaus und Intelligenz – nötig waren, um echte Intellektuelle heranzubilden, wurde Bildung schlicht verstaatlicht. Das entreißen der Bildung war einer der ersten großen Schritte im Säkularisierungsstreit zwischen Bismarck und der Kirche und so wurde die “Volksschule”, die bis heute als die “Hauptschule” überlebt hat, eingeführt, um grundlegendes Wissen in Mathematik, Lesen und Schreiben zu vermitteln. Seitdem sank zumindest die Zahl der Analphabeten enorm und es wurde möglich, dass auch intelligente Kinder aus armen Haushalten sich bilden konnten, weil sie mit dem Lesenlernen die Voraussetzung zum Lesen von Büchern erhielten.

Seither ging es mit der deutschen Intellektualität aufwärts, die deutschen wurden gebildeter und gebildeter. Während in Ländern wie Frankreich meist handfest Revolutionen ausgerufen wurden, beschränkten sich die Deutschen auf eine geistige Revolution. Und die fand mit dem langsamen, allmählichen Demokratisierungsprozess auch fruchtbaren Boden. 1921 machte sich diese Bildungsreform Bismarcks zum ersten mal erfolgreich bemerkbar, da die wenigen Intellektuellen von 1832 jetzt im Kampf gegen die Monarchie auch die Unterstützung weiter Teile der Bevölkerung hatten. Zwar konnten die meisten immer noch nichts mit Demokratie anfangen, und zeigten sich auch desinteressiert, wie sich 1933 dann auch in Form des Adolf Hitler bemerkbar machen sollte, doch zumindest die alten herrschenden Adligen merkten, dass man nicht mehr wie in feudalistischen Zeiten dem Volke klar machen kann, dass sie nicht in den Himmel kämen, wenn sie nicht schufteten bis zum Umfallen.

So sorgten die Säkularisierung, die Aufklärung und der Buchdruck dafür, dass in Deutschland ein Bildungssystem eingeführt wurde.
Doch so wie wir es kennen, gab es das Bildungssystem erst nach einer großen Bildungsreform in den 60er Jahren. Dort wurde das Gymnasium allmählich einer breiteren Volksmasse zugänglich gemacht. Seither hat sich das Bildungssystem immer mehr in den Mittelpunkt politischer Diskussionen gerückt und wurde vielfältigen Änderungen unterzogen. Doch die letzten Änderungen haben eher zu einer Verschlechterung des Systems geführt. Vielfach verkommen heute die Schulen, überall bröckelt der Putz und die Fenster sind undicht. Es wird sich nach Meinung des Großteils der Bevölkerung zu wenig um die Bildung gekümmert, dabei ist der Etat mit weit über 11 Millarden Euro noch einer der größten.

Man kann die Entwicklungen nun selbstverständlich als Rückentwicklung betrachten, da Bildung wieder Elitär wird, mittlerweile, könnte man zynisch sagen, sind wir wieder auf dem Standpunkt von 1880. Jeder Mensch erhält zwar grundlegende Bildung, aber nur noch ein Elitärer Kreis kann wirklich problemlos auf Universitäten. Das stimmt selbstverständlich nicht, aber wir sind auf einem guten Weg dahin. Der Staat hat immer weniger Macht, die Wirtschaft immer mehr und Bildung ist heute eine Ware, die je nach Nachfrage günstiger oder teurer ist.

Geisteswissenschaftliche Waren sind wegen geringer Nachfrage extrem teuer, Naturwissenschaften dementsprechend preiswert. Die stetige Effizienzsteigerung macht sich auch in der Bildung bemerkbar, und so kann abermals nur der eine Geisteswissenschaft studieren, der entweder hart dafür arbeitet, oder aber die guten alten Vorsätze Intelligenz und gut Betuchtsein vorweisen kann.

Und just in diesen Tagen, in denen die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander geht, hunderttausende Schüler und Studenten auf die Straße gehen, für bessere Bildung protestieren, in denen antipolitische Gedankenströme sich mehren und das deutsche Volk sich allmählich gegen die Entwicklungen stellt, hat auch der SPIEGEL ein “Plädoyer für ein einheitliches Schulsystem” veröffentlicht.

In diesem seitenlangen Artikel geht der SPIEGEL auf Absurditäten der Bildung ein, darauf, dass hessische Schüler in dutzenden Taxikolonnen über thüringische Schulen herfallen, dass Scharen bayerischer Schüler dafür nach Hessen zur Schule gehen und man gut daran tut, während ein Kind noch zur Schule geht, nicht das Bundesland zu wechseln.
Der SPIEGEL geht damit auf eine Entwicklung ein, die das Schulsystem zur Kleinstaatlichkeit hat verkommen lassen. Wie im Mittelalter versucht jedes Bundesland, besser zu sein, als das andere, und so kommen extrem unterschiedliche Bildungssysteme zustande.

Ein Beispiel kann sogar ich selber bringen. Bis zur neuten Klasse bin ich in NRW zur Schule gegangen. Zur Zehnten Klasse wechselte ich auf ein Gymnasium in Rheinland-Pfalz. Der erste Unterschied war, dass die elfte Klasse dort bereits zur Abiturqualifikation zählte, während in NRW erst ab der 12. Klasse die Qualifikation beginnt. In RLP gibt es drei Leistungskurse, von denen einer kurz vor dem Abitur sozusagen zum Grundkurs degradiert wird, um eine bessere Vergleichbarkeit mit allen anderen Bundesländern zu erreichen, da RLP das einzige Bundesland mit drei LKs ist. Des weiteren ging in RLP das Abitur nur bis einschließlich der 13.1, damit die rheinland-pfälzischen Schüler bereits zum Sommersemester studieren können. All das nennen die Pfälzer Mainzer Studienstufe, kurz MSS.

Zurück in NRW (ich wechselte nach der 12.1 wieder zurück) merkte ich dann sehr heftig den Unterschied. Während ich in RLP gewohnt war, teilweise 10 Zeitstunden in der Schule zu verbringen, drei LKs zu haben und sehr viel für meine Noten tun zu müssen, war das in NRW nicht so. In NRW war ich regelrecht unterfordert, ich merkte deutlich, dass RLP seine Schüler mehr forderte.

Doch das Problem ist leider nur zur Hälfte mit einem besseren Schulsystem gelöst. Wichtig wäre es meiner Meinung nach, falls man denn eine kluge Bevölkerung heranziehen möchte, die Bildung vollkommen aus der Hand der Eltern zu nehmen. Denn auch heute noch kann man gut merken, wie der Einfluss der Eltern auf Kinder wirkt. Für ein Kind von Akademikern ist es bereits zu Gymnasialzeiten vollkommen klar, dass es studieren wird. Da gibt es gar kein Rütteln. Doch in Nicht-Akademikerfamilien fehlt der Ansporn, zu studieren. Die Eltern haben nicht studiert und verdienen auch ihr Geld – warum also sollte ich studieren?

Das merke ich wiederum an mir. Vor zwei Jahren noch war ich der festen Überzeugung, dass ich nur eine Ausbildung machen werde, Mediengestalter war es damals. Meine Mutter war Mediengestalter, mein Vater ebenso, in meiner Familie hat vorher noch niemand studiert.
Dass ich nun doch studieren will liegt nur an eigenem Ehrgeiz und der Erkenntnis, das eine Ausbildung heute nicht mehr soviel wert ist, wie vor fünfzig Jahren. Anders sieht es bei einer bekannten Familie aus. Beide Eltern sind Ärzte und zwei der drei Kinder besitzen die amerikanische Staatsbürgerschaft, sind trilingual geschult und sozial bzw. sportlich extrem engagiert.

Und von daher finde ich, dass der SPIEGEL mit seiner Analyse vollkommen richtig liegt – dieses Bildungsgefälle in Deutschland muss aufhören, doch das ist eben nur die halbe Wahrheit. Viel liegt noch an den Eltern. Kinder lassen sich immer gerne von Eltern beeinflussen und wenn die Eltern den Kindern auch keinen Ehrgeiz vorleben, haben die Kinder genauso wenig Ehrgeiz, falls sie nicht eine der seltenen Eingebungen haben, mehr aus ihrem Leben zu machen.

Außerdem schafft es auch die Politik und die Wirtschaft beide gleichermaßen, die Jugend zu demoralisieren. Ich meine, wir können unseren Kindern nicht beibringen, dass unser demokratisches System jede Änderung zulässt, wenn man sich nur drum bemüht, nur um ihnen dann zu sagen, dass das vielleicht mal so war, aber längst nicht mehr möglich ist.

Die geistige Revolution in Deutschland ist vollzogen worden – und ist jetzt langsam wieder vorbei. Von effizienter Feudalwirtschaft geht es über uneffiziente geistige Demokratie wieder zu einer Effizienz – diesmal der Wirtschaft. Fortschritt, Gewinnmaximierung und Preissenkung um jeden Preis. Und bevor wir diese Gedanken nicht los werden, kann auch kein Schulsystem funktionieren, denn Schule bedeutet immer, der Wirtschaft Arbeitskraft zu nehmen und die Politik durch neue Gedanken zu gefährden.


Jun 21 2010

Vom Glauben, einer Kontrollinstanz, zum Dschihad

Hendrik Erz

Wir schreiben das Jahr 2010. Jesus, der Prophet, Gottes Sohn, ist seit knapp 2000 Jahren tot und auch die Nachfolger Jesu, die kirchlichen Institutionen scheinen vor dem Aus – zumindest in Europa. Es wirkt fast so, als hätte Nietzsche mit seinem Ausruf „Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!“ allmählich recht, denn im Ursprung der christlichen Kirche sind die Menschen zunehmend desillusioniert, was Kirche und Glauben angeht, doch das liegt nur marginal an Marx und Nietzsche.

Als vor 2000 Jahren Jesus von Nazareth geboren wurde, dachte auf der ganzen Welt niemand an so etwas wie die Bibel. Die Menschen in Palästina, damals unter römischer Verwaltung und allesamt Juden, hatten genügend mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, denn obwohl sie die römischen Errungenschaften wie feste Straßen und eine Kanalisation nicht schlecht fanden, wollten sie dann doch lieber autonom bleiben. Ständig gab es Aufstände und die zionistischen Anhänger wollten sich autonom erklären. Nicht selten stand dabei die Ehre des römischen Imperators auf dem Spiel.

Die Geschichte, mit der die Entstehung des Christentums begonnen wird, ist landläufig bekannt. Jesus wird geboren, in einer Krippe unter einem Stern, weil eine Volkszählung stattfindet und die Hotels alle überfüllt sind – sogar ohne Mehrwertsteuersenkung. Drei Weise aus dem Morgenland kommen heran und bringen Geschenke – Myrrhe, Weihrauch und Gold, für den künftigen „König“ der Christen. Dann wächst Jesus heran, vollbringt Wunder und predigt seinen eigenen, neuen Glauben. Und das, obwohl er Jude ist. Nicht selten bringt er nämlich die streitbaren Palästinenser gegen sich auf und so gibt es auch die Geschichte, in welcher Jesus in eine Synagoge geht und die Händler im Vorhof aufmischt. Er prangert an, dass mit dem jüdischen Glauben hier Geld gemacht werde, was so nicht sein darf.

Später bringen ihn dann die Juden, respektive die Römer, zu Fall und kreuzigen ihn kurzerhand. Mit knapp 30 Jahren endet das Leben des Messias in Jerusalem. Doch seine Jünger machen weiter, sie tragen sein Gedankengut weit in die Welt hinaus, vier seiner Schützlinge, Markus, Matthäus, Lukas und Johannes schreiben je ein Evangelium, welche das neue Testament der Bibel ausmachen. Doch erst knapp 300 Jahre später, im Jahre 325, wird die eigentliche Bibel, das Werk, welches wir heute kennen, vom Konzil von Nicäa beschlossen und zusammengefügt. Kaiser Konstantin, selbst zu Lebzeiten Heide und erst auf dem Sterbebett getauft, beauftragte Vertreter der damaligen, eher losen Kirchenökumene damit, religiöse, christliche Texte zusammenzutragen und zu ordnen, um eine Art Regelwerk für den christlichen Glauben auf der ganzen Welt zu erschaffen. Futter für die Löwen, die nämlich zu dieser Zeit kurz davor standen, Rom durch ihren Glauben in Stücke zu reißen. Konstantins einziger Ausweg war die Erklärung des Christentums zur Hauptreligion.

Und so entstand nach endlosen Diskussionen endlich das fertige Werk, damals noch ausschließlich auf hebräisch, unterteilt in altes und neues Testament; in Entstehung der Welt und die Wirken Jesu. Sehr schnell begannen Schreiber damit, die Bibel in griechisch und Latein zu übersetzen, die Bibel wurde in der gesamten Welt verteilt, und sie verlieh den Christen ein wenig mehr Konsistenz.

Auch die Kirche selbst festigte sich nach und nach. Statt dem gemeinschaftlichen Prinzip, in welchem jeder Teil einer einzelnen, kleinen Ökumene gleichberechtigt war, jeder Mensch soviel wert wie die anderen war, erforderte die rasche Ausbreitung des Christentums, die nicht immer mit Jesus’ Methoden stattfand, wie auch der sehr empfehlenswerte Film Agora – Säulen des Himmels zeigt, schnell organisatorische Strukturen, und so begab es sich, dass die Kirche im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zu einem zentralistischen System wurde, mit ihrem Zentrum im Vatikan. Das Vatikansgebiet war eine Schenkung eines römischen Kaisers an die katholische Kirche.

Nach dem Zusammenbruch des römischen Imperiums dann, als etliche Horden aus dem nordöstlichen Europa in Italien einfielen, überlebte der Vatikan und die christliche Kirche und konnte als neuer Zusammenhalt der Menschen fungieren. Denn nachdem mit einem Schlag sämtliche Repressionen und auch sämtliche Autorität von Rom aus weg war, brauchten die Menschen einen neuen Zusammenhalt, der ihnen durch das Christentum gekommen war. Viele Stämme waren durch die römische Herrschaft konvertiert, in einige Stämme kam das Christentum von selbst. Und so breitete sich das Christentum in Europa in der Effizienz und Geschwindigkeit aus, wie es die römischen Imperatoren mit dem römischen Reich gerne gesehen hätten.

Und dann, kurz nach der Jahrtausendwende, genauer gesagt im Jahr 1095 besann sich dann ein Papst, Urban II., in Clermont wieder auf die Ursprünge und so rief er mit dem Spruch „Gott will es!“ zum ersten offiziellen Araberschlachten, genannt Kreuzzug, auf. Sein Vorgänger Gregor VII. konnte leider nicht den Startschuss geben. Sein Vorhaben, zweifelhafte Berühmtheit zu erlangen, wurde vom zu dieser Zeit wütenden Investiturstreit überschattet. Historisch gesehen ist der Investiturstreit immerhin nichts anderes als die Vetternwirtschaft, die Griechenland heute in die Pleite geführt hat. :)

Fest steht, dass der Kreuzzug vier Jahre später dann auch endlich dampfend um die Ecke rollte und die Araber etwas überraschte. Immerhin hatten sie seit knapp 600 Jahren die Herrschaft über Palästina, die nie zuvor jemand in Frage stellte, und hatten nicht damit gerechnet, dass die Christen urplötzlich auf die Idee kämen, sich Palästina zu schnappen, nur weil es einmal zu Rom gehört hat, was zu dieser Zeit ja faktisch nicht mehr existierte. Jedenfalls schafften es die Kreuzritter trotz ihrer Rüstungen, die Stadtmauern von Jerusalem zu stürmen und die Stadt einzunehmen.

Es folgte das übliche Prozedere nach Belagerungen – die siegreichen Recken rannten durch die Straßen, meuchelten die halbe Bevölkerung und schändeten knapp 90% aller „heidnischen“, also von anderen Religionen gebauten, Heiligtümer. Die dabei zerstörte Kultur war unersetzlich und selbst der Fall des World Trade Centers 2001 dürfte einen Witz gegen Jerusalem darstellen, in kultureller wie menschlicher Sicht. Nachdem die Kreuzvandalen dann die Stadt endlich komplett durchsucht hatten, stand die Stadt unter westlicher Kontrolle. Und das für lange Zeit.

Die Folgen für die palästinensische Bevölkerung waren erschreckend. In Jerusalem konnten sie ihren Glauben kaum noch ausleben, zu groß war die Zahl und Macht der Christen. Und im Umland waren außer Schneisen der Verwüstung auch viele Burgen anzutreffen, Herrenhäuser von Menschen, die man heute als „Neureiche“ bezeichnen würde, die ihre „Untertanen“ ausnutzten und das feudalistische System Europas auf den nahen Osten ausweiteten.

Ein weiterer Nebeneffekt der Kreuzzüge war allerdings auch die Gründung diverser Ritterorden, so zum Beispiel die Johanniter oder die Tempelritter. Letztere wurden quasi das Blackwater des Mittelalters, allerdings mit wesentlich mehr Macht und einer besseren Organisationsstruktur. Außerdem haben wir diesen netten Menschen immerhin das Schecksystem zu verdanken.

Mehr über die Kreuzzüge und über die Mentalität der Christen und Muslime zur damaligen Zeit finden sich mundgerecht schöngefärbt im Film Königreich der Himmel.

Weiter geht die christliche Mordserie dann mit zwei ebenfalls recht bekannten Begriffen, die allerdings den wenigsten Menschen heute noch wirklich geläufig sein dürften: Inquisition und Hexenverfolgung.

Die Inquisition kam Ende des 13. Jahrhunderts auf, also etwa zur Zeit des letzten Kreuzzuges, und zielte darauf ab, politische wie ideologische Feinde der Kirche auszumerzen. Propagiert als ein Mittel, Glaubensverräter zu bestrafen, war es der ideale Kaperbrief für europäische Länder, politische und ideologische Feinde loszuwerden. Besonders in Spanien entglitt die Inquisition nach und nach den Händen der Kirche und so wurde es zu einem Mittel der spanischen Regierung, politische Gegner leicht loszuwerden, und das ganze sogar noch mit der Unterstützung des hoch gläubigen Volkes.

Hexenverfolgung wiederum ist ein oft verwendeter Begriff. Viele Menschen heute zeigen mit dem Finger auf die Kirche und beschuldigen sie, am Tod von Millionen Frauen schuldig zu sein. Das stimmt zwar, ist aber in etwa so, als würde man die Zahl Pi auf glatt 3 festlegen. Sicherlich hat die Kirche mit dem Malleus Maleficarum, dem Hexenhammer sehr viel in die Richtung gerudert, doch war sie nicht ausführendes Organ. Bei jeder Verbrennung war zwar ein Priester anwesend, doch kam niemals eine Anschuldigung aus dem Klerus selbst. Fast alle Anschuldigungen müssen wohl so geklungen haben: „Der Nachbar ist eine Hexe! Ich hab es genau gesehen!“

Der Nutzen ist ersichtlich – wenn der Nachbar tot ist, steht da ein wunderbares Haus, mit viel grünerem Gras als das eigene. Und so sollen wohl viele, viele Hexenprozesse abgelaufen sein. Jemand schwärzt einen Konkurrenten oder unliebsamen Nachbarn an und schon steht ein Haus mehr leer. Sogar der Klerus selbst blieb manchmal nicht verschont davon. Während nämlich die Inquisition lediglich eine Art englische Fuchsjagd war, also Jagen nur für die adeligen Herrscher, so war die Hexenverbrennung quasi DSDS – jeder darf mitvoten. Und somit wäre auch das Schuldproblem geklärt – das Volk selbst hat einen Großteil der Drecksarbeit erledigt, ganz wie zu Zeiten Hitlers.

Doch wie naiv Glauben wirklich machen kann, zeigt eine Geschichte aus einer völlig anderen Ecke des Planeten. Spanische Konquistadoren waren etwa um die Zeit der Inquisition auch in Südamerika unterwegs und erforschten die Bodenschätze der Maya- und Aztekenvölker. Gleichermaßen wollten sie – völlig unverbindlich – den „Heiden“ das Christentum näher bringen. So gab ein berühmter spanischer Konquistador einem Herrscher eine Bibel. Aufgrund Sprachschwierigkeiten konnte man ihm aber nicht klar machen, dass die Bibel ein Buch mit Seiten und Buchstaben war. Der heidnische Herrscher dachte, die Bibel würde zu ihm sprechen (oder etwas vergleichbares), da er in ihr aber keinen Nutzen sah, warf er sie in den Staub. Das war in den Augen der Spanier Gotteslästerung und so bliesen sie zum Angriff…
Diese Geschichte ist auch eine hübsche Parabel darüber, welchen Wert eine Religion für Menschen anderer Religionen haben kann.

Nach und nach ging dann der Zoff innerhalb der Kirche weiter, es spalteten sich nach und nach immer mehr christliche Sekten ab, die Evangelisten, Kalvinisten und weitere Gruppen machten sich selbstständig. Sogar der englische König begründete die britische Kirche, nur um erneut heiraten zu dürfen. Der Starrsinn der festgefahrenen Elite des Klerus sorgte für erhebliche Schwächeanfälle des Systems – ähnlich dem politischen System heute in Deutschland, auch wenn das noch ein wenig demokratischer ist, als die katholische Kirche.

Und so sorgten nicht nur etliche Abspaltungen von Leuten, die ihr eigenes Ding durchziehen wollten, sondern auch gleichermaßen Menschen wie Nietzsche, Marx und weitere deutsche Philosophen, dafür, dass die Kirche allmählich an Substanz verlor.

Ende des 18. Jahrhunderts dann verlor die Kirche nach und nach sogar die Macht über die Politik, besonders in Deutschland zeigte Bismarck seine Macht über die Kirche, indem er die Hochzeit und die Bildung kurzerhand verstaatlichte. Auf einmal war es Pustekuchen mit leicht gemachtem Geld, wie zu Zeiten des Ablasshandels.
Selbstverständlich stellte das noch keine große Gefahr für den Vatikan dar, immerhin wurde zu der Zeit der Glauben in den USA ein sehr großer Renner. Und somit ist das Christentum wohl die einzige Industrie, die sich selbst unbewusst „geoutsourced“ hat – von Europa in die USA.

Während in Deutschland langsam der Materialismus stark überhand nahm, war man also in den USA immer noch streng gläubig, und so ist es auch heute nicht verwunderlich, wenn es in Amerika noch viele tiefgläubige christliche Sekten gibt. Religionsunterricht ist immer noch in einigen Bundesstaaten ein großer Teil des Unterrichtes und dazu kommt ein Faktor, der der katholischen Kirche stark in die Hände spielt: Amerika ist kein Land, welches Bildung als extrem cool empfindet. In Amerika hat man schon seit jeher lieber auf die Kraft Gottes, als auf Darwin vertraut.

Für ein relativ oberflächlich gewordenes Volk, welches längst nicht mehr den Glanz der Unabhängigkeitserklärung von 1776 innehat ist es eben einfacher, darauf zu vertrauen, alle Sünden seien ihnen vergeben und sie werden ihren „American Dream“ leben können, statt Bücher zu wälzen und für sein Glück selbst zu kämpfen. Ein Graus für jeden Kapitalisten. Doch hier hat sich das Fernsehen und das Internet derart verselbstständigt, dass eine Kontrolle nicht mehr möglich ist – eBook statt Bibliothek. Der Mensch ist faul und Amerika ist das beste Beispiel dafür, dass geistiger Hedonismus auch zu einer übertriebenen Glaubensannahme führt.

Doch was passierte in Europa, während in Amerika Mathematik und Biologie langsam durch Abakus und die Bienchen-Blümchen-Theorie ersetzt wurden? Nun, hier hat die Kirche einen immer schlechteren Status. Was einst mit ein paar wilden Theorien von Marx und Nietzsche begann, hat sich allmählich als neuer Volks-Unglauben durchgesetzt. Man glaubt, die Kirche sei nur noch was für alte Menschen. Man glaubt, es gibt keinen Gott. Der wirkliche Glauben ist irgendwo zwischen Exportweltmeisterschaft und Hartz IV versunken. In Deutschland ist der Glauben an Gott ersetzt worden durch den Glauben an eine bessere Welt. Nirgendwo sonst schwindet der Einfluss der Kirche so derart wie in Europa.

Die Menschen sind desillusioniert, der Atheismus findet starken Zulauf und immer mehr Menschen finden den christlichen Gott nicht mehr interessant. Und so begibt es sich, dass es zahlreiche neue Glaubensrichtungen gibt. Während die normale Religion des Christentums eher alten Menschen zugeschrieben wird, orientieren sich Jugend und Erwachsene am Heidentum, am Neopaganismus, aber auch am schlichten Atheismus. Es gibt mittlerweile derart viele Möglichkeiten, einen Glauben zu haben, dass das Angebot einem Supermarkt gleich kommt. Und viele bedienen sich auch wie in einem Supermarkt.

Was aber ein Fehler vieler Menschen ist, mag das Schwarzweiß-Denken sein. Viele Menschen begehen den Fehler, sich für eine Religion zu entscheiden, dann aber alle anderen Religionen als wertlos zu betrachten – ein weiteres Beispiel für den Wert von Religion. Und so kommt es beispielsweise auch zu den Religionskriegen, wie in Irland oder eben der klassische Konflikt Islam vs. Christentum. In solchen Situationen zeigt sich, dass religiöser Fanatismus eben das falsche Mittel zum Zweck ist.

Denn während Neopaganisten friedlich neben Christen leben können und Juden kein Problem mit dem Leben innerhalb einer atheistischen Umgebung haben, so scheint es mir paradox, dass sich andere Leute wegen ihrer Ideologie derart zanken können. Und doch haben wir das große Problem, dass diese Konflikte seit Urzeiten geschwelt haben. Ursprünglich waren sie aus Gründen der persönlichen Politik angefangen worden, muslimische Herrscher wollten mehr Macht in der Welt haben, ebenso wie der Papst oder weitere westliche Herrscher. Daher nutzten sie den damals fest verankerten Glauben, um unbändige Kräfte zu mobilisieren. Nur ist das Problem, dass die „Altlasten“, unsere heutige fanatische Gesellschaft in einigen Teilen der Welt, immer noch aktiv sind, und heute mit noch stärkerer Brutalität die Kreuzzüge vergangener Tage weiterführen.

Eine neue Möglichkeit, Glauben zu leben, wäre demnach, einen sozial verträglichen Glauben zu erschaffen, eine Art Glauben, der zwar sehr fest verankert ist, und an dem man sich immer festhalten kann, egal, was passiert, der aber anderen Personen nicht einen Glauben vorschreibt oder sie dafür diffamiert, was sie glauben. Ein Glauben, der sagt, dass man den anderen glauben lassen muss, was man will. Ein Glauben, der intelligent ist und sich flexibel an veränderte Situationen anpassen lässt. Ein Glauben, in dem nicht eine versteinerte Institution die Kontrolle hat, diese im schlimmsten Falle sogar ausnutzt, wie zum Beispiel bei diesen Kindesmissbrauchsfällen, sondern ein Glauben, der sich wieder auf die Grundsätze des Glaubens beruft.

Beim Christentum wäre das beispielsweise eine Rückkehr zur alten Ekklesia, der alten Gemeinschaft, in der in provisorischen Häusern oder anderen Orten, denen man nichts religiöses ansieht, oder eben spartanischen Kirchen, eine kleine Gemeinschaft von gleichberechtigten Gläubigen Gottesdienste feiert, wo der gelebte Glauben ungestört ausgeführt werden kann. Es wäre gewissermaßen ein Rückschritt für den Fortschritt.

Die Welt hat sich eben schneller und einfacher verändert, als jahrhundertealte Traditionen sich anpassen können und so bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann einmal der gläubige Dickschädel der Welt ersetzt wird durch intelligenten Glauben, wie ihn heute viele jüngere Generationen vor leben, als eine Möglichkeit, alten Glauben mit neuem Gedankengut zu vereinen. Und das dann bitte ohne Absurditäten, wie einem streng christlich-religiösem Museum, welches Darwins Evolutionstheorie mit der Genesis zu vereinen versucht.


May 14 2010

Und täglich grüßt das Murmeltier

Hendrik Erz

Politiker. Jetzt, in der Landtagswahl NRW hat die CDU mit 0,1% Vorsprung vor der SPD gewonnen, beide liegen somit Sitzplatz-technisch auf derselben Anzahl, weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün haben eine absolute Mehrheit. Und jetzt beginnen die Koalitionsverhandlungen.

Viele Menschen, die Frau Kraft und die SPD unterstützt haben, wollten einen Machtwechsel, kein Schwarz-Gelb mehr aber besonders die Abwahl der FDP lag ihnen am Herzen. Und jetzt sowas. Die Grünen verraten ihre eigenen Wahlsprüche und treten in Koalitionsverhandlungen mit Schwarz-Gelb, im Gegenzug hat die SPD die Dreistigkeit gehabt, die FDP – also die Partei, die wohl niemand mehr an der Macht sehen will – um Koalitionsverhandlungen zu beten, was diese aber glücklicherweise dankend abgelehnt haben.

Früher hat man sich auf Wahlversprechen verlassen, um irgendwann in der Regierungszeit festzustellen, dass diese Ziele doch nicht umgesetzt wurden. Heute kann man bereits direkt nach der Wahl davon ausgehen, dass alle Parteien sich ihre Stimmen zusammenkrallen und dann gucken, dass sie schnell weg kommen, bevor sie ihnen jemand wieder wegnimmt – ohne Rücksicht auf die eigene Wählerschaft. Also, dass wir in einer mobilisierten Gesellschaft angekommen sind, in der wir bereit sein müssen, unsere Grundsätze zu verraten, um nicht in der Gosse zu landen, war mir ja bereits klar, aber dass die Parteien dasselbe Katz-und-Maus-Spiel mit dem Bürger treiben, war mir bisher neu.

Ich meine, wie sehr ist der Verfall der SPD nun schon fortgeschritten, wenn sie bei der FDP um eine Koalition betteln? Was ist aus der einstigen Arbeiterpartei geworden? Nichts anderes, als der gesamte Müll der Parteienlandschaft auch. Und bereits nachdem die SPD die FDP gefragt hat, kam von selbiger ein genauso unflätiger Begriff, wie viele es vom Parteichef Westerwelle gewohnt sind: “verfassungsfeindliche Kommunisten” haben sie die Linke gerufen und nur deswegen sind sie nicht in die Verhandlungen gegangen – weil die SPD mit diesen auch verhandeln will.
Ganz ehrlich? Wer im Parteiprogramm der Linken auch nur einen Punkt findet, der gegen die moralischen Grundsätze dieser Gesellschaft verstößt, und damit meine ich nicht unser durch Beschlüsse total zerpflücktes Grundgesetz, der bekommt einen Keks. Und kommunistisch ist man lange nicht, nur weil man einfach mal gegen die bestehende Parteienlandschaft ist.

Doch im Grunde ist es klar, dass die Linken diese Position einnehmen müssen – einer muss der Buhmann sein, es ist immer am einfachsten, anderen eine Schuld zuzuweisen. Damit lenkt man von sich ab. Damit lenkt die FDP davon ab, genauso unrealistische Ziele gehabt zu haben wie die Linken, damit lenkt sie auch davon ab, dass sie diese Ziele lange Zeit ernsthaft durchsetzen wollte und es nur der CDU zu verdanken ist, dass unser Staat nicht steuertechnisch in die größte Krise seit dem zweiten Weltkrieg abrutscht.
Aber genauso lenkt die SPD mit Schuldzuweisungen an eine “regierungsunfähige” Linke davon ab, dass sie sich momentan wie ein Chamäleon verhält und bereit ist, in jeden noch so sauren Apfel zu beißen, nur nicht auf der linken Seite bei den ungeliebten Linken stehen zu bleiben.

Nicht zu vergessen die Grünen: Pure Klientelpolitik und das kommt jetzt sehr deutlich raus. Ich meine, was will eine grüne Partei, d.h. welche an Umweltschutz denkt, in einem Schwarz-Gelben Bündnis, welches die Atomlaufzeiten verlängern will und das “Zäpfchen von Bush” spielen will? Was wollen die Grünen in einer Koalition, die der Bürger offensichtlich abgewählt hat? Macht? Zustimmung? Die Grünen scheinen genauso wie die SPD zu sein: Angeblich genau die Mitte, aber momentan mit Tendenz nach Rechts. Aber die Grünen haben im Grunde genommen damit eine richtige Entscheidung für ihre Partei gewählt, denn die, die die Grünen wählen, könnten theoretisch auch die FDP wählen. Dasselbe in Grün, eben.

Doch was rege ich mich schon wieder über die Parteien auf, deren Unzulänglichkeit mir bei dieser Wahl das erste Mal wirklich richtig bewusst wird? Ich sollte mich im Grunde genommen lieber dafür strafen, überhaupt zur Wahl gegangen zu sein. Denn was von den Politikern als falsch und nicht rechtens abgetan wird und sogar mit Geldstrafe belegt werden sollte (Soweit ich mich erinnere, war das bei den letzten Kommunalwahlen einmal im Gespräch, als also Schwarz-Rot noch an der Macht waren), ist im Prinzip eine Methode von frustrierten Bürgern, zu sagen, dass sie diese Politik aller Parteien nicht mehr unterstützen. Sicherlich sind auch viele Null-Bock-Nichtwähler dabei, aber mich dünkt, dass die Zahl der Politikfrustrierten stark zuläufig ist.

Eigentlich sollte man die Politiker fragen, anstatt die niedrige Wahlbeteiligung abzustrafen, wann sie sich denn endlich mal wundern, warum diese niedrige Wahlbeteiligung zustande kommt? Aber ich vermute, dass fällt wieder unter den Fall “Die Schuld den anderen in die Schuhe schieben”.
“Wir wundern uns, warum wir Bomben unter’n Arsch gelegt bekommen. Wann aber fangen wir endlich an, uns zu wundern, warum wir nur so wenige Bomben unter’n Arsch gelegt bekommen?”, wie Volker Pispers bereits vor Jahren richtig formulierte. Zwar in anderem Zusammenhang, aber immerhin, hier trifft er seitens der Politiker auch zu.

Denn wohin soll das führen? Wie die Politiker über Deutschland denken, sollte doch bereits bewusst geworden sein, als Roland Koch erklärte, man müsse bei Bildung und Forschung sparen. Eigentlich hat der Mann Recht, denn wenn wir das täten, würde Deutschland endgültig aussterben, einfach weil niemand mehr Kinder bekommen will – denn zu Tode zahlen will sich für die Jugend niemand, seien wir doch mal ehrlich – wäre den meisten bewusst, dass sie bestimmt eine halbe Million Euro für ihr Kind ausgeben, würde da nicht irgendwo bei vielen eine Hemmschwelle entstehen?
In unserem Staat sind derart viele Dinge aus dem Ruder geraten, dass mir regelmäßig beim Lesen der Zeitung ein gewisser Hauch von Brechreiz in meine Nase zieht. Das kapitalistische System ist nun einmal ein Geldumschichtungsapparat, eine falsch gepolte Waage, und wir Deutschen haben das Pech, immer als großer Helfer herhalten zu müssen. 750 Milliarden für Griechenland – und wer zahlt den Löwenanteil? Deutschland. Euroland in der Krise. Wer muss schlichten? Deutschland.
Und wer muss hinhalten, wenn wieder irgendjemand einen Hass auf rechte Fraktionen hat? Deutschland.

Nach dem zweiten Weltkrieg hat man Deutschland gerupft, geteert und dann mit seinen eigenen Federn gefedert. Und nun, wenn sich zeigt, dass gieriger, unstillbarer Casinokapitalismus in den USA zum Ruin führt, dass England seine eigene Politik nicht mehr unter Kontrolle hat und mehrere Länder in Europa nicht mehr fähig sind, einen Haushalt zu führen, sollen die ach so mächtigen Deutschen aushelfen? Das ist, wie wenn man seinen eigenen Sohn brutal prügelt, und wenn man in einem Loch sitzt und nicht mehr von alleine heraus kommt, den Sohn mit vorgehaltener Pistole dazu zwingt, einem zu helfen. Und sollte er das nicht tun, erschießt man ihn einfach. Lieber tötet man die einzige Möglichkeit, dass einem geholfen wird, als einzugestehen, dass man Fehler über Fehler gemacht hat.

Lange Jahre, besonders nach dem zweiten Weltkrieg, ist die Show des Kapitalismus geglückt – Wachstum war ja garantiert. Aber jetzt, wo man einfach nicht mehr wachsen kann, weil dieser Planet nicht belastbarer ist, als bis zum Maximum, zeigt sich die Schwäche des Kapitalismus: Kontinuität. Genau wie vor zwanzig Jahren der Kommunismus in Europa scheiterte, scheitert jetzt als Nachzügler der Kapitalismus. Ich meine, schauen wir uns doch an, wo wir sind: Finanzkrise 2009, Eurokrise 2010, eine unfähige Politik, welche statt die Währungsunion wieder in ihre Einzelteile zu zerschlagen lieber alles dran setzt, dieses wacklige Konstrukt mit jeder Macht aufrecht zu erhalten, anstatt zuzugeben, dass Kohl nur länger an der Macht bleiben wollte.
Ich sollte mich eigentlich nicht mehr darüber wundern, aber mich wundert immer noch, dass Politiker selbst in existenziellen Notlagen lieber auf ihr Öffentlichkeitsbild achten, statt einmal auf den Tisch zu hauen. Und das ist der Grund, für mich zu sagen, dass unser politisches System gescheitert ist. Die deutsche Demokratie ist schlichtweg gescheitert und nicht mehr regierungsfähig. Und ich sage euch, in den nächsten Jahren wird das schlimmer werden, bis in Deutschland jeder zweite auf der Straße steht und obdachlos in den Mülltonnen nach etwas zu essen sucht, und nicht nur eine relative Minderheit, wie zur Zeit.

Ja – in unserem schönen Sozialstaat werden Menschen obdachlos und müssen auf der Straße leben, falls sie ihren Job verloren haben. Und wehe, auch nur einer sagt noch mal, Amerika wäre weit, weit weg. Geht einfach auf die Straße und überzeugt euch vom Gegenteil.
Und meine Unterstützung hat die Bundesrepublik nicht mehr.


Mar 26 2010

Resumée

Hendrik Erz

Der Sommer ist ausgebrochen – die Sonne brennt vom Himmel, ich schwitze und sitze mit Sonnenbrille hinterm Steuer, aus den Boxen tönt Megadeth – Almost Honest. Und irgendwie scheint es beinahe, als sei eine neue Zeit angebrochen. In den letzten Jahren hat sich sehr viel verändert – an mir, durch mich und am Blog. So finde ich, ist es Zeit, einfach einmal ein kurzes, kleines Resumée zu ziehen, ein Fazit der vergangenen zwei Jahre. Nicht von meinem Leben, aber vom Blog. Denn irgendwie spiegelt sich mein eigenes Leben auch im Blog wieder, obwohl ich nie über private Dinge geschrieben habe.

Denn seit 2008 hat sich auch in den Themen des Blogs viel verändert. Begonnen habe ich Ende 2008. Eigentlich hatte ich zu der Zeit lediglich viel Langeweile und suchte nach Beschäftigung, und da mein Computerkonsum zu der Zeit noch die Menge an Schlaf bei Weitem überholt hatte, programmierte ich kurzerhand ein eigenes, kleines Blogsystem. Ich begann dann, zu schreiben. Ich erinnere mich noch, dass der erste Artikel nicht einmal von mir stammte, sondern von meinem damaligen Co-Autor, der mich aber kurze Zeit später wiederverlies, des Studiums wegen. Es wurde viel gebloggt über Hardware, Software und Computerspiele. Ohja, der others Blog, hochpolitisch, begann eigentlich als ein Blog von einem Menschen, der zuviel Zeit vor dem Rechner verbrachte und eigentlich kein literarisches Interesse zeigte.

Das ging allerdings nicht lange. Denn irgendwann einmal war an unserer Schule der Teufel los und ich wollte darüber bloggen. Leider hatte ich die Rechnung ohne die Schulleitung gemacht, welche diesen Blogpost erstaunlich schnell fand und mich dann zur Verantwortung zog. Kurzerhand ging der Blog das erste Mal Offline. Krisensitzung mit meinem Gewissen. Doch nach kurzer Zeit bereits wollte ich den Blog neu starten lassen, diesmal mit einem neuen System, einem neuen Design und frischer Energie. Es ging wieder um Dinge, die mich interessierten. Das waren zu der Zeit zwar immer noch IT-Themen, aber auch bereits neue Themen, Dinge, die um mich herum passierten.

Irgendwann der GAU: Unhaltbare Wellen von Spamkommentaren fluteten mein darauf nicht vorbereitetes System und kurzerhand ging ich erneut offline. Allerdings wieder für nur wenige Tage. Danach kam ich erneut wieder, mit dem dritten Design und diesmal mit dem Bloggingsystem Textpattern. Das hielt dann allerdings schon länger, und zwar bis etwa Mitte 2009. In der Zeit bloggte ich bereits wesentlich öfter und mehr über Politik, die mich seit etwa Anfang 2009 immer mehr zu interessieren begann, wobei ich hier einem guten Freund von mir danken muss, da nur er mich auf diesen Trip brachte. Ich begann auch, ab und an ein paar meiner selbstgeschossenen Fotos online zu stellen, per FlickR zu präsentieren und im Blog zu beschreiben. Ein weiteres Indiz dafür, dass meine Interessen deutlich von IT in Richtung Gesellschaft und Kunst gegangen waren.

Zu der Zeit fanden sich plötzlich auch Menschen innerhalb meiner (neuen) Schule, die es witzig fanden, mich tätlich anzugreifen, versteckt hinter Synonymen. Gut, mittlerweile sind die meisten davon erwachsen und tun’s nicht mehr, aber ein paar Unbelehrbare scheint es offebar immer noch zu geben. Jedenfalls zwangen diese und eine neuerliche Spamattacke meinen Blog das dritte Mal in die Knie. Diesmal für länger. Fast 6 Monate war der Blog offline und ich hatte ursprünglich einst beschlossen, nie wieder zu bloggen. Die Adresse behielt ich eigentlich nur, weil ich zu faul war, sie abzumelden, und als eine Art Datenserver.

Doch dann, Ende 2009 entschied ich mich erneut, wieder anzufangen. Das geschah eher spontan, und diesmal mit grundlegenden Veränderungen: Ich bloggte seitdem nicht mehr über IT oder dergleichen, sondern fast ausschließlich über gesellschaftliche Belange, Politik und ein wenig Philosophie. Außerdem schwor ich im Sommer 2009 endgültig dem PC und seinen Feinheiten ab, sondern wollte ihn nur noch als ein Mittel zum Zweck nutzen. Das äußerte sich auch daran, dass ich seitdem auf WordPress umgestiegen bin. Pure writing eben.

Und seitdem habe ich auch wieder einen Co-Autor bekommen, wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt – ChameleonHalo aka Samuel Kressner bloggt jetzt auch ab und an einmal, dafür aber weniger Politik und Gesellschaft, mehr Reviews von gesellschaftskritischen Filmen. Auch ich hab mich erneut abgekehrt, schreibe weniger über Politik, sondern analysiere mehr dieses Verhalten, warum Menschen so handeln, bin also eine Ebene der Abstraktion weiter hinauf gestiegen.

Mal sehen, wie sich diese Entwicklung fortsetzt, doch momentan finde ich diesen Zustand, in dem der Blog, meine Schreibkünste und die Themen verweilen, fast perfekt. Almost Honest.

Es gab übrigens Anfragen, die alten Blogartikel wieder online zu stellen. Ob und wie ich das mache, muss ich noch entscheiden, aber vermutlich werde ich das irgendwann handhaben, einfach weil es ein Teil der Geschichte des Blogs ist. Bilder von den verschiedenen Stadien des Blogs werden vielleicht auch noch folgen.


Mar 2 2010

Sprachskepsis – Der Weg zur Sprachlosigkeit

Hendrik Erz

Der Begriff der Sprachnot dürfte vielen etwas merkwürdig oder gar unverständlich vorkommen. Es ist ein Begriff, der eigentlich schon Anfang des letzten Jahrhunderts geprägt wurde, von Hugo von Hoffmannsthal, um genau zu sein. Es ist ein Begriff, der andeutet, dass dem Menschen die Fähigkeit der Sprache mehr und mehr abhanden kommt. Die Sprachnot betrachtet also ein Teilgebiet der Sprachforschung, in dem die Wahrheit der Worte hinterfragt wird und in welchem es zum Zusammenstoß der Definition von Sprache und Realität kommt.

Anfang des letzten Jahrhunderts also schrieb von Hoffmannsthal “Ein[en] Brief”, das wohl bekannteste literarische Werk dieses Zeitgenossen, welches sogar eine nicht unbeachtliche Einordnung in der Wikipedia erhalten hat. In diesem Text schreibt ein fiktiver Lord Chandos an eine weitere fiktive Person einen Brief, in der er schildert, wie er nach und nach nur einzelne Worte, später ganze Themengebiete und dann gar nichts mehr diskutieren kann, nicht mehr sprechen kann. Ungeachtet des Paradoxons, dass er hier alles, was er nicht mehr sprechen kann, dennoch sehr gut in Worte fassen kann, zielt dieser Brief darauf ab, dass die Literatur vor die Hunde geht. Der Brief soll ausdrücken, dass die Funktion der Sprache diese nicht mehr erfüllen kann, mit Sprache kann man nicht mehr auszudrücken, was in der Wirklichkeit vonstatten geht. In Weiterführung begründen dies viele Autoren mit Begriffsdefinitionsänderungen durch bspw. den Nationalsozialismus (Man denke z.B. an die Worte “Arier”, “Arbeit” und “Jude”, welche durch den Nationalsozialismus arg in ihrer Wirkung verdreht wurden) und einige gehen auf die philosophische Ebene, dass sie Gedanken mit Sprache vergleichen und erklären, dass es auch Dinge gibt, die zwar da sind, die man aber nicht erklären kann.

Doch nur wenige Jahrzehnte zuvor war man noch anderer Meinung, einige Philosophen erklärten, dass man nichts denken könne, was man nicht auch durch Sprache ausdrücken könne. Sie gingen gar so weit, zu behaupten, es gäbe nichts, was man nicht durch Sprache ausdrücken könnte. Doch die Sprachskepsis bietet ein neues philosophisches Törchen auf dem Weg in eine bessere Welt.

Denn die Sprachskeptiker sagen, dass man einige Dinge nicht ausdrücken kann, z.B. Emotionen, bestimmte Situationen, die berühmten Momente, denen keine tausend Worte gewahr werden. Zum Beispiel kann man einfach nicht in jemandem dieses Gefühl auslösen, im Sonnenuntergang zu sitzen, der Sonne beim Untergehen zuzusehen und zu entspannen. Man kann es in Worte fassen wie man mag, aber wirklich fassen kann man es nicht. Und so ist auch meine Meinung.

Doch es gibt einige Sprachskeptiker, die scheinen das Gebiet zu nutzen als Entschuldigung für Kreativitätslosigkeit. Sie begründen nämlich damit, dass ein Verfall der Literatur zu beklagen sei, dass Romane also immer einfacher gehalten werden, dass Bücher immer weniger sprachlichen Tiefgang haben, dass es unmöglich sei, wirklich tiefgründige Abhandlungen zu schreiben, da dem Menschen ja das Konstrukt der Sprache verloren geht.

Doch wie bereits Georg Klein in Anlehnung an “Ein Brief” schrieb, scheinen sich einige Literaten ihre Position zu sehr zu Herzen genommen zu haben und übertreiben es ein wenig mit ihrer Vordenkerstellung.

Doch wie kommt diese Sprachskepsis überhaupt zustande?

Einfach gesehen kommt sie durch den übermäßigen Einsatz von Sprache zustande, dass man zu oft bestimmte Wörter verwendet. Denn je öfter man ein Wort vor sich hin spricht, desto mehr versucht man, hinter dessen eigentliche Bedeutung zu kommen, hinter dessen Ursprung und was es eigentlich hieß.

Und nun stelle sich wer vor, man versucht sämtliche literarischen Stile durch und versucht, sich und seine Sprache bei jedem mal zu verändern, eine andere Wirkung zu verursachen. Irgendwann scheint man an eine Mauer zu stoßen. Und diese Mauer scheint einem sagen zu wollen “Es gab schon alles einmal!”. Doch ganz ehrlich – wenn man weitermacht, kommt man irgendwann auch an einen Punkt, an dem man wieder ganz normal sprechen/schreiben kann.

Die Sprachskeptiker vom Anfang des Jahrhunderts sind an dem Punkt stehen geblieben, aber viele Leute sind weiter gegangen und wieder am Anfang, wo die Sprache noch gut war, angekommen. Problem gelöst?

Nun, sehen wir es so – die Sprachskepsis hat durchaus ihren Sinn, wie gesagt, Emotionen auszudrücken vermag die Sprache nicht. Dazu bedarf es anderer, neuer Worte, die aber auch schon im Kindesalter mit diesen Emotionen verbunden werden müssen, wenn das überhaupt geht.

Aber die Sprachskeptiker des 20. Jahrhunderts haben es – wie gesagt – übertrieben. Denn das man nicht mehr sprechen könne, ist relativ unwahrscheinlich. Aber philosophisch übertragen war ihr Standpunkt durchaus zu verstehen. Vielleicht kann man das alles aber auch mit Trivialliteratur begründen. Wer weiß das schon?


Jan 13 2010

Avatar revisited

Hendrik Erz

Vor ein paar Tagen habe ich mich ja über meine Erfahrungen aus Avatar ausgelassen. Selbstverständlich habe ich mich über den raubbauartigen Aspekt ausgelassen, darüber, dass ein paar Weiße einfach in eine vollkommen perfekte Welt eindringen und die Ureinwohner dort vertreiben wollen, um den Planeten auszurotten. Ich bin auf die Schiene “Böser Weißer, lieber Na’vi” eingegangen und habe auch diese Meinung vertreten. Aber ich habe noch viel mehr erwähnt, ich bin mehr auf den ausschließlich weißen Teil eingegangen, habe nur erwähnt, wie blöd die Menschheit doch ist und in diesem Film dargestellt wird, auf die Na’vi bin ich weniger eingegangen. Selbstverständlich fand ich die Na’vi sympathischer als die Menschen, was vermutlich auch so gedacht war. Und danach bin ich nur noch auf die Tulpen eingegangen. Ist also eher ein kleiner Abstecher nach Avatar gewesen.

Während ich aber größtenteils auf die Natur und die kollossalen Schäden an unserer eigenen Umwelt eingegangen bin, habe ich mich nicht einmal ansatzweise über den rassischen Gegensatz Mensch <-> Na’vi eingegangen, weil Rassismus für mich nie ein Thema war. Ich hatte nie Probleme, bspw. einen Schwarzen als absolut gleichwertig anzusehen, die Ku-Klux-Clan-Ideologie wäre an mir vielleicht verschwendete Liebesmühe, aber dadurch ging ich eben nicht auf diesen Aspekt ein. Ein anderer Blogger allerdings ging darauf ein, und zog erstaunliche Parallelen zu vielen anderen Filmen, welche ich aber zum größten Teil leider nicht gesehen habe oder, im Fall von Dune, als ich noch zu klein war. Ich fand es interessant, auch diesen Aspekt einmal zu beobachten, auch wenn er für mich weniger Relevanz hat.

Aber obwohl dieser Blogger auf englisch schreibt und es daher etwas kompliziert werden könnte, ihn zu lesen (Ich kenne eure Englischkenntnisse ja nicht^^), möchte ich euch den Artikel When Will White People Stop Making Movies Like “Avatar”? vom io9-Blog empfehlen.

Es ist eine andere Sichtweise, und ich finde es wichtig, auch diese Seite zu beleuchten. Avatar mausert sich ja zum gar unglaublichen Kritikfilm, sowohl positiv als auch negativ…


Jan 11 2010

Die moderne Wegwerfgesellschaft

Hendrik Erz

Es ist 22:00 Uhr abends, meine Freundin macht Tee. Kamille für sich selbst und Rooibos für mich. Und während ich mich an den Küchentisch setze und auf die erstaunlich blutrote Farbe des Tees achte, muss ich beinahe zwangsmäßig an die gestrige Nacht denken, in welcher ich im aktuellen Hype-Film “Avatar” zugegen war.

Avatar, vermutlich in den Augen vieler konzipiert als eine Art Titanic 2, also “Faster, Bigger, Greater”, ist an erstklassigen Landschaften und einer fantasievollen Umgebung nicht zu überbieten. Die Story ist so einfach wie eingängig, wie interessant: Ein querschnittsgelähmter Marine-Veteran fliegt 5 Jahre lang durchs All bis zu einem riesigen Gasplaneten, der vermutlich nicht nur zufällig wie der Jupiter aussah. Auf diesem Planeten, besser gesagt einem Mond davon, haben sich die Menschen bereits breit gemacht und beuten die natürlichen Ressourcen des Planeten aus. Doch auf dem Planeten gibt es bereits intelligente Lebewesen. Die Na’vi, eine Art Eingeborenenvolk bewohnt den Planeten im Einklang mit der Natur.

Auf Anhieb mag das ganze zwar eher tatsächlich klingen wie ein Titanic 2, indem so etwas ähnliches wie Tarzan und Jane (nur in geschlechtlich umgekehrter Reihenfolge), Fantasien, eine Vorliebe für lumineszierende Lebewesen, Zukunftsvisionen und Winnetou vereint worden sind. Selbstversändlich macht das den Film bereits erstklassig und einmalig, doch als Mensch, gewöhnt daran, Filme und Bücher zu interpretieren, sah ich auch noch einen sechsten Teil, einen gesellschaftskritischen.

Sicherlich werden viele jetzt denken, dass der alte Hendrik auf seine Tage noch sentimental wird und sich der Politik abwendet, und stattdessen nur noch über seine Misanthropie schreibt, dennoch muss ich mir durch diesen Blogeintrag einmal Luft machen. Seit langer Zeit denke ich immer und immer wieder über diese Themen und finde, dass dies viel zu selten Publik gemacht wird.

Um zum Punkt zu kommen: Im Film fiel mir eine Stelle auf, an der der Hauptcharakter Jake Sully einmal sagte: “Die Menschen mussten gehen, zurück auf ihre sterbende Welt”. Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht. Denn er sagt, in Zusammenhang mit all den anderen Elementen des Filmes im Grunde genommen eine Art Dystopie der Erde voraus. Genau wie  im Film “Pandorum” stirbt die Erde auch hier, doch in “Avatar” kommt die Kritik mehr heraus.

Denn die Moral der Geschichte ist, dass der Mensch seinen eigenen Planeten komplett zerstört hat, ausgebeutet und vernichtet, sodass von ihm nicht viel mehr als ein Steinbrocken übrig sein dürfte, und dennoch nicht daraus gelernt hat, und nun beginnt, andere Planeten auszubeuten. Dass es dem Menschen immer noch darum geht, Geld zu machen, Machtgier und Raubbau bestimmen den Menschen dieses Filmes. Am Ende gewinnt selbstverständlich das Gute, die Menschen müssen wieder abziehen und sich um ihren eigenen Planeten kümmern, aber es offenbart doch Einiges.

Ich sehe die Partikel im blutroten Wasser, trinke etwas und bemerke dann plötzlich die Tulpen, welche schon seit bestimmt einer Woche dort stehen, auf dem Küchentisch. Sie sind makellos, ein grelles, sattes grün ohne Mängel, jede Blüte ist gelb-rosa. Eine Tulpe ist stark gebogen, die Blüte waagerecht und auf mich gerichtet. Dadurch nur habe ich die Tulpen bemerkt und einmal bewusst wahrgenommen. Und das Denken nahm seinen Lauf.

Denn Tulpen spiegeln doch so sehr die Gesellschaft wieder. Früher schenkte man Blumen, weil sie schön waren, etwas bedeutet haben. Heute ist es lediglich Höflichkeit, eine Geste. Man kauft Blumen, “weil es halt so üblich” ist. Der Mutter der Freundin bringt man Blumen mit, weil es sich gehört. Bei einem Geschäftsessen bringt man der Frau des Chefs Blumen mit, weil es sich so gehört. Die einzigen Bedeutungen von Blumen, die heute noch geläufig sind, sind “gelb” für Freundschaft, “rot” für Liebe, bei Tulpen, und die rote Rose gilt immer noch als leidenschaftlich. Doch wenn man bedenkt, dass Blumen früher ursprünglich nur als Heilpflanzen verwendet wurden, als Tee (man denke an den berühmten Kamillentee), Aufguss, Salbe, man konnte aus jeder Blume irgendeinen tieferen Nutzen ziehen. Und erst später, irgendwann, kam man auf die Idee, Blumen zu verschenken. Sie galten als Geste guten Willens, das man nur Gutes will. Heute ist es üblich.

Der Mensch sieht heute kaum noch die Wahrheit der Dinge, er ist oberflächlich geworden, aalglatt. Fast alle Menschen, die auf der Straße gehen, haben heute doch kein Gesicht mehr, sind vielleicht schön, zeichnen sich aber durch nichts mehr aus. Jeder hat Klamotten von C&A, H&M und wie die Geschäfte alle heißen, niemand trägt mehr individuelles, ein Schneider wird nicht mehr gebraucht. Man will nicht mehr auffallen. Dadurch verliert der Mensch Individualität. Nur selten sieht man einen Menschen, der heraussticht, auffällt. Man kann sich nicht die Namen von Menschen merken, die nichts charakteristisches haben. Alle sind gleich.

Und so auch die Tulpen. Spontan drehe ich die Vase um, sodass die gebogene Tulpe auf meine Freundin zeigt. Sie lächelt und richtet die Tulpen, sodass sie alle wieder gerade in der Vase stehen.
Tulpen sind gezüchtete Blumen. Sie gab es ursprünglich nicht, sie wurden nur gezüchtet, weil der Mensch eine Art Blumen “für jeden Anlass” brauchte. Sie sind perfekte Blumen. Sie sind schädlingsresistent, welken nur sehr spät und makellos. Jede sieht aus wie die andere, sie wachsen gleich und sehen immer gut aus. Doch nutzen kann man sie für nichts, nicht für Tee, nicht als Salbe oder Heilmittel. Für nichts. Sie sind nur für die Optik. Und sind sie verwelkt, so wirft man sie weg, ersetzt sie und vergisst sie.

Und genau so ist die heutige Gesellschaft. Menschen werden geboren, wachsen heran, sie sind alle makellos und alle gleich, man kann sie nicht wirklich unterscheiden. Sie sind schön anzusehen, und wenn sie tot sind, vergisst man, dass sie je da waren. Denn sie stachen nicht heraus, waren nicht denkwürdig.

Ich frage meine Freundin, welche Tulpe die war, welche gerade auf mich zeigte, und das erhoffte tritt ein: Weder sie noch ich können noch genau zuordnen, welche es war. Alle sind sie gleich, sie unterscheiden sich nicht markant. Sicherlich hätte man sie wieder erkennen können, anhand ganz kleiner Unterschiede, aber wirklich unterscheiden war unmöglich. Und genauso ist unsere Gesellschaft, man lernt Menschen kennen, macht etwas mit ihnen, und irgendwann sind sie weg und man vermisst sie nicht.

Ich finde es ironisch, wie man den Werdegang des Menschen, die Zucht des “perfekten Menschen” anhand von Tulpen vergleichen kann. Hitler hat man verteufelt, als Monster bezeichnet für seine Versuche an Menschen, um den “Arier”, den seiner Meinung nach perfekten Menschen zu züchten. Doch ist die Gesellschaft wirklich besser? Wir züchten uns doch auch, wie wir uns haben wollen: Gutaussehend, glatt und normal. Wir erzwingen es zwar nicht durch Selektion, aber durch Ausgrenzen, soziale Benachteiligung, Mobbing. Wer nicht ist, wie alle, ist schlecht. Auffallen ist schlecht in heutigen Zeiten. Aber Tulpen fallen nicht auf. Sie sind einfach da. Man bemerkt sie nicht, aber sie bringen eine gewisse Atmosphäre in den Raum.

Gleich zwei gesellschaftliche Themen an einem Abend. Ist irgendwie viel, zumal ich durch die Tulpen vollständig von Avatar abgelenkt wurde. Avatar bezeichnete die schlechten Eigenschaften des Menschen: Seine Gier nach Macht und Geld. Und wie er dadurch geschlagen wurde. Die Faulheit des Menschen und seine Uneinsichtigkeit. Das alles schön verpackt, sodass man schon nachdenken musste, fürs Verständnis.
Die Tulpen bezeichnen lediglich die aktuelle Gesellschaft, oder bieten einen Vergleich zur Gesellschaft.

Menschen werfen kaputte Dinge weg, statt sie zu reparieren. Um den Konsum zu decken. Und um immer weiter Raubbau an der Natur und an dem, wovon wir eigentlich abhängig sind, zu finanzieren. Und Menschen werfen sich selbst weg. Weil sie ersetzlich sind. Nicht gebraucht werden. Sie sehen schön aus, bringen etwas Leben in die Bude, und wenn sie dann mal zu alt sind, werden sie halt weggeworfen, niemand ist betrübt, niemand hört auf, mit diesem Verhalten. Die moderne Wegwerfgesellschaft eben.

Ich trinke weiter. Die Tasse fast leer. Und immer mehr beginne ich mich zu fragen, ob ich wirklich auch zu dieser Gesellschaft gehöre. Denn je mehr ich darüber nachdenke, je mehr ich beginne, zu verstehen, wie kaputt der Mensch doch ist, desto mehr schäme ich mich beinahe, zu dieser Art zu gehören. Und desto mehr beginne ich mich zu fragen, wenn doch alle Menschen gleich sind – ich kann doch nicht der einzige sein, der so denkt. Und meine Freundin und ein paar meiner engsten Freunde. Es muss doch mehr geben. Und die gibt es, soviel weiß ich. Nur leider hört niemand auf sie.

Warum schüttelt man den Kopf, wenn junge Menschen “Lärm”, bzw. “schreckliche Musik” hören? Doom Metal, Texte, die vom Tod handeln, von Verderben und Vernichtung, von Doom eben? Warum hinterfragt man sich nicht, warum sie so etwas hören? Warum wird es nicht publik gemacht, warum sich nun so viele Menschen umbringen? Warum wird unter den Tisch gekehrt, dass so viele Menschen unter Depressionen und psychischen Problemen leiden? Warum?

Ich beschäftige mich nicht lange genug mit Gesellschaft und so etwas, solche Fragen beantworten zu können. Dies sollte auch lediglich eine Niederschrift meiner Gedankengänge sein. Ein Versuch, mich zu erklären. Das lag mir schon lange genug auf dem Herzen, jetzt habe ich es mit fast 1.500 Wörtern auch endlich getan ;)

Wie auch immer, ich hoffe, dass sich das alles irgendwann wieder richtet, auch wenn es unwahrscheinlich ist.

Gute Nacht.


Jan 8 2010

Modetrend Klimawandel

Hendrik Erz

Jaja, ich geb’s ja zu – ich habe weder frohe Weihnachten noch einen guten Rutsch gewünscht, also hole ich das nachträglich nach: Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! :-D

Nun aber zum Artikel. Wir leben ja bekanntlich wissenschaftlich gesehen in einer Eiszeit[*]. Andere Warmzeiten gab es schon immer und die letzte endete vor ein paar Millionen Jahren. Ebenso wurde hinlänglich bewiesen, dass weitaus unbeeinflussbarere Gründe wie z.B. die Sonnenaktivität dafür verantwortlich sind, dass sich das Klime wirklich drastisch verändert. Dennoch erfindet der Mensch allerlei Gründe, um sich in beinahe masochistischer Manier selbst die Schuld am Klima zuzuschieben: Abholzung der Wälder, also der “grünen Lunge” des Planeten, die vielen Autos und die gigantische Industrie mit ihren CO2- und sonstigen Abgasen, die gewaltige Viehzucht, die große Fastfood-Ketten in den ehemaligen Urwäldern Südamerikas betreiben und die Konsumgier der Menschen allgemein sind nur einige Gründe.

Seit neuestem ist man ja auf den Methanzug aufgesprungen und man hat allen ernstes anerkannt, dass Methan wesentlich schlimmer als CO2 ist, also eigentlich eine gute Neuigkeit. Dennoch überwiegt der pure Lobbyismus, wenn die Menschen alle möglichen an den Haaren herbeigezogenen Ursachen des Klimawandels vorbringen, in der Hoffnung, dass man sie erhören möge und ihre Probleme lösen werde. In unseren Tagen ist der Klimawandel das perfekte Argument, um Rechte für Tiere durchzusetzen, der Konkurrenz in Fernost Probleme zu bereiten oder die Globalisierung zu verteufeln.

Doch bei näherer Betrachtung entpuppen sich viele Punkte als – für den Klimawandel – irrelevant oder als gänzlich falsch. Zum Beispiel die Abholzung der Wälder ist viel mehr ein moralisches Problem – durch die Globalisierung und die Konsumgier der Menschen wird alleine die Abholzung der Wälder vorangetrieben, das Klima wirklich erwärmen oder anderweitig schädigen tut das – sofern es nicht Brandrodung ist – nicht. Und das CO2, das durch die Urwälder nicht in O2 zurück reagiert, verschwindet einfach im Meer und wird dort aufgespalten. Denn dem Meer wird ohnehin eine zu geringe Bedeutung zugewiesen. Das Meer kann vieles ausgleichen, was der Mensch offensichtlich kaputt macht.

Aber genauso verhält es sich auch mit den Autoabgasen und der Viehzucht – beides ist eher schädlich für die Moral denn fürs Klima. Für den Menschen mag es schlecht sein, weil teilweise in Städten wie Los Angeles und San Francisco durch das viele CO2 eine schlechte Luft herrscht, aber diese paar Gasglocken sorgen nun recht nicht dafür, dass sich das Klima stark erwärmt.

Man sieht also sehr schön, dass viele der von selbsternannten Klimaaktivisten vorgebrachten Gründe entweder das Klima nicht beeinflussen oder ganz und gar falsch sind – der Klimawandel mutiert wahrlich zu einem Trend der Lobbyisten, ihre Wünsche nach diesem Prinzip umzusetzen. Doch neben der Gefahr, dass viele der Gründe das Klima gar nicht schädigen und es viel zu sehr ausgenutzt wird, gibt es noch eine weitere Gefahr in der Diskussion ums Klima: Die Pauschalisierung.

Heutzutage werden viele Maßnahmen pauschalisiert. Ökologisch leben wird als grundsätzlich gut dargestellt, aber wie bereits ein vom SPIEGEL erstellter Klimarechner zutage brachte, wird durch diese Lebensweise gegenüber eine schlicht normalen lediglich ca. 6 Tonnen CO2 im Jahr eingespart, welche durch nur einen einzigen Urlaub im Jahr, beispielsweise nach Thailand, bereits wieder wett gemacht werden. Und auch dieses CO2. Wenn ich die Leute schon wieder höre, wie sie gegen dieses unschuldige Gas wettern! Ein weiser Mensch sagte einmal, dass, wenn viele Millionen Menschheit eine Dummheit erzählen und glauben, dies immer noch eine Dummheit bleibt. So verhält es sich mit dem CO2. Das CO2 mag zwar nicht gesund sein, doch das Klima verändern tut es ebenso wenig. Natürlich hält es ein paar der Sonnenstrahlen auf der Erde, sodass diese sich leicht wieder aufheizt, aber man braucht tausende Tonnen CO2, um eine wesentlich geringere Menge eines viel schlimmeren sogenannten “Klimakillers”, nämlich dem Methangas, wieder aufzuwiegen, von seiner Wirkung her.

Und hier kann ich gleich eine weitere Pauschalisierung entkräften: Verbrennung. Viele Menschen glauben, dass Verbrennung das Klima extrem schädigt und schlecht ist. Doch, wie ich anfangs erwähnte, wurden in Sibirien große Mengen eingeschlossenen Methans unter der Eisdecke gefunden. Wenn sich das Klima weiter erwärmt, werden diese Eismengen schmelzen und das Methan freisetzen. Einmal in der Atmosphäre wird es das Weltklima weiter erwärmen und mehr Methan freisetzen. Scheinbar ein Teufelskreis. Doch jetzt kommt der Chemiker in mir raus: Wenn man einen Stoff verbrennt, wird er unter Reaktion mit Sauerstoff in kleinere Moleküle aufgespalten. Im Falle des Methans sieht das so aus:

CH4 (Methan) + 2 * O2 (Sauerstoff) —> CO2 + 2 * H2O (Wasser)

Das heißt, es entsteht doppelt soviel Wasser wie CO2. Dieses Wasser kondensiert, fließt irgendwie in die Weltmeere und kann dort helfen, das entstandene CO2 aufzunehmen. Denn Wasser kann CO2 in großen Mengen aufnehmen. Dadurch wäre die Gefahr gebannt. Es ergäbe sich aber ein neues Problem: Die weltweiten Wasserspiegel könnten um einige Zentimeter steigen. Eigentlich kein Problem, aber der Mensch ist ja von Natur aus feige und faul und traut sich nicht, seine Lebensweise zu ändern. Küstenstädte wie Hamburg, Bremen und New York würden die Menschen nicht teilweise aufgeben, und so versucht man, genau das zu verhindern. Es gibt da nur ein Problem: Es wird in jedem Falle geschehen, es gab oft genug Zeiten auf der Erde, in denen es nicht ein einziges Eiskorn auf diesem Planeten gab, und niemand hat sich beschwert. Ist der Mensch ein Weichei?

Fest steht aber doch, dass dies einer der effektivsten Gegenbeweise gegen diese Pauschalisierung, Verbrennung sei grundlos schlecht, war.

Sicherlich muss ich aber auch zustimmen, was die Brandrodung angeht. Denn dadurch wird ebenso extrem viel Gas frei, nicht nur CO2, sondern auch das – für den Menschen – schädlichere CO (Kohlenmonoxid). Ebenso stimme ich zu, dass Methangas ein extremer “Klimakiller” ist, immerhin hält es viel Hitze auf der Erde und hindert sie am Austritt ins All und ich stimme zu, dass die Industrie in Amerika und China ein Klimakiller ist, da dort nicht nur Wasserdampf und CO2 freigesetzt werden.

Aber: Zuviel CO2 sorgt immer noch nur für schlechte Luft und nicht für einen Klimawandel. Der übrigens laut vieler Vorhersagen momentan überhaupt nicht in Sicht ist, da sich das Weltklima zur Zeit im Großen und Ganzen nicht erwärmt.
Vermutlich ist die dünnste Luft sowieso in den Büros der Politiker und Umweltaktivisten. Und in den dicken Amtsautos, die diese Aktivisten fahren. Denn ich sage euch, ich schätze es als verdammt unwahrscheinlich ein, dass diese Leute freiwillig Hybridautos fahren, oder gar ganz auf Benzin verzichten und mit kleinen Elektrorollern durch die Welt kurven.

Nunja, ich hoffe, ich habe ein klein wenig zur Anti-Klimabewegung beigetragen, auf dass dieser Hype um diese absolut unnötigen Themen sich bald verdünnisiert. Guten Tag.


Dec 14 2009

Parking Extreme – Wenn deutsche Autofahrer tanken fahren

Hendrik Erz

Montags Morgens, 10:30 Uhr in Deutschland. Besser gesagt an der Tankstelle Metro in Krefeld Uerdingen. Heute kostet der Sprit nur unglaubliche 1.22€ – für den leidgeplagten deutschen Arbeiter eine Sensation, ein Spritpreis von fast 1.20€ – Preise wie damals. Und was macht der schlaue Autofahrer dann, wenn der Tank erst halb voll ist und der Sprit trotzdem so billig ist? Richtig – es wird getankt, bis der Tank platzt.

So auch heute. 10:28 Uhr – ich fahre mit meinem kleinen, unauffälligen weißen Polo auf das Gelände der Metro und sehe bereits beim Heranfahren die Automengen, die sich vor der kleinen unmodernen, fast schon “Tante-Emma-Laden”-ähnlich wirkenden Tankstelle auf dem Gelände mit ihren vier kleinen Zapfsäulen stapeln. Kopfschüttelnd und etwas skeptisch fahre ich auf das Gelände und reihe mich hinter der Schlange an der erstbesten Super-Säule ein. Und das Spiel beginnt.

Wenn man als Unbeteiligter einfach nur in seinem Auto sitzt und das Geschehen beobachtet, kommt es einem beinahe vor, als sei man bei “Versteckte Kamera” gelandet, oder in einer sonstigen Standup-Comedyserie. Zur malerischen Begleitung eines mehr oder minder dissonant klingendem Hupkonzert hört man laute Männerstimmen über den halben Platz hallen, welche sich gegenseitig des Vordrängelns beschuldigen. Es geht vorwärts, ein Auto hat fertig getankt.

Da direkt vor der Super-Zapfsäule eine Diesel-Zapfsäule steht, hat sich dort auch eine zweite Schlange gebildet. Nun steht der deutsche Autofahrer vor dem großen Problem, dass zwei Autos gleichzeitig an den beiden Säulen tanken können, und, damit es schneller geht, die Autos, die an der weiter hinten befindlichen Zapfanlage, die natürlich, wenn sie fertig getankt haben, raus müssen, durch die Schlange der Dieseltanker zu lassen. Und damit hätten wir das erste Problem, an dem die Menschen gnadenlos scheitern. Da will ein Auto raus, und rammt beinahe den in Lauerposition befindlichen Van, bis der Fahrer desselben endlich bemerkt, dass er einen Meter zurücksetzen muss. Widerwillig setzt dieser dann auch zurück – er könnte ja übergangen werden beim Dieselausschank. Oder der Preis könnte jederzeit um zwanzig Cent nach oben schnellen. Wieder geht es eine Warteschlangenposition weiter nach vorne.

Nur noch zwei Autos vor mir. Da kommt der nächste Dieseltanker: Ein mit zwei großen Spindeln Starkstromkabel beladener Transporter fährt aufs Gelände und, da er es besonders eilig hat und ganz zufälligerweise der Tankstutzen auch noch auf der linken statt rechten Seite befindlich ist, ist es natürlich praktisch, einfach von vorne vorzufahren, um dann, sobald der Van fertig getankt hat, aufzurücken. Doch da haben die eifrigen Handwerker die Rechnung ohne den Fahrer des nun vorgefahrenen Mercedes-Jeep gemacht. Dieser hat den Tankstutzen ebenfalls auf der linken Seite und steht damit sozusagen “auf der falschen Seite”. Er nutzt eine interessante Strategie, um an das Objekt der Begierde möglichst komfortabel heranzufahren: Er setzt einfach rückwärts hinter den Van vor, welcher nun also von zwei Seiten bedroht wird und sich bemüht, schnell fertig zu werden. Doch dann bemerkt der Mercedesfahrer den ungebetenen Drängler, welcher ganz bestimmt mit voller Absicht als erstes an die Zapfsäule will. Mit hochrotem Kopf steigt er aus und steigt in ein heftiges Wortgefecht mit dem ganz und gar nicht bitterbösen Fahrer des Transporters ein. Der Van begibt sich, endlich vollgetankt, ganz schnell aus der Misere und verdünnisiert sich, bevor der Streit eskaliert. Es geht eine Position vowärts.

Nur noch ein Auto vor mir – und der Mercedesfahrer hat seinen Revieranspruch durchgesetzt – er darf als erstes an die Tanksäule. Trotz seiner wunderschönen Zirkel, die er zog, um sich in Rückwärtsposition zu manövrieren, fährt er doch “verkehrt herum” an die Zapfsäule an. Ich schüttle den Kopf leicht belustigt, während sich der Schlauch mit dem Göttersaft bis zum zerreißen spannt, um in die kleine Öffnung gepresst zu werden.

Doch dann tut sich ein neues Problemgebiet auf: Da die mittleren Zapfsäulen so eng beieinander stehen, dass dort nur 2 Autos durch passen (und erfahrungsgemäß beide Schlangen von hinten nach vorne durch rücken), aber ebenfalls eine Dieselsäule befindlich ist, machen es sich die schlauen Dieselfahrer sehr einfach und fahren einfach von vorne an die leerstehende Parkposition heran – wozu auch anstellen, wenn man sofort tanken kann ohne sich vorzudrängeln? Gemütlich tankt der Golf, während sich auch der Mercedes-Jeep schon vom Acker gemacht hat. Just in dem Augenblick kommt die Fahrerin des schwarzen Opel Corsa aus dem Kassenhäuschen und setzt sich in ihr Auto – bis sie bemerkt, dass sie gar nicht heraus kommt! Jaja, Radkäppchen und der böse Golf. Wieder ein Auto vorwärts – endlich bin ich dran.

Auf Rat meines Großvaters nutze ich den Benzin-Stutzen, aus welchem seit einiger Zeit auch Super anstatt Benzin herauszukommen scheint, an welchem sich aber noch niemand mit einer neuen Aufschrift “SUPER” zu schaffen gemacht hat. Super Sache. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich tanke und fahre schnell vor neben das Kassenhäuschen, während mein Begleiter bezahlt, um aus dem Schlachtfeld entronnen zu sein – eine richtige Entscheidung, wie sich wenige Sekunden später mit dem Aufkreuzen von einer weiteren Horde wilder Fahrzeuge bestätigt.

Mit den Worten “Ich kütt mich amüsiere” steigt mein Großvater wieder ins Auto und wir verlassen das Gelände, wieder um eine Erfahrung reicher – ein echter Autofahrer muss auch in der heutigen Zeit noch um jeden Tropfen Sprit kämpfen wie ein echter Mann. Du bist Autofahrer – du bist Deutschland.